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Kurswechsel : Deutsche Bank schließt fast jede dritte Filiale

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Deutschlands größtes Geldhaus verordnet sich eine Schrumpfkur. Von den derzeit rund 700 Filialen sollen bis zum Jahr 2017 bis zu 200 geschlossen werden. Gleichzeitig verkündet die Deutsche Bank eine Milliardeninvestition.

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          Die Deutsche Bank will im Rahmen ihrer neuen Strategie das Filialnetz ausdünnen und die Investmentbank schrumpfen. Demnach werden von den derzeit rund 700 „blauen“ Niederlassungen bis zum Jahr 2017 bis zu 200 geschlossen, wie das Institut am Montag mitteilte. Die Investmentbank soll sich nach Konzernangaben noch stärker aus margenarmen Geschäftsfeldern zurückziehen, die Bilanz der Sparte soll um etwa 200 Milliarden Euro reduziert werden.

          Die Postbank mit ihren „gelben“ Filialen wird ohnehin verkauft, wie seit dem Wochenende klar ist.  Den möglichen Börsengang der Postbank will die Deutsche Bank ohne deren verbliebene Kleinaktionäre über die Bühne bringen. Die Kleinaktionäre sollen bis Jahresende über eine Zwangsabfindung aus der Postbank-Aktie gedrängt werden, wie die Bank am Montag mitteilte. Damit wird die Postbank zunächst von der Börse genommen. Die Deutsche Bank hat das Recht dazu, nachdem sie ihre Beteiligung an der Postbank auf 96,8 von 94,1 Prozent aufgestockt hat. Formal muss eine für August geplante Hauptversammlung über den „Squeeze-Out“ beschließen.

          Die Trennung von der Postbank erfolgt schrittweise

          Die Rückkehr der Postbank an die Börse ist bis Ende 2016 geplant. In einem ersten Schritt will sich die Deutsche Bank dabei auf eine Position als Minderheitsaktionär zurückziehen, mittelfristig aber ganz aussteigen. Die Deutsche Bank hält sich mit dem vorherigen Börsen-Rückzug aber auch den Verkauf der Postbank an einen Konkurrenten offen, der ohne eine Börsennotiz leichter machbar wäre. Der Kurs der Postbank-Aktie war durch Spekulationen auf eine hohe Abfindung aufgebläht worden.

          Die Grundsatzentscheidung für die Trennung von der Postbank nach sieben Jahren war am Freitagabend getroffen worden. Die mit der Übernahme der 14 Millionen Kunden starken Bank verbundenen Hoffnungen hatten sich nicht erfüllt. Für die Refinanzierung der Deutschen Bank spielten die Spareinlagen der Postbank kaum eine Rolle, räumte die Muttergesellschaft ein. An die Postbank-Kunden ließen sich weniger Deutsche-Bank-Produkte verkaufen als gedacht. Die Hypotheken- und Wohnungskredite der Postbank und ihrer Bausparkasse BHW blähten zudem die Bilanz auf. Sie machten es daher für die Deutsche Bank schwerer, die im Konzern angepeilte Verschuldungsquote (Leverage Ratio) von fünf Prozent zu erreichen. Zurzeit steht die Deutsche Bank nur bei 3,4 Prozent, die Postbank kam 2014 nur auf 3,1 Prozent. Banken müssen ab 2016 mindestens drei Prozent erreichen, viele Experten rechnen aber später mit einer Anhebung auf vier oder fünf Prozent.

          Eine Milliarde wird in die Digitalisierung investiert

          Mehr Geld will die Deutsche Bank in den Ausbau digitaler Technologien stecken. In den kommenden drei bis fünf Jahren seien über alle Geschäftsbereiche hinweg zusätzliche Investitionen von bis zu einer Milliarde Euro geplant, teilte Deutschlands größtes Geldhaus am Montag bei der Vorstellung der neuen Strategie mit. Durch computergestützte Beratungskanäle, Automatisierung und die Entwicklung neuer Kundenangebote wolle das Institut neue Ertragsmöglichkeiten generieren.

          Alleine im Privat- und Firmenkundengeschäft (PBC), in dem gut ein Viertel aller Filialen geschlossen werden sollen, will die Bank bis 2020 zwischen 400 und 500 Millionen Euro für digitale Technologie in die Hand nehmen. Sie schlägt damit einen ähnlichen Weg ein wie die HypoVereinsbank (HVB). Die Münchener machen die Hälfte ihrer Filialen dicht und hübschen die verbliebenen Niederlassungen auf.

          Das Renditeziel für den Konzern senkten die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen auf mehr als zehn Prozent nach Steuern, bislang wurden zwölf Prozent angepeilt - aber nie erreicht.

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