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Deutsche Bank : Der Tiger geht auf Hasenjagd

Deutsche Bank Ko-Vorstand Anshu Jain während eines Meetings 2014 in Washington. Bild: Reuters

Seit 2014 gehört die Deutsche Bank weltweit zu den fünf führenden Investmentbanken. Nur in der prestigeträchtigen Beratung von Unternehmen bei Fusionen und Übernahmen fällt sie zurück. Ein Defizit, das Ko-Vorstand Anshu Jain möglichst schnell beseitigen möchte.

          Geht es nach dem Ko-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Anshu Jain, gibt es im Investmentbanking zwei Ligen: In der einen werden Hasen gejagt und in der anderen Elefanten. Übertragen auf Jain, der einst einen Tiger in freier Wildbahn abgelichtet und das Foto in seinem Büro aufgehängt hat, bedeutet dies: Der Tiger geht auf Hasenjagd. Denn damit verglich er das von hohen Handelsvolumina bei Anleihen, Aktien und Devisen dominierte Kapitalmarktgeschäft, während seiner Ansicht nach die Beratung von Unternehmen bei Übernahmen oder Aktienplazierungen der Elefantenjagd gleichkommt. Im Investmentbanking, das die Deutsche Bank in ihrer strategischen Neuausrichtung nun stärken will, gilt das Institut nach Ansicht der Analysten von Morgan Stanley als „flow monster“. Das bedeutet, die Deutsche Bank ist ein großes Handelshaus, aber spielt im Beratungsgeschäft eher in der zweiten Reihe.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch macht Kleinvieh auch Mist. Das lässt sich an den Ranglisten der Investmentbanken im vergangenen Jahr ablesen. Mit Einnahmen von 4,35 Milliarden Dollar erreichte Deutschlands größte Bank im vergangenen Jahr den fünften Rang unter den führenden Kapitalmarkthäusern. Sie ist damit die europäische Bank, die es in die Phalanx der Wall-Street-Häuser geschafft hat. Auf dem ersten Platz rangiert JP Morgan (6,6 Milliarden Dollar). Dahinter folgen Goldman Sachs (5,4 Milliarden Dollar), Bank of America Merrill Lynch (5,3 Milliarden Dollar) und Morgan Stanley (4,8 Milliarden Dollar). Hinter der Deutschen Bank liegen Citibank (4,2 Milliarden Dollar) und Credit Suisse (3,9 Milliarden Dollar).

          Die Rangliste zeigt, dass die Deutsche Bank in Zukunft als europäischer Wettbewerber der amerikanischen Dominanz im Investmentbanking trotzen kann. Doch ernüchternd liest sich die Rangliste im prestigeträchtigen Beratungsgeschäft bei Unternehmensübernahmen und -fusionen, den Mergers & Acquisitions (M&A). Dort kommt die Deutsche Bank mit Gebühren von weniger als 1 Milliarde Dollar nur auf den achten Rang. Selbst europäische Konkurrenten wie Credit Suisse oder die britische Barclays liegen vor ihr.

          Jains Ziel: Europas führende Bank für Fusionen und Übernahmen

          Jain will die Deutsche Bank zur einzigen europäischen Bank machen, die deutsche und europäische Unternehmen in der ganzen Welt betreuen kann. Es stellt sich aber die Frage, ob sie mit ihrem Schwergewicht im Handelsgeschäft, das auch hohe Derivatebestände bindet, richtig aufgestellt ist. Im vergangenen Jahr erzielte das Investmentbanking Erträge über 13,7 Milliarden Euro. Davon entfielen 71 Prozent auf das Handelsgeschäft, die restlichen 29 Prozent stammten aus Beratung und Plazierungen. Darüber hinaus dominiert weiterhin der Handel mit Anleihen und Devisen. Dieses Segment steuerte rund die Hälfte der Erträge im Investmentbanking bei.

          Mitarbeiter, die in der Deutschen Bank für das Geschäft mit Unternehmen zuständig sind, räumen ein, dass im Investmentbanking rund zwei Drittel des Geschäftsvolumens gestrichen werden könnten, ohne dass darunter die Betreuung der Großkunden litt. Doch dann würden die Erträge dramatisch sinken. Die sehr hohe Bedeutung des Handelsgeschäfts bindet auch viel Bilanzsumme und entsprechend Eigenkapital. Ende 2014 kam die Deutsche Bank auf eine Bilanzsumme von 1,7 Billionen Euro. Davon entfielen 70 Prozent auf das Investmentbanking, das aber nur 42 Prozent zu den Erträgen beisteuerte. Etwas besser fällt die Rechnung beim operativen Gewinn aus: Hier trägt das Investmentbanking mehr als die Hälfte bei, während es weniger als 40 Prozent des Eigenkapitals benötigt.

          Konzerninterne Bad Bank als Klotz am Bein

          Doch dann bleibt die Abwicklungseinheit NCOU außen vor, die im vergangenen Jahr einen Verlust von 2,9 Milliarden Euro verursachte. Dies ist auf Altlasten aus toxischen Wertpapieren und Aufwand für Rechtsstreitigkeiten zurückzuführen. Die konzerninterne Bad Bank lässt sich mit einer Giftmülldeponie der Investmentbanker vergleichen. Dass die Deutsche Bank aufgrund ihres großen Geschäftsvolumens immer noch Kapitalprobleme hat, liegt auch an den alten Sünden der Investmentbanker, die sie vor der Finanzkrise begangen haben. Mit der nun verhängten Rekordstrafe in der Zinsaffäre über 2,5 Milliarden Dollar dürften die Strafen die Kapitalerhöhung von 11,5 Milliarden Euro bald aufgezehrt haben. Diese Summe haben Jain und sein Kollege an der Doppelspitze, Jürgen Fitschen, in den Jahren 2013 und 2014 bei Investoren eingesammelt. Zählt man die Verluste aus der Bad Bank hinzu, wird der Betrag deutlich überschritten.

          Das erklärt auch die strategischen Nöte der Bank, die von den Anteilseignern kein neues Kapital mehr bekommen würde und nun über Alternativen wie etwa den Postbank-Verkauf ihr Polster für die schärferen aufsichtsrechtlichen Vorgaben stärken muss. Das ist notwendig, weil das Investmentbanking zu stark vom Handelsgeschäft abhängt. Um wertvolles Kapital freizusetzen, haben Konkurrenten wie UBS oder Barclays das Anleihegeschäft zurückgefahren, die Deutsche Bank aber nicht. Deshalb erzielt sie im Investmentbanking auch zu höheren Kosten Gewinne als die Konkurrenz. Laut den Analysten von Morgan Stanley benötigt die Deutsche Bank eine doppelt so hohe Bilanzsumme, um den gleichen Gewinn wie Goldman Sachs zu erzielen. Das ist der Unterschied zwischen Hasen- und Elefantenjagd.

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