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Deutsche Industrie : Dieses Auftrags-Plus ist noch keine Trendwende

Großauftrag im Schiffsbau, hier MV-Werften ins Stralsund Bild: dpa

Die Nachfrage nach deutschen Industrieprodukten ist im Juni überraschend stark gestiegen. So erfreulich die Zahl auf den ersten Blick ist – bei genauem Hinsehen zeigen sich Schwächen.

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          Der Abschwung der deutschen Wirtschaft ist ungebrochen, doch es gibt auch überraschend belebende Signale. So verzeichnete die Industrie im Juni saisonbereinigt ein Auftrags-Plus von 2,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat, seitdem die Bestellungen im Trend seit rund anderthalb Jahren schrumpfen. Das gab das Statistische Bundesamt am Dienstag bekannt. Der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe gehört zu den wichtigsten Frühindikatoren für die Konjunktur in den kommenden Monaten.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Was auf den ersten Blick eine Trendwende vermuten lassen könnte, ist bei genauerem Hinsehen allerdings zwei speziellen Faktoren geschuldet, zum einen Großaufträgen. Ohne solche Einmal-Orders von Flugzeugen, Schiffen oder großen Kraftwerksanlagen deutscher Fertigung schlägt beim Auftragseingang im Juni statt des Plus von 2,5 Prozent ein Minus von 0,4 Prozent zu Buche. Zum anderen legte einzig und allein die Bestellungen von Kunden außerhalb des Euroraums mit 8,6 Prozent ausgesprochen kräftig zu. Die Inlandsaufträge sanken im Vergleich zum Vormonat dagegen um 1 Prozent, die Aufträge aus der Eurozone um 0,6 Prozent.

          Mit dem Juni als dritten Monat im zweiten Quartal ergibt sich damit ein Rückgang der Auftragseingänge in der Industrie von 1 Prozent. Das ist weniger als der Rückgang im ersten Quartal, der 4,2 Prozent betrug, sodass das Bundeswirtschaftsministerium von einer merklichen Verlangsamung der Abwärtstendenz spricht. Die Geschäftsklimaindikatoren deuteten jedoch darauf hin, „dass der konjunkturelle Wendepunkt in der Industrie noch aussteht“.

          Ob er schon in den kommenden Monaten zu erwarten ist, gilt indes als unwahrscheinlich. Denn zu der zyklischen Abkühlung hinzu komme die neuerliche Eskalation im amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt. Sie ist in den Juni-Zahlen noch nicht enthalten, betont Stefan Kooths, Konjunkturchef am Kieler Institut für Weltwirtschaft, im Gespräch mit FAZ.NET. Tatsächlich liefen die Geschäfte etwa für den deutschen Maschinenbau in diesen beiden größten Volkswirtschaften zuletzt noch deutlich besser als in Europa. Von Januar bis Mai war der Export deutscher Maschinen nach China laut Branchenverband VDMA um 3 Prozent gestiegen, die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten hatte sogar um 12 Prozent zugenommen.

          Alarmstimmung hält Ökonom Kooths dennoch für absolut unangebracht. Zwar seien die Handelskonflikte, zu denen auch der Streit zwischen Japanern und Südkoreaner gehöre, zusätzlicher Sand im Getriebe der Weltwirtschaft. Von Rezession könne aber Stand jetzt keine Rede sein. Im zweiten Quartal erwarten die Kieler Forscher nach wie vor ein Nullwachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts; die meisten Ökonomen sehen es ähnlich, die Bundesbank ist mit einem prognostizierten Rückgang der Wertschöpfung etwas pessimistischer. Offizielle Zahlen legt das Statistische Bundesamt am 14. August vor.

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