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Preiserhöhung beim Versand : Die Kunden der Post schlagen Alarm

Noch kommen viele Briefe und Päckchen analog – der Post gefällt das nicht. Bild: Rainer Wohlfahrt

Die geplante Preiserhöhung belastet die Portokasse der Großversender jeden Monat mit 12 Millionen Euro. Ein neuer Rabatt würde helfen, könnte aber den Wettbewerb behindern.

          Die Geschäftskunden der Deutschen Post machen gegen die geplanten Einschränkungen ihrer Mengenrabatte mobil. Über den Postnutzerverband DVPT rufen Großversender wie Versicherungen, Unternehmen und Banken die Bundesnetzagentur und das Bundeskartellamt zu Hilfe. Auch Briefunternehmen, die in Konkurrenz zur Post Briefe von Großversendern wie Versicherungen, Unternehmen und Behörden zustellen, schlagen bei der Marktaufsicht Alarm. „Die Deutsche Post nutzt mit diesem Vorgehen ihre Vormachtstellung auf Kosten der Unternehmen aus, beherrscht sie doch seit Marktöffnung nach wie vor 90 Prozent des Briefmarktes“, kritisierte der DVPT.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Die Post will die Rabatte für ihre Großkunden zum Jahreswechsel um 3 Prozentpunkte reduzieren. Daraus ergibt sich nach Angaben des Konzerns eine durchschnittliche Preiserhöhung um 5,1 Prozent. Nach Berechnungen des DVPT summieren sich die Mehrkosten für die Portokasse der Postkunden auf rund 12 Millionen Euro im Monat, jährlich also mehr als 140 Millionen Euro.

          Entgehen können die Kunden dieser Preiserhöhung nur dann, wenn sie in neue Software und Technik investieren, die der Post helfen soll, ihrerseits den Briefversand zu optimieren und die eigenen Kosten zu verringern. Dafür will ihnen der Bonner Konzern einen neuen „Infrastrukturrabatt“ gewähren. Die notwendige technische Umrüstung sei für die Kunden jedoch mit hohem Aufwand verbunden und für die meisten nicht vor Mitte kommenden Jahres zu schaffen, so der DVPT. Der Verband wirft der Post vor, Unternehmen und Anbieter von Frankiermaschinen viel zu spät informiert zu haben. Bis heute gebe es keine verbindlichen technischen Spezifikationen. DVPT-Vorstand Klaus Gettwart verlangt, den Termin für die Rabattumstellung „bis auf weiteres“ auszusetzen. Die verantwortlichen Aufsichtsbehörden müssten die von der Post geplanten Änderungen „auf Zumutbarkeit und Zusatzkosten der Unternehmen“ überprüfen. Anders als beim Porto für Privatkunden, das die Bundesnetzagentur genehmigen muss, hat die Post bei den Rabatten für ihre Großkunden weitgehend freie Hand. Als marktbeherrschendes Unternehmen unterliegt sie allerdings einer Missbrauchskontrolle, die den Wettbewerb schützen soll.

          Postkonkurrenten sind misstrauisch

          Postkonkurrenten beobachten das Vorgehen der Post mit Misstrauen, weil der Konzern sich marktrelevante Zusatzinformationen beschaffe. Voraussetzung für den Infrastrukturrabatt ist eine Anbindung an ein Auftragsportal der Post, über die die Kunden vorab ihre Einlieferungsmengen mitteilen müssen. Das Gleiche gilt für Postkonkurrenten, die Briefe bei Großkunden einsammeln, vorsortieren, frankieren und dann mit entsprechenden Rabatten der Post zur Zustellung übergeben. Die Post bekomme dadurch einen genauen Einblick in die Kundenbeziehungen ihrer Konkurrenten, hieß es.

          Und noch eine andere Sorge treibt die Wettbewerber um: dass die Rabattumstellung und die Anbindung an das Auftragsportal der Post nur erste Schritte sind, um mehr Großversendern den E-Postbrief schmackhaft zu machen. Eine Präsentation, die dieser Zeitung vorliegt, zeigt, wohin die Reise gehen soll: „Der Infrastrukturrabatt ist ein wichtiger Bestandteil der Digitalisierungsstrategie im Kontext von E-Post“, heißt es darin. Vor sieben Jahren hatte die Post diese digitale Form des Briefes eingeführt, eine Art besonders geschützte und rechtsverbindliche E-Mail. Aber wegen der in Deutschland „ausgeprägten Briefkultur bei Privat- und Geschäftskunden“ gehe es damit zu langsam voran, analysiert die Post. Deshalb ist die E-Post bisher eine Mischung aus digital und analog: Die Kunden verschicken ihre Briefe zwar elektronisch an die Post; die muss die Sendungen dann aber meistens ausdrucken, kuvertieren und herkömmlich zustellen, weil sich nur ein sehr kleiner Teil der Privathaushalte für den E-Postbrief angemeldet hat. Die Post werde nun auch den Aufbau einer „digitalen Empfängerinfrastruktur“ weiter forcieren, heißt es in den Unterlagen.

          Um die hohen Kosten der personalintensiven Zustellung zu verringern, dringt der Konzern bereits darauf, die gesetzliche Pflicht für die Briefzustellung an jedem Werktag zu lockern. Dazu läuft ein Markttest. Wenn die Kunden einverstanden sind, werden die Briefe nur noch samstags gebracht. Auf Wunsch gibt es vorab schon eine digitale Kopie als E-Postbrief. Alternativ können sich die Empfänger die Briefe dienstags, donnerstags und samstags nach Hause oder fünfmal in der Woche an ihren Arbeitsplatz bringen lassen. In 110 Zustellbezirken, verteilt über ganz Deutschland, werben Briefträger für das Modell. Wer mitmacht, bekommt einen 20-Euro-Gutschein für den Post-Onlineshop allyouneedfresh.com. Doch das Echo ist nach Angaben von Insidern extrem gering. Im Schnitt machten nur „eine Handvoll“ Kunden je Zustellbezirk mit, sehr viel weniger, als von der Post erhofft. Der Konzern selbst wollte sich zur Resonanz nicht äußern. Dafür sei es zu früh, weil der Test noch bis Mitte Dezember laufe und erst dann die Ergebnisse analysiert werden könnten. Die Gewerkschaft DPVKOM verwies hingegen auf eine erste interne Zwischenbilanz der Post vom September, nach der nur ein Zehntel der Befragten Interesse gezeigt habe.

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