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Deutsche Konjunktur : Der Abschwung ist da

Neuwagen stehen auf einem Verladeplatz nahe Michendorf in Brandenburg Bild: dpa

Schlechte Produktionszahlen aus der Industrie setzen der deutschen Wirtschaft zu. Sorgenkind bleibt ausgerechnet die Autobranche. Darf schon von einer Krise gesprochen werden?

          Die Wachstumsaussichten trüben sich weiter ein: Deutsche Industrieunternehmen drosselten zu Jahresbeginn ihre Produktion. Wie das Statistische Bundesamt am Montag bekannt gab, wurde kalender- und saisonbereinigt im Vergleich zum Dezember 0,8 Prozent weniger produziert. Auch die Exporte traten im Vergleich zum Dezember auf der Stelle. Damit verdichten sich die Anzeichen, dass sich die deutsche Wirtschaft im Abwärtstrend befindet.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schon am Freitag hatten die Statistiker aus Wiesbaden mit minus 2,6 Prozent spürbar rückläufige Auftragseingänge in der Industrie vermeldet. Auch wenn die Produktions- und Auftragszahlen für Dezember nachträglich nach oben revidiert wurden, fällt der Einbruch stärker aus als von Markt und Ökonomen erwartet.

          Sorgenkind der deutschen Wirtschaft bleibt die Autoindustrie. Nachdem sich die Produktionszahlen zum Jahresende nach monatelangen Zulassungsproblemen rund um das neue Abgasmessverfahren WLTP wieder stabilisiert hatten, fiel die Fahrzeugproduktion im Januar um nahezu 9 Prozent. Das könne nicht allein auf Streiks und Werksferien zurückgeführt werden, wie es sie etwa bei Audi gab, sagt Claus Michelsen, Konjunkturforscher am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), im Gespräch mit FAZ.NET. Die Produktionszahlen nennt er „enttäuschend“. Vor allem die Abkühlung der Weltwirtschaft setze der deutschen Wirtschaft zu, der exportorientierte Automobilindustrie ganz besonders.

          Zahlen für Februar machen Mut

          Erst am Freitag hatte China die Märkte mit schlechten Handelszahlen schockiert. Auch hier schwächelte zu Jahresbeginn vor allem der Autoabsatz. So fielen die Verkäufe im Februar im Jahresvergleich den neunten Monat in Folge um mehr als 18 Prozent auf 1,19 Millionen Autos. Das belastet auch die deutschen Autohersteller, für die China neben Amerika und dem Euroraum längst der wichtigste Auslandsmarkt ist.

          Ökonomen nehmen die schwachen Konjunkturzahlen derzeit als Anlass, ihre Prognosen kräftig nach unten zu korrigieren. Die Industrieländervereinigung OECD erwartet für Deutschland in diesem Jahr statt ursprünglich 1,6 nur noch 0,7 Prozent Wachstum, und das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle hat am Freitag bekanntgegeben, nur noch mit einem halben Prozent zu rechnen. Noch ist offen, ob die Bundesregierung ihre Erwartung von einem Prozent nicht ebenfalls revidieren muss. Krisengerede wäre dennoch verfrüht, ist sich das Gros der Forscher einig. Es gebe zwar eine „insgesamt auf Abkühlung gestimmte Grundtendenz", sagt Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. Von einer Rezession sei man aber „noch meilenweit entfernt“. Allen voran das Baugewerbe habe pralle Auftragsbücher und profitiere von weiter steigenden Baupreisen.

          Auch Claus Michelsen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) betont, dass die Produktionszahlen für Februar, die für die Autoindustrie schon vorliegen, Mut machten. Auch wenn die Zeiten der Hochkonjunktur vorbei seien, spräche noch wenig für eine Rezession. Der Konsum im Inland brumme weiter, so auch der Arbeitsmarkt in Deutschland, betont Michelsen und verweist auf die Schaffung von 79.000 sozialversicherungspflichtigen Stellen im Januar. „Von einer Krise kann noch keine Rede sein“, so Michelsen.

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