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F.A.Z. exklusiv : Deutschlands Elite pocht auf Schutz vor China

Besucher betrachten das Konzeptmodell IMX des japanischen Autoherstellers Nissan auf der Automesse in Peking im April. Bild: dpa

Der wachsende Einfluss der Chinesen auf die deutsche Wirtschaft treibt Spitzenkräfte um. Und auch über Donald Trump haben die Entscheider eine klare Meinung.

          Die Gelassenheit gegenüber China schwindet in den Chefetagen. Einen Schutz deutscher Technologieunternehmen vor chinesischen Investoren wünscht sich nun schon mehr als die Hälfte der deutschen Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft, vor zwei Jahren hatte sich erst ein Viertel für solchen Schutz ausgesprochen. Das zeigt die repräsentative Umfrage unter 511 Top-Entscheidern aus Politik, Unternehmen und Verwaltung, die das Meinungsforschungsinstitut Allensbach jetzt für die F.A.Z. und die Zeitschrift „Capital“ erhoben hat.

          Heike Göbel

          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

          Im neuen Elite-Panel äußern sich 70 Prozent der Führungskräfte besorgt über den wachsenden politischen und wirtschaftlichen Einfluss Chinas. Zwiespältig fällt das Urteil über die Möglichkeiten deutscher Unternehmen in China aus. Zwar sind vier von fünf Befragten der Meinung, auf dem chinesischen Markt überwögen die Chancen die Risiken für die deutsche Wirtschaft. Zugleich zeigt sich aber auch mehr als die Hälfte „etwas beunruhigt“ über die zunehmende Abhängigkeit der deutschen Unternehmen von der chinesischen Nachfrage.

          Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel an diesem Mittwoch nach Peking aufbricht, will sie dort auch den fehlenden gleichberechtigten Marktzugang ansprechen. Chinesische Unternehmer dürfen in Deutschland freier handeln als deutsche in China. Über die Erfolgsaussichten der politischen Bemühungen machen sich die Eliten hierzulande aber keine Illusionen. Zwei Drittel halten es für unrealistisch, dass die Chinesen in absehbarer Zeit ihren Markt so stark öffnen werden wie die Deutschen den ihren.

          Auch der handelspolitische Konfrontationskurs des amerikanischen Präsidenten Donald Trump sorgt auf den Führungsetagen für Unruhe. Drei Viertel der Befragten halten die daraus resultierenden Risiken für die deutsche Wirtschaft für groß oder sehr groß. Mehr als die Hälfte der Wirtschaftschefs befürchtet, dass das eigene Unternehmen durch den nicht nur durch Trump erstarkenden neuen Protektionismus betroffen sein könnte. Gefragt nach den größten Risiken für die Stabilität in der Welt, rangiert die Sorge vor einem drohenden Handelskrieg auf dem dritten Platz, noch vor dem Klimawandel. Das größte Stabilitätsrisiko gehe aber aktuell vom „Agieren bestimmter Staatschefs“ aus, das zweitgrößte von schwelenden militärischen Konflikten.

          Anders als die Mehrheit der Bevölkerung glaubt die Mehrheit der Eliten allerdings noch daran, dass die Europäer bei Trump über Verhandlungen und Gespräche vielleicht doch Zugeständnisse erreichen könnten. Sollte das misslingen, plädieren zwei Drittel der Befragten dafür, auf schärfere amerikanische Importzölle mit europäischen Gegenmaßnahmen zu antworten. Gemischt fällt das Urteil der deutschen Entscheider über das erste Amtsjahr von Präsident Trump aus. Wirtschaftlich habe Trump die Vereinigten Staaten zwar gestärkt, aber insgesamt habe seine Politik das Land eher geschwächt, sagen 60 Prozent.

          In der Europäischen Union hat Deutschland aus Sicht seiner Eliten klar an Einfluss verloren. 62 Prozent sind dieser Meinung. An Einfluss gewonnen hat nach breiter Übereinstimmung des Panels Frankreich. Entsprechend halten neun von zehn deutschen Führungskräften große Stücke auf den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der seit einem Jahr regiert und dem 80 Prozent eine positive Bilanz der bisherigen Amtszeit bescheinigen. Macrons europapolitischen Vorschlägen bringt man nun aber etwas mehr Skepsis entgegen. Eine gemeinsame europäische Sicherung von Bankeinlagen halten die Führungskräfte mehrheitlich für falsch, und für die von Macron geforderte Einsetzung eines europäischen Finanzministers erwärmt sich nur noch die Hälfte der Befragten, vor einem Jahr hatte die Idee mehrheitlich Beifall gefunden.

          Mit 511 Führungsspitzen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung ist das F.A.Z.-Capital-Elite-Panel die am ranghöchsten besetzte repräsentative Umfrage in Europa. Darunter sind 84 Vorstände aus Unternehmen mit mehr als 20.000 Beschäftigten, 29 Leiter von Bundes- und Landesbehörden, sowie Minister, Parlamentspräsidenten, Staatssekretäre, Partei- und Fraktionsvorstände. Was die Eliten über Merkels neues Kabinett und die wichtigsten Vorhaben der großen Koalition denken, wird an diesem Donnerstag veröffentlicht.

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