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Deutsche Mark : Der Geldberg, der nicht schrumpfen will

  • -Aktualisiert am

Wer den Pfennig nicht ehrt... Bild: REUTERS

Noch immer sind viele Milliarden D-Mark im Umlauf. Jeden Tag werden im Durchschnitt Münzen und Scheine im Wert von 590.000 D-Mark zurückgegeben. Bleibt es bei diesem Tempo, dann wäre erst in 66 Jahren die Währungsumstellung vollzogen.

          Die folgende Geschichte beginnt mit einer Romanze und endet in der Bundesbank: Zwei Jugendliche verlieben sich im Skiurlaub, und als der Abschied naht, teilen sie zum Zeichen ihrer Liebe einen 100-Mark-Schein. Das eine Ende behält er, das andere sie. Danach verlieren sie sich aus den Augen. Zehn Jahre später, im Januar 2002, führt Deutschland den Euro ein. Wenige Wochen darauf verabreden sie sich zu einem Wiedersehen in der Bundesbank, um das Geld gemeinsam umzutauschen.

          Berichte wie diese gibt es viele, notiert von eifrigen Beamten der Bundesbank und gesammelt in der Frankfurter Zentrale. Jeden Tag kommen neue Fälle hinzu, denn der Strom der Umtauschwilligen reißt nicht ab - noch immer sind mehr als 14 Milliarden D-Mark im Umlauf, und jeden Tag werden im Durchschnitt Münzen und Scheine im Wert von 590.000 D-Mark zurückgegeben. „Das sind keine Kleinstbeträge mehr. Wer jetzt noch etwas umzutauschen hat, hatte das Geld auf keinen Fall mehr im Portemonnaie liegen“, sagt Johannes Krautwurst. Er ist Leiter der Bundesbank-Filiale in Frankfurt, wo bundesweit am meisten Geld umgetauscht wird. „Die durchschnittliche Summe pro Transaktion in Deutschland liegt bei 500 Euro, bei uns sind es etwa 1.000.“

          „In vielen Ländern war die Mark Parallelwährung“

          Die Schalterhallen sind voll von Umtauschwilligen. Etwa 2.000 Vorgänge registriert die Bundesbank jeden Tag, alleine in Frankfurt sind es täglich 60 Menschen, etwa ein Viertel des gesamten Präsenzkundengeschäfts der Filiale. „Manchmal steht man staunend vor den Menschenschlangen und denkt, eigentlich müsste bald alles umgetauscht sein“, sagt Krautwurst. „Dabei sind das nur Tropfen auf den heißen Stein.“ Denn trotz des hohen Andrangs verringert sich der 14 Milliarden Euro schwere Geldberg nur langsam. In den vergangenen viereinhalb Jahren kamen insgesamt 970 Millionen D-Mark zurück.

          Bleibt es bei diesem Tempo, dann wäre die Währungsumstellung erst in 66 Jahren komplett vollzogen. Wahrscheinlich aber dauert es noch länger. Denn ein großer Teil, so schätzt die Bundesbank, liegt bei den Sammlern, ein anderer im Ausland. „Denn in vielen Ländern war die Mark früher Parallelwährung“, sagt Hans Reckers, im Bundesbank-Vorstand für das Bargeld zuständig. Viel Geld kommt daher aus dem Balkan, anderes hingegen aus Ecken, wo man es nie vermutet hätte: Die Geschichte aus den Aufzeichnungen der Bundesbank über eine Tochter, die in den Fenstergardinen ihrer verstorbenen Mutter mehrere 1.000-Mark Scheine fand, zeigt, an was für abstrusen Orten die Deutschen ihr Geld aufbewahren.

          Scheine müssen geschreddert, Markstücke entwertet werden

          Die Bundesbank hat sich verpflichtet, die Mark bis in alle Ewigkeit in Euro umzutauschen. Sogar zerrissenes oder verbranntes Geld nimmt sie unter bestimmten Umständen entgegen. Das kostet Arbeit. „Für uns ist das immer noch ein großer logistischer Aufwand“, sagt Krautwurst. Scheine müssen geschreddert, die Markstücke entwertet werden. Acht Lager betreibt die Bundesbank noch, wo die entwerteten Markstücke gesammelt und anschließend an die Vebeg, das Verwertungsunternehmen des Bundes, übergeben werden.

          Das Unternehmen, das zu 100 Prozent dem Finanzministerium gehört, macht die wertlosen Münzen nämlich zu Geld - auf dem Rohstoffmarkt. Im vergangenen Jahr verkaufte sie 451 Tonnen und erlöste so etwa 1,2 Millionen Euro. Geld, das dem Steuerzahler zugute kommt. „Die Währung vieler Länder besteht aus dem gleichen Material wie die Mark, nämlich zu 25 Prozent aus Kupfer und 75 Prozent aus Nickel“, sagt Uwe Schade, Geschäftsführer der Vebeg. „Für viele Staaten ist der Kauf bei uns viel günstiger, als wenn sie die Legierung selbst mischen würden.“ Und so lebt die D-Mark in den Brieftaschen dieser Welt weiter - zum Beispiel als südkoreanischer Won oder türkische Lira.

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