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Langwieriger Sicherheitscheck : Amsterdam kontrolliert doppelt so schnell wie Frankfurt

Am Flughafen Schiphol in Amsterdam gelangen Reisende wesentlich schneller zum Flieger als in Frankfurt. Bild: EPA

Anstehen oder sogar den Flug verpassen: Sicherheitskontrollen an deutschen Flughäfen sind zum Streitthema geworden. Aber wer ist eigentlich schuld an den Warteschlangen?

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          „Premium ist das nicht“, so knapp beschreibt Carsten Spohr, Vorstandschef der Lufthansa, was seine Kunden vor dem Start auf dem Frankfurter Flughafen erleben. Gedränge, lange Warteschlangen vor der Sicherheitskontrolle und weite Wege mit gehetzten Schritten, um noch an Bord zu huschen, bevor die Flugbegleiter die Tür schließen. Die große Sorge ist, dass es noch trubeliger wird, wenn erst die Schulferien beginnen, in denen sich an Spitzentagen mehr als 220 000 Reisende durch die zwei Terminals schieben – und schlimmstenfalls ihren Flug verpassen, weil die Warteschlangen zu lang sind. Nach Lufthansa-Angaben ist genau das schon Tausenden Konzernkunden in diesem Jahr passiert, obwohl die Sommerferien noch nicht begonnen haben.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Offen sagt es niemand, aber einige Flugmanager befürchten einen Chaos-Sommer. Einen Vorgeschmack gab es 2017 in Düsseldorf, wo es in Warteschlangen zu Tumulten kam. Für den Flughafen Berlin-Tegel bittet die Flughafengesellschaft Urlauber mit Blick auf die Kontrollen schon jetzt vorsorglich, „je nach Reiseziel zwei bis drei Stunden vor ihrer Abflugzeit“ zu erscheinen. „Fliegen kann so schnell sein, das wird aber konterkariert, wenn man Stunden vor der Kontrolle warten muss“, klagt ein Branchenmanager. In Frankfurt wird gegengesteuert – wenigstens etwas. Neben den bestehenden 175 Kontroll-Linien für Passagiere und Handgepäck schafft Betreiber Fraport mit Mühe Raum für sechs weitere. Das dritte Terminal wird erst 2023 komplett stehen, 2019 soll zumindest eine Leichtbauhalle mehr Platz für Kontrollräume schaffen.

          Wer schuld an Warteschlangen und Nervenproben vor dem Urlaub ist, darüber gehen die Ansichten auseinander. An Deutschlands größtem Flughafen ist ein Streit zwischen Betreiber Fraport und Deutsche Lufthansa daraus erwachsen. Die Fluggesellschaft beklagt hohe Gebühren und Gedränge. Der Flughafen fühlt sich zu Unrecht attackiert und verweist darauf, dass er für vieles in den Terminals verantwortlich ist, aber nicht für die Sicherheitskontrollen. Dafür seien die Bundespolizei nebst beauftragten Dienstleistern sowie das Bundesinnenministerium zuständig.

          Deutschland hinkt hinterher

          Solange das Ministerium die Prozesse an Kontrollstellen nicht effizienter gestalte, könne der Flughafen bloß zusätzliche Kontroll-Linien schaffen, bemängelt Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte. Und dafür ist der Platz begrenzt. Im Lufthansa-Konzern hat man Ideen, auch wenn An- und Neubauten noch nicht fertig sind: Ein paar Einkaufsläden weniger, an denen der Flughafen als Vermieter mitverdient, schon wäre der Weg frei, um schneller durch die Kontrollen zum Flieger zu gelangen. Fraport weist derweil zurück, durch Gebührenrabatte Billigflieger wie Ryanair angelockt zu haben, deren Passagiere nun die Hallen verstopfen. Nach Flughafenangaben ging 2017 nur ein Drittel des Wachstums auf das Konto von Ryanair und Co. Zwei Drittel der 3,7 Millionen zusätzlichen Passagiere nutzten Linienflieger wie Lufthansa.

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