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Trotz Entlassungswelle : Nobelschneider nehmen bei Deutsche-Bank-Managern Maß

Dieses Foto geht gerade um die Welt: Vertreter des Londoner Nobelschneiders Fielding & Nicholson vor der Niederlassung der Deutschen Bank. Bild: REUTERS/Simon Dawson

Die Deutsche Bank wäre nicht die Deutsche Bank, wenn der Stellenabbau im Investmentbanking ganz ohne Skandälchen abliefe. Es geht um feinen Stoff für Londoner Führungskräfte.

          Fünf Monate hat der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing geprüft, gewissermaßen Maß genommen, bis er am Sonntag den größten Stellenabbau in der 149 Jahre alten Geschichte der Deutschen Bank bekannt gab. Am Montag legten sich dann zahlreiche Fotografen vor der Niederlassung der Deutschen Bank in London auf die Lauer, weil dort nach dem vielzitierten Motto „hire and fire“ üblicherweise schnell Mitarbeiter frei gesetzt werden.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Tatsächlich konnten die Fotografen zügig Schnappschüsse mit entlassenen Deutsche-Bank-Angestellten festhalten, die ihre persönlichen Gegenstände nach draußen trugen. Außerdem lichteten sie auch zwei gut gekleidete Männer ab, die mit großen Taschen das Gebäude verließen. Dieses Foto ging um die Welt, weil es vielleicht mehr zeigt als die Worte, die Sewing am Montag selbst in London anwesend, über den Stellenabbau verlor („schmerzhaft, aber unvermeidbar“).

          Das Foto scheint zu zeigen, dass sich die Führungskräfte der Deutschen Bank nicht sonderlich um das Schicksal der Entlassenen scheren. Dabei handelte es sich bei den Abgebildeten mit den mit feinem Tuch gefüllten Taschen gar nicht, wie anfangs behauptet, um gefeuerte Mitarbeiter der Deutschen Bank – sondern, wie der „Guardian“ berichtet, um Vertreter des Londoner Nobelschneiders Fielding & Nicholson.

          Offenbar hatten sie gerade Hand angelegt an die obersten Führungskräfte (Managing Directors) der Deutschen Bank –  aber keine Kündigungen verhängt, sondern deren Leibumfänge vermessen. „Ich denke, viele Entlassungen betrafen Händler, die keine Anzüge tragen. Daher haben wir einfach normal mit unseren Kunden weitergemacht, die von den Kündigungen offensichtlich nicht betroffen waren“, erzählte Firmengründer Ian Fielding-Calcutt später dem Nachrichtenportal „Financial News“, warum seine Mitarbeiter munter das Maßband weiter schwangen.

          Und Fielding-Calcutt gab zu: „Unser Timing war ungünstig.“ In etwa acht Wochen dürften die Maßanzüge fertig sein, dann redet vielleicht keiner mehr drüber.  Auch ob bei den Preisen  noch Maß und Mitte gelten, beschäftige kurz vor allem das Internet. Einen Anzug bei Fielding & Nicholson gibt es nicht unter 1000 britischen Pfund, umgerechnet also etwa 1100 Euro. Nach oben sind nach Angaben des Schneiders kaum preisliche Grenzen gesetzt.

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