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Konjunktur : Deutsche Unternehmen drosseln Produktion

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Autoproduktion bei Audi in Ingolstadt Bild: dpa

Die Industrie hat im Juni noch weniger produziert als von Ökonomen befürchtet und bleibt damit im Abschwung. Auch der Ausblick ist düster.

          Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im Juni überraschend stark gedrosselt. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 1,5 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang um 0,4 Prozent gerechnet. Im gesamten zweiten Quartal ging es um 1,8 Prozent nach unten. „Die Industrie bleibt konjunkturell im Abschwung“, erklärte das Ministerium.

          In der Baubranche zog die Produktion im Juni gegen den Trend um 0,3 Prozent an. Die Energieversorger meldeten hingegen ein Minus von 1,6 Prozent. In der Industrie ging es sogar um 1,8 Prozent bergab. Die exportabhängige deutsche Wirtschaft leidet unter der schwächeren Weltkonjunktur, Handelskonflikten und Unsicherheiten wie dem Brexit. Im Juni zogen die Industrieaufträge zwar mit 2,5 Prozent so stark an wie seit fast zwei Jahren nicht mehr, doch war dies ungewöhnlich vielen Großbestellungen zu verdanken.

          Auch die beiden Autozulieferer Continental und Elringklinger meldeten am Mittwoch wegen der Branchenschwäche und der Konjunkturflaute schlechte Zahlen. Die gestern veröffentlichten Auftragseingänge sahen allein wegen Großaufträgen besser aus als die Lage tatsächlich ist.

          „Die Aussichten für die deutsche Industrie sind derzeit alles andere als rosig“, sagte der Konjunkturexperte des Ifo-Instituts, Robert Lehmann. „Immer mehr Firmen vermelden, dass sie ihre Produktion im kommenden Vierteljahr drosseln wollen.“ Der aktuellen Ifo-Umfrage zufolge schätzen sie die Produktionserwartungen so schlecht ein wie seit November 2012 nicht mehr.

          Die deutsche Industrie rechnet laut der aktuellen Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts mit einem weiteren Rückgang ihrer Produktion in den nächsten drei Monaten. Der Saldo der Erwartungen sei im Juli auf den niedrigsten Wert seit sieben Jahren gesunken, teilten die Wirtschaftsforscher am Mittwoch in München mit. Das bedeutet: Die pessimistischen Stimmen überstiegen die optimistischen inzwischen deutlich. „Derzeit ist ein Ende der Rezession in der deutschen Industrie nicht absehbar", sagt Ifo-Ökonom Lehmann.

          Mit Ausnahme der Chemieindustrie zeigte sich der kräftige Rückgang in allen Branchen. Besonders stark war der Rückgang im Maschinenbau, dort sackte der Saldo auf minus 7,3 Saldenpunkte. Bei unveränderten Produktionserwartungen läge er bei null.

          Aus Sicht von Andreas Scheuerle von der Dekabank gibt es für Volkswirtschaften derzeit drei Misserfolgsfaktoren: Ein hoher Industrieanteil, eine hohe Exportquote und eine hoher Anteil an Ausfuhren in die Region Asien. In allen drei Kategorien punkte Deutschland negativ. Die Dekabank geht davon aus, dass der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal den Auftakt einer technischen Rezession bildet. Damit ist vereinfacht ausgedrückt ein Rückgang der Wirtschaftsleistung in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen gemeint.

          Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe bezeichnet den anhaltenden Produktionsabsturz als beängstigend. Da der globale Handelsstreit zurzeit intensiver werde, dürfte die Industrierezession anhalten. Je länger das der Fall ist, desto wahrscheinlicher wird eine Ausweitung auch auf andere Sektoren. Die Wachstumsprognosen für Deutschland dürfen weiter zurückgeschraubt werden.

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