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Nach Vorfall in London : Wie sicher sind deutsche Flughäfen vor Drohnenangriffen?

Drohnen dürfen Flughäfen nicht näher als 1,5 Kilometer kommen. Bild: dpa

Der Fall Gatwick löst eine Sicherheitsdiskussion in Deutschland aus. Flughafenbetreiber weisen die Verantwortung von sich. Ein Experte stuft das Bedrohungspotential als „enorm hoch“ ein.

          Die Schließung des Londoner Flughafens Gatwick aufgrund von umherfliegenden Drohnen unbekannter Herkunft hat zu einer Sicherheitsdiskussion in Deutschland geführt. Hierbei zeigt sich, wie schlecht vorbereitet auch die hiesigen Verkehrsflughäfen gerade auf mutwillige und gezielte Drohnenattacken sind. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) meldete am Donnerstag die Zahl von 152 Behinderungen durch Drohnen in diesem Jahr (Stand Ende November), die gefährlich nah an Flughäfen oder auf der Flugstrecke beobachtet worden seien. Im bisherigen Rekordjahr 2017 waren es nur 88 Fälle. „Drohnenflüge am Flughafen sind grundsätzlich verboten. Verstöße gegen die vom Gesetzgeber eingerichteten Flugverbotszonen müssen mit allem Nachdruck verfolgt werden“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Flughäfen (ADV), Ralph Beisel. Flughafenbetreiber seien auf schnelle und effektive Abwehrmaßnahmen durch die Polizeibehörden angewiesen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Was der ADV nicht erwähnt, ist, dass jeder Verkehrsflughafen in Deutschland selbst aktiv werden und eigene Drohnenabwehrsysteme zur Aufklärung seines Gebiets einsetzen könnte. Dies geschieht bisher jedoch nicht. Fachleute kritisieren diese Defizite. „Drohnenabwehrsysteme für deutsche Flughäfen sind ein Muss. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb solche neuralgischen Punkte damit bisher nicht geschützt werden. Die Gefahren sind evident“, sagte Jörg Lamprecht der F.A.Z. Er ist Chef und Mitbegründer des deutsch-amerikanischen High-Tech-Anbieters Dedrone, Marktführer für Luftraumsicherheit und Drohnen-Abwehrsysteme, der in Kassel produziert. Für Andreas Hausotter vom Spezialanbieter ESC Aerospace aus Bayern ist das Bedrohungspotential von Drohnen wegen der technischen Möglichkeiten „enorm hoch“. Vielen Verantwortlichen fehle dafür aber noch das Bewusstsein, weil die Eintrittswahrscheinlichkeit solcher Szenarien derzeit als gering eingeschätzt werde.

          Verstöße sind strafbar

          Die Verantwortung wird von den zuständigen Stellen derweil hin und her geschoben. Die Flughafenbetreiber sehen die Sicherheitsbehörden oder auch die Flugsicherung in der Pflicht. Auf Anfrage sagt die Bundespolizei, dieses Thema liege außerhalb ihrer Zuständigkeit. Das Bundesministerium des Innern antwortete nicht. Kämen noch die jeweils für die Außenbereiche der Flughäfen zuständigen Landespolizeien in Frage, doch auch da gibt es keine einhellige Meinung zur Verantwortung. Deshalb bleiben die Flughäfen in Deutschland im Hinblick auf die Drohnengefahr weiter ungeschützt.

          Drohnenabwehrsysteme sind Peilgeräte, die anhand der Radiosignale inzwischen auch die Position der Fernbedienung der Drohnenpiloten aufspüren können. Sicherheitskräfte erhalten damit nicht nur Echtzeit-Informationen zu Flugroute und Gefahrenpotential des Flugroboters, sondern können nun auch den Standort des Drohnenpiloten ausmachen. In Deutschland dürfen Drohnen nicht höher als 100 Meter aufsteigen, 1,5 Kilometer um Flughäfen herum ist ihr Einsatz verboten, Verstöße sind Straftaten. Ein Flugobjekt über Störsender zu kapern und zum Absturz zu bringen ist ohne polizeiliche Genehmigung nicht erlaubt, weil auch Mobilfunknetze außer Betrieb gerieten. Die DFS und die Deutsche Telekom arbeiten an einem Drohnen-Prototyp, der mittels Sim-Karte wie ein „fliegendes Handy“ Signale sendet und auf Radarschirmen sichtbar wird. Aufgrund des fehlenden Funk-Transponders können Drohnen bislang nicht auf einem Radarschirm erkannt werden. Neue Drohnen sind mit Software bestückt, die Verbotszonen wie zum Beispiel Flughäfen erkennt (Geofence) und verhindert, das sie hereinfliegen können.

          Am Donnerstagnachmittag war der Flughafen Gatwick immer noch geschlossen. Von dem Zwischenfall waren rund 110.000 Reisende betroffen. Rund 2000 gestrandete Passagiere hatten bereits die Nacht zum Donnerstag auf dem Flughafen verbringen müssen. Es könnten mehrere Tage vergehen bis wieder ein normaler Betrieb möglich sei. Die Störung hatte am Mittwochabend begonnen, als zwei Drohnen über dem Flughafengelände gesichtet worden waren. Am Donnerstag waren 20 Polizeieinheiten im Einsatz, um den oder die Täter und ihre Drohnen aufzuspüren. Nach Polizeiangaben handelte es sich nicht um eine Terrorattacke. Am Abend beorderte das Verteidigungsministerium Einsatzkräfte des britischen Militärs nach Gatwick, um der Krise Herr zu werden. Die Premierministerin Theresa May wies darauf hin, dass es in Großbritannien gesetzlich verboten sei, Drohnen im Umfeld von Flughäfen zu fliegen. Oppositionspolitiker warfen der Regierung vor, zu langsam gehandelt zu haben. Die Zahl der durch Drohnen verursachten Störungen des Flugverkehrs ist auch in Großbritannien zuletzt stark gestiegen.

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