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Deutsche Bank : Vergleich mit Kirch wackelt

Rolf Breuer an einem Prozesstag im vergangenen Dezember: Er hatte 2002 in New York das umstrittene Interview gegeben Bild: dapd

Eigentlich hat die Deutsche Bank mit den Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch nach zehnjähriger Fehde einen Vergleich ausgearbeitet. Der Vorstand des Kreditinstituts hat den Kompromiss bislang aber nicht gebilligt. Woran hakt es?

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          Der zwischen Josef Ackermann, dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, und den Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch ausgehandelte Vergleich im Volumen von 800 Millionen Euro wackelt - und verzögert sich in jedem Fall um weitere zwei bis vier Wochen. Allerdings scheint innerhalb der Bank umstritten zu sein, wie hoch die Hürden vor einer Einigung tatsächlich noch sind. „Zu diesen Konditionen wird die Bank auf keinen Fall mitmachen“, heißt es jedenfalls in Finanzkreisen.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Tatsächlich hat der Vorstand des Kreditinstituts den Kompromiss, mit dem Ackermann kurz vor seinem Ausscheiden die rund zehnjährige Prozessfehde beilegen wollte, bislang nicht gebilligt.

          Vor anderthalb Wochen hieß es noch, eine Einigung stehe kurz bevor (F.A.Z. vom 14. Februar). Juristen der Bank gehen davon aus, dass sie den Prozess spätestens vor dem Bundesgerichtshof mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gewinnen würden. Kirchs Erben fordern rund 4 Milliarden Euro von der Deutschen Bank sowie ihrem früheren Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf-Ernst Breuer, weil dieser in einem Fernsehinterview Kirchs Kreditwürdigkeit angezweifelt hatte. Darauf führen sie die Insolvenz der Firmengruppe zurück. Die Bank und ihre Anwälte haben dagegen stets darauf verwiesen, Kirch sei damals ohnehin schon zahlungsunfähig gewesen.

          Die Bank müsste Breuer in Regress nehmen

          Aber der Vergleich birgt neue rechtliche Ungewissheiten: Die Bank müsste Breuer, wenn sie freiwillig Geld an die Kirch-Erben zahlt, in Regress nehmen. Andernfalls drohen Aufsichtsrat und Vorstand Schadenersatzklagen von Aktionären sowie ein Strafverfahren wegen Untreue. Genau diese juristische Prüfung solcher möglicher Gründe für Aktionärsklagen führt nun zur Verzögerung. Hier steckt die Bank in einem Dilemma: Verlangte das Institut zu viel Geld von Breuer, könnte er selbst dagegen klagen. Dann müssten die Gerichte letztlich doch über dieselben Streitfragen zu Ende verhandeln, die Ackermann ausräumen will.

          Die Auseinandersetzung hat ihren Ursprung in einem Fernsehinterview, das Breuer im Februar 2002 in New York gab. Damals stellte er die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe in Frage. An der entscheidenden Stelle fragte der Interviewer: „Kirch hat sehr, sehr viele Schulden, sehr hohe Schulden. Wie exponiert ist die Deutsche Bank?“ Breuer antwortete darauf, dass die Lage der Bank „relativ komfortabel“ sei. „Es ist nie schön, wenn ein Schuldner in Schwierigkeiten kommt, und ich hoffe, das ist nicht der Fall. Aber wenn das so käme, wir bräuchten keine Sorgen zu haben.“ Darauf kam die Nachfrage, ob die Bank Kirch beim Weitermachen helfe. „Das halte ich für relativ fraglich. Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen.“

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