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Guter Jahresauftakt : Deutsche Bank verdient mehr als eine Milliarde im ersten Quartal

Mit dem ersten Quartal zufrieden: der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Christian Sewing. Bild: dpa

Deutschlands größtes Kreditinstitut schlägt sich in dem schwierigem Umfeld gut, doch der Aktienkurs bricht wegen des Kostenausblicks ein. Auch die Commerzbank überrascht.

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          Die beiden deutschen Großbanken, Deutsche Bank und Commerzbank, haben in den ersten drei Monaten in dem durch den Ukrainiekrieg belasteten Umfeld gute Ergebnisse erzielt. Der Deutschen Bank gelang trotz der Unsicherheiten ein Gewinnsprung im ersten Quartal. Sie verdiente nach Steuern und Bedienung von Nachranganleihen mehr als eine Milliarde Euro. Trotz höherer Risikovorsorge erzielte die Commerzbank im ersten Quartal mit 284 Millionen Euro ein mehr als doppelt so hohes Konzernergebnis wie ein Jahr zuvor: Die detaillierten Zahlen für das erste Vierteljahr will die Commerzbank am 12. Mai veröffentlichen.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die beiden größten deutschen Privatbanken schlugen sich im ersten Quartal besser als die US-Konkurrenz, die höhere Rückstellungen für Kreditausfälle bilden mussten. Das war auch bei Deutscher Bank und Commerzbank der Fall, aber dafür lief es in anderen Bereichen besser. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Christian Sewing, zeigte sich mit dem Jahresauftakt zufrieden: „Die Ergebnisse aller Geschäftsbereiche liegen im oder über dem Plan, und wir haben unseren höchsten Quartalsgewinn seit neun Jahren erzielt“, ließ er sich in der Pressemitteilung zitieren.

          Gewinn legt um 17 Prozent zu

          Deutschlands größtes Geldhaus verdiente unter dem Strich – nach Abzug von Zinsen für Nachranganleihen – 1,06 Milliarden Euro, ein Plus von 17 Prozent. Analysten hatten im Schnitt nur rund 950 Millionen Euro erwartet. Die Deutsche Bank konnte damit das siebte Gewinnquartal in Folge ausweisen. Die Konzernerträge stiegen um 1 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro. „Damit sind wir in einer guten Position, um unsere Ziele für dieses Jahr zu erreichen“, sagte Finanzvorstand James von Moltke. Gleichzeitig warnte das Bankhaus aber, dass das gegenwärtige Umfeld zunehmend herausfordernd sei und sich der Kostendruck intensiviert habe.

          Dieser Kostendruck, den von Moltke auch auf die Lohnentwicklung zurückführte, kam an der Börse schlecht an: Der Aktienkurs der Deutschen Bank gab um 5,7 Prozent auf 9,54 Euro nach, während der Titel der Commerzbank sich um 2,2 Prozent auf 6,00 Euro verteuerte. Die Ukraine-Krise habe das Potential, die Jahresergebnisse im wichtigen Jahr 2022 zu beeinflussen, sagte Sewing. Er hatte im Sommer 2019 einen umfassenden Konzernumbau eingeleitet. Ganze Abteilungen wurden geschlossen. Die Bank trennte sich von besonders riskanten Teilen des Investmentbanking und leitete harte Sparschritte ein.

          DT. BANK

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          Im laufenden Jahr soll eine Nachsteuerrendite (ROTE) von 8 Prozent erreicht werden bei Erträgen von 26 bis 27 Milliarden Euro. Bis 2025 soll die Rendite auf mehr als 10 Prozent zulegen. Im ersten Quartal lag sie bei 8,1 Prozent. Die Deutsche Bank steigerte im wichtigen Investmentbanking ihre Erträge im Auftaktquartal um 7 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen (FIC) erhöhten sich die Erträge um 15 Prozent. Dagegen gingen sie im Beratungs- und Emissionsgeschäft um 28 Prozent zurück, was vor allem an einem deutlichen geringeren Aktienemissionsgeschäft lag. In absoluten Zahlen übertraf das Ertragswachstum in FIC das Minus im Beratungsgeschäft.,

          Im Geschäft mit Unternehmenskunden wuchsen die Erträge um 11 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro und im Privatkundengeschäft um 2 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. In der Vermögensverwaltung, für das die Tochtergesellschaft DWS zuständig ist, wurde ein Plus von 7 Prozent auf 682 Millionen Euro verzeichnet. Allerdings meldete die DWS einen Mittelabfluss von 1 Milliarde Euro im ersten Quartal, was mit den Inflationssorgen der Anleger und dem schwierigen Marktumfeld begründet wurde.

          Aktienkurs Commerzbank

          COMMERZBANK

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          Wegen dies unsicheren Konjunkturumfelds infolge des Ukrainekrieges und der Sanktionen gegen Russland erhöhte die Deutsche Bank die Risikovorsorge im Kreditgeschäft deutlich auf 292 Millionen Euro von 69 Millionen Euro vor Jahresfrist. Noch mehr musste die Commerzbank mit einer halben Milliarde Euro vorsorgen. In der Kosteneffizienz kam die Deutsche Bank voran. Um einen Euro zu verdienen, musste sie im ersten Quartal 0,73 Euro aufwenden. Im Vorjahresquartal waren noch 0,77 Euro nötig. Im Gesamtjahr werden 0,70 Euro oder eine Aufwand-Ertrag-Relation von 70 Prozent angepeilt.

          Den großen US-Banken hatten zum Jahresauftakt unter anderem ein nachlassendes Fusionsfieber und weniger Börsengänge auch in Folge des Ukraine-Kriegs zu schaffen gemacht. Die US-Bankenriesen Morgan Stanley, Goldman Sachs und Citigroup meldeten für das erste Quartal zum Teil kräftige Gewinnrückgänge. Dagegen lief es in Europa für die Schweizer UBS rund, die im ersten Quartal den besten Jahresstart seit 2007 erzielte. Auch Spaniens größte Bank Santander verzeichnete einen Gewinnzuwachs im ersten Quartal, 58 Prozent.

          Die skandalgeplagte Credit Suisse findet dagegen auch im neuen Jahr nicht aus der Krise. Die zweitgrößte Schweizer Bank verbuchte im Startquartal 2022 einen Verlust von 273 Millionen Franken und wechselt mehrere Positionen im Top-Management aus.

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