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Schwächelnde Konjunktur : Europas Wirtschaft stottert

  • -Aktualisiert am

Turbinenläufer in einer Montagehalle Bild: dpa

Der Gegenwind zehrt an der Wirtschaft. Die EU-Kommission senkt ihre Wachstumsprognose stark. Die deutsche Industrie produziert weniger. Besserung ist nicht in Sicht.

          Harte Indikatoren können dem wachsenden Pessimismus in den Chefetagen in Deutschland und im Euroraum dieser Tage wenig entgegensetzen. Der Handelsstreit hält an und Chinas Wirtschaft kühlt sich weiter ab. Der Welthandel entwickelt sich entsprechend schwach.

          Die Europäische Kommission hat nun ihre Wachstumsprognose für den Währungsraum stark gesenkt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte im laufenden Jahr nur noch um 1,3 Prozent zulegen, heißt es in der Projektion für den Winter, die die Behörde am Donnerstag veröffentlicht hat. Bislang war man in Brüssel noch von einem Wachstum von immerhin 1,9 Prozent ausgegangen. Für Deutschland sagen die Fachleute noch 1,1 Prozent Wachstum im Jahr 2019 voraus. Die Prognose vom Herbst revidierte die EU-Kommission damit ungewöhnlich stark um 0,8 Prozentpunkte nach unten.

          Anlass für Sorgen vor einer Rezession sieht die EU-Kommission trotzdem nicht. „Sämtliche EU-Staaten werden weiterhin wachsen, das bedeutet mehr Jobs und Wohlstand", sagte der zuständige EU-Kommissar Valdis Dombrovski. Italien allerdings befand sich im zweiten Halbjahr des Vorjahres in einer Rezession. Als Grund für den revidierten Wert nennt die Brüssler Behörde den vor allem in Deutschland, Italien und auch Frankreich getrübten Ausblick.

          Produktion fällt, Hoffnung bleibt

          Dabei sprechen Produktionsrückgänge in Deutschland dafür, dass Wachstumsimpulse etwa aus der Industrie noch länger auf sich warten lassen. Wie im gesamten Euroraum weisen die Stimmungsindikatoren für das verarbeitende Gewerbe nach unten.

          Im Dezember ist zudem die Gesamtproduktion im Vergleich zum Vormonat um 0,4 Prozent zurückgeganen, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Herausgerechnet sind Preissteigerungen sowie die Kalender- und Saisoneffekte. Den vierten Monat in Folge ist die Produktion damit gesunken. Auch die Auftragseingänge in der deutsche Industrie haben im Dezember überraschend einen weiteren Dämpfer erhalten, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte.

          Dennoch geben die Produktionszahlen Anlass zu einem Quäntchen Hoffnung. Während im Baugewerbe die Produktion kräftig nachgab, konnte sich die Fertigung in der Autoindustrie deutlich erholen. Wegen Problemen der Automobilunternehmen, die Abgastestverfahren für Neuwagen auf den WLTP-Standard umzustellen, hatte die Produktion im Sommer stark nachgegeben. Nun konnte die Autoindustrie die Herstellung im Dezember gegenüber dem Vormonat wieder um 7,2 Prozent steigern.

          Analysten wurden von der negativen Entwicklung insgesamt überrascht. Sie hatten für Dezember einen Anstieg der Gesamtproduktion um 0,8 Prozent erwartet. Allerdings war der Produktionsrückgang im November nicht so stark ausgefallen wie bisher angenommen. Das Statistische Bundesamt revidierte den Rückgang im Monatsvergleich auf nur noch 1,3 Prozent, die Wiesbadener Statistiker waren zuvor noch von minus 1,9 Prozent ausgegangen.

          Auch der DIHK senkt die Prognose

          Im Ausblick für die deutsche Industrie bleiben Konjunkturfachleute überwiegend skeptisch. „Angesichts rückläufiger Auftragseingänge und verhaltener Stimmungsindikatoren dürfte sich die Industriekonjunktur weiterhin gedämpft entwickeln“, verlautete am Donnerstag das Bundeswirtschaftsministerium.

          Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bleibt wegen der Abkühlung der Weltwirtschaft, der unklaren Lage rund um den Brexit sowie der Handelskonflikte in seiner Einschätzung zur Konjunktur weiter pessimistisch. Der Verband rechnet für 2019 nur noch mit einem Wachstum von 0,9 Prozent – die bisherige Wachstumsprognose hat der DIHK um 0,8 Prozentpunkte gesenkt. „Damit ist die Zeit des Schönredens nun endgültig vorbei“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben am Donnerstag in Berlin. Die Bundesregierung erwartet für 2019 ein Wachstum von 1,0 Prozent.

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