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Deutsche Telekom : Aufsichtsrat: Keine 65 Millionen Euro für Ron Sommer

  • Aktualisiert am

Ron Sommer Bild: AP

Der in Berichten genannte Abfindungsbetrag von 65 Millionen Euro für den Ex-Telekomchef sei „frei erfunden“, sagt AR-Chef Winkhaus.

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          Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Telekom, Hans-Dietrich Winkhaus, hat einen Magazinbericht zurückgewiesen, wonach Ex-Telekom-Chef Ron Sommer eine Abfindung von mehr als 65 Millionen Euro erhalten soll.

          „Die Beträge, die als Abfindungszahlungen genannt sind, sind aus der Luft gegriffen und frei erfunden", teilte Winkhaus am Sonntag mit. Im Zusammenhang mit dem Ausscheiden Sommers seien die Medien bereits darüber informiert worden, dass der Vertrag mit Sommer bis Mai 2005 weiterlaufe. „Abfindungszahlungen hat es nicht gegeben. Die in dem Artikel genannten Summen und angeblichen Vertragsinhalte haben mit der Realität nicht zu tun", erklärte Winkhaus.

          Auch nach Unternehmensangaben erhält Sommer keine Abfindung, sondern lediglich die Bezüge aus seinem noch bis Mai 2005 laufenden Vertrag in Höhe von 11,6 Millionen Euro. „Dazu gehören keine Beträge zur Abgeltung einer angeblichen Option zur Vertragsverlängerung", heißt es in einer Erklärung des Konzerns.

          Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte am Samstag vorab unter Berufung auf eine Schadenersatzklage gegen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Finanzminister Hans Eichel berichtet, der Telekom-Aufsichtsratschef habe dem vor der Ablösung stehenden Sommer einen Tag vor der Vertrauensabstimmung im Aufsichtsgremium eine Summe von mehr als 65 Millionen Euro zugesagt. Diese Summe bestehe der Klageschrift zufolge aus der dreijährigen Restlaufzeit von Sommers Vorstandsvertrag, einer zugesagten dreijährigen Verlängerungsoption und einem Ausgleich für künftige Aktienoptionen. Winkhaus habe Sommer diese Summe „nach langen Diskussionen“ zugesichert, hatte der „Spiegel“ verbreitet.

          Klage gegen Schröder und Eichel

          Eine laut Magazin beim Landgericht Berlin wegen der angeblichen Abfindungshöhe auf Schadenersatz klagende Unternehmergruppe sehe in der Zahlung einen Verstoß gegen das Aktiengesetz. Die Zahlung sei lediglich deshalb notwendig geworden, „weil Schröder und Eichel die Ablösung Sommers dilettantisch betrieben hätten", schreibt das Magazin unter Berufung auf die nicht näher genannten Kläger. Sommer hätte dagegen nach Ansicht der Kläger auch ohne Abfindung aus dem Amt entlassen werden können.

          Als Beispiele zitierte das Magazin eine „Falschbewertung des Immobilienvermögens“ und den „überhöhten Kaufpreis“ für die im Jahr 2000 erworbene US-Mobilfunktochter Voicestream. Finanzminister Eichel habe jedoch auf die Einschaltung des Bundesrechnungshofes oder die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung verzichtet. Hingegen hätten Schröder und Eichel „ihre Rolle als Großaktionär dahingegehend missbraucht, Druck auf Aufsichtsratsmitglieder auszuüben, um den Telekom-Chef abzulösen", heiße es in der Klage. Die gezielte Nachfolgersuche durch das Kanzleramt sei ebenfalls ein Verstoß gegen das Aktiengesetz.

          Winkhaus erklärte dagegen am Sonntag, eine „unangemessene Einflussnahme des Bundes“ im Zusammenhang mit dem Rücktritt Sommers habe es nicht gegeben. „Das Meinungsbild im Aufsichtsrat hat Herrn Dr. Sommer veranlasst, seinen Rücktritt zu erklären.“

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