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Konzernchef Kengeter sagt : Deutsche Börse sieht sich als Übernahmeziel

  • Aktualisiert am

Der langjährige Investmentbanker Carsten Kengeter ist seit Sommer 2015 Chef der Deutschen Börse. Bild: dpa

Deutschlands Börsenbetreiber Nummer eins will eine Fusion mit der britischen LSE. Was passiert, wenn das nicht klappt, erklärt der Vorstandschef nun.

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          Die Deutsche Börse fürchtet, selbst ein Übernahmeziel zu werden, wenn ihre geplante Fusion mit der britischen London Stock Exchange (LSE) scheitern sollten. Es sei richtig, dass der große amerikanische Konkurrent Chicago Mercantile Exchange (CME) generell Interesse an Deutschlands größtem Börsenbetreiber habe, sagte Vorstandschef Carsten Kengeter. „Ob sich dieses manifestiert, das glaube ich im Moment eigentlich nicht. Es könnte aber eine Artikulation folgen, falls unser Zusammenschluss (mit der LSE) nicht gelingt.“

          Die CME ist mit gut 33 Milliarden Dollar etwa doppelt so viel wert an der Börse wie die Deutsche Börse. Die Amerikaner hatten bei den Frankfurtern angeblich bereits im Jahr 2013 wegen einer Verschmelzung angefragt, waren damit aber abgeblitzt. Bisher haben die Manager aus Chicago Finanzkreisen zufolge stets betont, nur an einem einvernehmlichem Zusammenschluss interessiert zu sein.

          „Sie sind generell nicht so aggressiv bei solchen Dingen“, sagte Kengeter. Feindliche Kaufangebote sind in der Börsenlandschaft wenig Erfolg versprechend, weil die Aufsichtsbehörden aus dem Heimatland des Übernahmeziels solche Deals blockieren können.

          Kengeter ist seit einem Jahr Vorstandschef der Deutschen Börse und hat das Unternehmen seitdem kräftig umgekrempelt. Der 49 Jahre alte vorherige Banker ist überzeugt, dass der Konzern auf Übernahmen und Fusionen angewiesen ist, um nicht den Anschluss zu verlieren. „Die Deutsche Börse ist nicht in einem sehr dynamischen Zustand“, räumte der langjährige Investmentbanker ein.

          Um das Wachstum anzukurbeln, seien externe Impulse unabdingbar. „Wir haben im letzten Jahr sämtliche mögliche Kombinationen, die es auf der Welt gibt, für die Deutsche Börse geprüft.“ Es habe sich dabei um eine hohe zweistellige Zahl gehandelt. Der im Februar angekündigte Zusammenschluss mit der LSE habe sich dabei als sinnvollste Kombination herausgestellt.

          „Die haben jetzt keinen Druck“

          In trockenen Tüchern ist der gut 25 Milliarden Euro schwere Zusammenschluss allerdings noch lange nicht. Kengeter rechnet mit einem Abschluss erst Anfang 2017. Als größte Hürden gelten das Votum der Aufsichtsbehörden und mögliche Gegenofferten für die LSE.

          Der amerikanische Rivale ICE, der offen mit einem Angebot für die Londoner Börse geliebäugelt hatte, erklärte Anfang Mai zwar, derzeit keine Offerte vorlegen zu wollen. Das Unternehmen aus Atlanta könne jedoch ab November wieder in den Poker um die LSE einsteigen, warnte Kengeter.

          „Die ICE hat jetzt eine Möglichkeit, sich vorzubereiten, falls sie dann noch mal auf den Plan treten möchte im November“, erklärte der Vorstandschef. Das sei für die Manager aus Atlanta, die gerade mit der Integration der gut fünf Milliarden Dollar schweren Übernahme des Finanzdaten-Spezialisten Interactive Data beschäftigt sind, praktisch. „Die haben jetzt keinen Druck. Die können ihre ganzen anderen Sachen machen - da haben sie jede Menge zu tun. Dann kommen sie noch mal oder nicht. Ich glaube, sie machen es davon abhängig, wo wir dann stehen.“

          „Die Asiaten brauchen uns nicht“

          Falls die Aktionäre von Deutscher Börse und LSE im Juli grünes Licht für die Fusion geben und falls die EU-Kommission keine großen Einwände gegen den Deal hat, sei abermaliges Störfeuer aus Atlanta eher unwahrscheinlich, sagen mit der Fusion vertraute Personen. Sollten die EU-Wettbewerbshüter den Deal untersagen oder von den Fusionspartnern den Verkauf wesentlicher Geschäftsteile fordern, steige die Wahrscheinlichkeit einer ICE-Offerte. Die ICE äußerte sich zu dem Thema nicht.

          Sollte die Fusion mit der LSE nicht gelingen, müsste sich die Deutsche Börse laut Kengeter nach anderen Partnern umsehen. „Ich hätte verschiedene andere Vorschläge. Ob ich zur Ausübung dieser Vorschläge käme, das ist eine andere Frage.“ Schließlich würden andere Börsenbetreiber eigene Pläne vorantreiben.

          Ein Zusammenschluss mit der Shanghai Stock Exchange, die nach Einschätzung von Kengeter in den kommenden Jahren zum wertvollsten Börsenbetreiber der Welt aufsteigen könnte, hält der Vorstandschef für illusorisch. „Die Asiaten brauchen uns nicht - damit ist, glaube ich, alles gesagt.“

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