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Deutsche Bank : Klug voran

  • -Aktualisiert am

Die härteren Eigenkapitalregeln für Banken, die nun beschlossen werden sollen, werden zu einem enormen Kapitalbedarf fast aller Kreditinstitute führen. Die Pläne der Deutschen Bank, ihr Kapital um acht bis neun Milliarden Euro zu erhöhen, zeigen dies exemplarisch.

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          Wie groß der Kapitalbedarf des deutschen Bankenprimus ist, erschließt der Blick auf sein bisheriges, den Aktionären zurechenbares Eigenkapital: Es beträgt 37 Milliarden Euro, das an der Börse nur mit 30 Milliarden Euro bewertet wird. 8 bis 9 Milliarden Euro wären also für die Deutsche Bank eine Kapitalerhöhung um rund 25 Prozent. Gleichzeitig wäre die Summe die zweitgrößte Kapitalerhöhung eines deutschen Unternehmens über die Börse überhaupt.

          Gemessen an europäischen Wettbewerbern wie Credit Suisse, BNP Paribas oder Barclays, liegt die Deutsche Bank mit ihrer Kapitalausstattung jetzt im Mittelfeld. In Deutschland ist sie mit ihrer Kernkapitalquote von derzeit 11,3 Prozent führend. Somit ist absehbar, dass ihr viele andere Banken folgen und in der nächsten Zeit ihr Eigenkapital erhöhen müssen. Insofern ist es klug von der Deutschen Bank voranzugehen, solange die Anleger noch bereit sind, Kapital für Banken zu geben. Gedanken muss sich die Commerzbank machen, die auch mit Hilfe einer Kapitalerhöhung spätestens 2012 beginnen will, die stille Einlage des Staates von 16,4 Milliarden Euro zurück zu zahlen. Wenn die Commerzbank zu lange mit einer Kapitalerhöhung über die Börse wartet, könnte es schwierig werden, dort noch Anleger zu finden.

          Spannend wird nun sein, welche Banken die Deutsche Bank damit beauftragen wird, ihr bei der Plazierung der neuen Aktien zu helfen. Denn bei einer Kapitalerhöhung behilfliche Banken verlangen in der Regel vor Übernahme des Mandats einen detaillierten Blick in die Bücher des kapitalsuchenden Klienten. Der Deutschen Bank wird es schwerfallen, ihre Geschäfte vor Wettbewerbern zu offenbaren. Aber allein wird sie die Kapitalerhöhung nicht plazieren können.

          Aufschlussreich wird auch sein, ob die Deutsche Bank die Kapitalerhöhung allein mit den neuen Eigenkapitalregeln begründet oder auch mit der spätestens im Februar 2012 anstehenden Übernahme der Postbank. Obwohl der im September 2008 vor der Verschärfung der Finanzkrise vereinbarte Kauf mit der Post nachverhandelt werden konnte, gilt die Postbank inzwischen als wenig lukrativ. Sie hat im Stresstest europäischer Banken schlecht abgeschnitten und noch hohe Risiken in den Büchern.

          Hanno Mußler
          (ham.), Finanzen, Wirtschaft

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