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Deutsche Bank : Neues Führungsduo stolpert aus Startblöcken

  • -Aktualisiert am

Anshu Jain, der neue Chef der Deutschen Bank, bringt seine Männer in Stellung Bild: REUTERS

Anshu Jain, neuer Deutsche-Bank-Chef, positioniert seine Truppen. Jains Kandidat für den Risikovorstand ist allerdings gescheitert. Jetzt kommt ein Schotte. Im Aufsichtsrat soll künftig auch Siemens-Chef Peter Löscher sitzen.

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          Der Vorstandsumbau bei der Deutschen Bank ist besiegelt. Der Aufsichtsrat hat den Plänen des neuen Führungsduos Anshu Jain und Jürgen Fitschen am Freitag zugestimmt. Neuer Risikovorstand wird demnach zum 1. Juni der Schotte Stuart Lewis, der sich die Aufgaben seines Vorgängers aber mit dem langjährigen Finanzchef Stefan Krause teilen muss. Lewis ist seit 1996 bei der Deutschen Bank und war bislang Stellvertreter von Risikovorstand Hugo Bänziger, der Ende Mai zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann sowie Personal- und Technologievorstand Hermann-Josef Lamberti das Führungsgremium verlassen wird.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die neue Konzernspitze musste beim obersten Risikochef in letzter Minute allerdings noch umplanen: Eigentlich wollte Anshi Jain auf dem Posten seinen Vertrauten William Broeksmit sehen, stieß damit Finanzkreisen zufolge aber auf Widerstand bei der Finanzaufsicht Bafin. Die Aufseher hielten William Broeksmit, ein Weggefährte von Jain aus alten Merrill-Lynch-Zeiten, dem Vernehmen unter anderem deswegen für ungeeignet, weil er bislang kein größeres Team geleitet hat. Als Risikovorstand in Zeiten der Finanzkrise ist das aber wichtiger denn je.

          Der Schotte Stuart Lewis wird neuer Risikovorstand

          Neben Lewis steigen auch die beiden Investmentbanker Stephan Leithner und Henry Ritchotte neu in den Vorstand auf. Leithner wird Personalchef und deckt rechtliche Fragen ab, zudem soll er das Europa-Geschäft federführend lenken. Ritchotte wird Chief Operating Officer (COO). Die bisherigen Vorstände Hugo Bänziger und Hermann-Josef Lamberti scheiden zum 31. Mai aus dem Vorstand aus und verlassen die Bank.

          Auch im Aufsichtsrat tut sich was:  Drei Mitglieder werden das Gremium verlassen: Clemens Börsig, Maurice Lévy und Theo Siegert. Zu den Nachfolgern im Aufsichtsrat gehört Allianz-Vorstand Paul Achleitner. Außerdem sollen Siemens-Chef Peter Löscher und Klaus Trützschler, Mitglied des Haniel-Vorstands, in das Kontrollgremium einziehen.

          Siemens-Chef Peter Löscher wird Aufsichtsratmitglied bei der Deutschen Bank

          Schon vor zehn Tagen war durchgesickert, dass das ab Juni amtierende Führungsduo Jain/Fitschen Vertraute von Noch-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann austauschen will. Anshu Jain positioniert seine Truppen. Und er achtet darauf, dass man gut über ihn spricht. Eine neue Geschichte muss her, ohne Zocker, ohne Gier, am besten auch ohne Angelsachsen. Der Investmentbanker als solcher kann beim Publikum nicht landen. Seit der Finanzkrise ist sein Ruf ruiniert. Und wenn er Anshu Jain heißt, ein cleverer Bursche ist, in London lebt und mit einem Haufen Getreuer das Kommando in der Deutschen Bank übernimmt, dann kalkuliert er ein, was er als Echo zu hören bekommt: stiller Putsch, Machtübernahme. Anshus Armee erobert Frankfurt.

          Er rechnet dies ein und weiß, dass er dagegen eine eigene Geschichte setzen und verbreiten lassen muss. Und die geht so: keine Angst. Anshu Jain ist solide, geerdet, wertefest. An Bekenntnissen zur Universalbank wie zum Standort Deutschland lässt er es nicht fehlen.

          Eintracht statt Cricket

          Wirtschaft ist manchmal wie Literatur. Die Erzählungen bestimmen die Köpfe. Erzählungen sind Fiktion, was nicht heißt, dass sie falsch sein müssen. Natürlich lernt der Inder Deutsch, wird deshalb jetzt über Jain erzählt - eine gute Erzählung. Natürlich zieht er nach Frankfurt. Seine Frau, eine Kinderbuchautorin und Reisejournalistin, richtet die Wohnung bereits ein. Selbstverständlich zahlen die Jains ihre Steuern künftig an Herrn Schäuble. Und auf den Riesling freue er sich auch schon, sagt der Banker, der zum 1. Juni als Co-Chef der Deutschen Bank antritt.

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