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Kaum Investitionen : Deutsche Konzerne sind in Afrika noch zögerlich

Brachland: In Kenias Hauptstadt Nairobi nutzt China manche Investitionsmöglichkeit Bild: AP

Nur ein Prozent der Auslandsinvestitionen geht in den Schwarzen Kontinent. Der Export-Marktanteil ist sogar rückläufig. Vor allem die Chinesen sind scharfe Konkurrenten.

          5 Min.

          Ein riesiger Kontinent voller Möglichkeiten, so preisen einige Unternehmensberater Afrika an. Das Wachstum war einige Jahre recht hoch. Von „Löwen auf dem Sprung“ schwärmte McKinsey. Auch wenn die Wachstumsraten seit Ende des Rohstoffbooms scharf zurückgegangen sind, bleibt die Beratungsgesellschaft bei ihrer Ansicht, dass Afrika für Investoren große Chancen biete – wegen der raschen Urbanisierung und dem Bedarf an Infrastruktur.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Auch das Potential einer stark wachsenden jungen Bevölkerung und einer neuen Mittelschicht hebt McKinsey hervor. Die Zeitschrift „Economist“ schrieb von „1,2 Milliarden Opportunitäten“ – so viele Menschen gibt es mittlerweile in Afrika. China hat sich mit Wucht auf den rohstoffreichen Kontinent geworfen, hat Milliarden-Deals im Stil „Rohstoffe gegen Infrastrukturbauten“ vereinbart.

          Größte Investitionen in Südafrika

          Deutsche Unternehmen halten sich dagegen bisher zurück. Insgesamt hat die deutsche Wirtschaft auf der ganzen Welt fast 1 Billion Euro Direktinvestitionen plaziert – doch nur ein Prozent davon – gut 9 Milliarden Euro – in Afrika. Das ist viel weniger als die chinesischen Direktinvestitionen, die laut Weltbank auf 24 Milliarden Dollar kommen.

          Etwas mehr als 800 Unternehmen mit deutscher direkter oder indirekter Mehrheitsbeteiligung sind laut Bundesbank-Statistik auf dem Schwarzen Kontinent aktiv. Zwei Drittel der Investitionen, etwa 6 Milliarden Euro, flossen nach Südafrika, in das einzige industrialisierte Land Afrikas. Am Kap sind etwa 400 deutsche Unternehmen tätig, die großen Automobilbauer wie BMW, Daimler und VW haben dort Fabriken, die meisten Dax-Unternehmen von Bayer bis Siemens haben ebenfalls Produktionsstandorte oder Niederlassungen.

          Politische Entwicklungen bremsen Engagements

          Im Rest Afrikas sind die deutschen Engagements spärlich. 70 Unternehmen in Ägypten haben laut Bundesbank-Statistik etwa 1 Milliarde Euro Direktinvestitionen gebracht. Eine Handvoll Unternehmen wie die BASF-Tochtergesellschaft Wintershall aus der Ölbranche ist in Libyen mit einer Drittel Milliarde Direktinvestitionen tätig; in Marokko, Algerien und Tunesien sind es zusammen etwas mehr als eine halbe Milliarde. Mit der „Arabellion“ und dem folgenden Chaos hat Nordafrika, das zuvor recht stark wuchs, wirtschaftlich stark abgebremst.

          Einige der wichtigsten Ölproduzenten Afrikas, die in den Jahren hoher Preise regelrecht boomten, sind wegen des Preisverfalls sogar in eine Rezession gerutscht. Deutsche Unternehmen waren in Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas, schon vorher nur wenig präsent. Nur rund 20 deutsche Gesellschaften in Nigeria führt die Bundesbank-Statistik auf, sie haben dort 65 Millionen Euro investiert.

          VW produziert in Nigeria und Kenia

          Teils ist die Zurückhaltung durch historisch schlechte Erfahrungen begründet. In den siebziger Jahren baute etwa Volkswagen nahe der nigerianischen Hauptstadt Lagos ein Montagewerk. Später war zu lesen, die „schlampige Montage des Käfers“ schade dem Absatz und dem Ansehen des deutschen Autoherstellers. Der Zusammenbruch des Ölbooms in den achtziger Jahren verschlechterte die wirtschaftliche Lage. Und dann kamen noch Probleme mit der Bürokratie und Korruption hinzu: Die Zentralbank stellte sich quer bei der Devisenzuteilung. Ein Beamter soll sogar in großem Stil Gelder abgezweigt haben, erinnert ein Afrika-Experte. Entnervt gab der VW-Konzern in den frühen neunziger Jahren auf.

          Doch inzwischen ist er zurück in Nigeria. In Lagos ist wieder ein Werk entstanden, wo Passat und Jetta zusammengeschraubt werden. Der Markt für Neuwagen ist zwar klein, jährlich werden 56 000 Autos produziert und 100 000 Wagen importiert. Nur jeder zwanzigste Afrikaner hat überhaupt ein Auto. Deutsche Neuwagen sind für die allermeisten unerschwinglich, höchstens Gebrauchtwagen deutscher Marken sieht man auf den Straßen. Doch entwickelt sich nach und nach eine Mittelschicht, die deutsche Qualitätsprodukte schätzt. Die Unternehmensberatung PWC schreibt von Schätzungen, dass allein im derzeit 180-Millionen-Menschen-Land Nigeria der Markt für Neuwagen mittelfristig auf eine Million jährlich wachsen könnte.

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