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F.A.Z. exklusiv : Am 1. April wird das Porto teurer

Briefe werden in einen Briefkasten geworfen. Bild: dpa

Jetzt aber wirklich: Nachdem die Post ihre Portoerhöhung zunächst verschieben musste, ist sie nun für April geplant. Wahrscheinlich ist ein Anstieg von 10 auf dann 80 Cent für einen Standardbrief.

          Die verschobene Portoerhöhung der Deutschen Post soll zum 1. April nachgeholt werden. Das geht aus einem Schreiben der Bundesnetzagentur an ihren politischen Beirat hervor, das der F.A.Z. vorliegt. Voraussichtlich werden sich Standardbriefe dann von 70 auf 80 Cent verteuern. Dazu steht allerdings noch eine Rahmenentscheidung der Netzagentur aus, die im Laufe dieser Woche der Post offiziell mitgeteilt werden soll.

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Nach einem Konsultationsverfahren muss die Post anschließend für die einzelnen Produkte wie Postkarte, Standardbrief, Maxi- oder Auslandsbrief noch die jeweils geplanten neuen Preise beantragen. Eine endgültige Genehmigung werde „voraussichtlich zu Beginn des zweiten Quartals 2019 wirksam werden“, heißt es in den Unterlagen.

          Ende Oktober hatte die Netzagentur die eigentlich schon zum Jahreswechsel geplante Portoerhöhung blockiert. Angesichts des geplanten Umbaus der Brief- und Paketsparte verlangte sie zusätzliche Informationen über die Kostenentwicklung in der Briefzustellung, welche die Post erst Wochen später vorlegte.

          Weitere Erhöhungsrunde geplant

          Im vorigen Sommer hatte der Konzern seine Gewinnprognose drastisch kappen müssen, weil ihm die Kosten im Paketgeschäft davon laufen. Konzernchef Frank Appel, der die Sanierung seit dem Rauswurf des viele Jahre verantwortlichen Vorstandes Jürgen Gerdes selbst in die Hand genommen hat, dreht seitdem kräftig an der Preisschraube. Bücher und leichte Warensendungen sind schon teurer geworden, auch Expresssendungen und der Presseversand.

          Wichtigster Hebel freilich ist das Briefporto, das zuletzt Anfang 2016 um 8 Cent gestiegen war. Immer wieder betont die Post, dass Briefe im europäischen Vergleich trotzdem immer noch sehr preisgünstig seien. Über mögliche Größenordnungen der nächsten Portoanhebung hat der Konzern offiziell noch nichts verlauten lassen. Wie aus Berlin und aus der Branche zu hören ist, will sich der Bonner Konzern aber mit dem Aufschlag um 10 Cent nicht zufrieden geben, sondern möglichst bald in eine weitere Erhöhungsrunde einsteigen. Dazu pocht er gegenüber dem Bundeswirtschaftsministerium auf eine Änderung der „Entgeltregulierungsverordnung“.

          Sonderrabatte zur Kundenbindung sorgen für Ärger

          In einem von der Post in Auftrag gegebenen Gutachten hat die Bonner Kanzlei Redeker Sellner Dahs für das Ministerium Änderungsvorschläge formuliert. Darin geht es unter anderem um eine Neuregelung des Gewinnzuschlages und einen Bonus dafür, dass die Post im Vergleich zu den Wettbewerbern deutlich höhere Löhne zahlt. „Dieses erhöhte Lohnniveau bei dem größten Postdienstleistungsunternehmen in Deutschland ist außerdem sozialpolitisch erwünscht“, heißt es in dem Gutachten, das der F.A.Z. vorliegt. Gut ein Fünftel der Post gehören über die staatliche KfW-Bank noch dem Bund, der deshalb von höheren Porto-Einnahmen selbst profitieren würde.

          Gleichzeitig versucht die Post, besonders lukrative Großkunden durch neue Rabatte enger an sich zu binden. Nach Beschwerden von Wettbewerbern hat die Netzagentur, wie sie ihrem Beirat berichtet, Ermittlungen aufgenommen, weil die Post damit möglicherweise ihre Marktstellung missbraucht. Der Streit dreht sich um ein neues Produkt, die „digitale Kopie“, das der Konzern kürzlich vorgestellt hat.

          Damit will die Post ihre Privatkunden für den vor Jahren eingeführten, aber wenig erfolgreichen E-Post-Brief, eine Art besonders geschützte E-Mail, erwärmen. Unternehmen und Behörden die dabei mitmachen, biete die Post einen Sonderrabatt von 3 Cent, was Konkurrenten im Bundesverband Briefdienste (BBD) als missbräuchlich beanstanden.

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