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Deutsche Bank : Jain erwartet Bereinigung am Bankenmarkt

Die neue Doppelspitze der Deutschen Bank: Jürgen Fitschen und Anshu Jain (rechts). Bild: Tim Wegner/laif

Die neue Doppelspitze der Deutschen Bank hat sich am ersten Tag ihrer Amtszeit den Mitarbeitern vorgestellt. Anshu Jain sprach dabei von einer bevorstehenden Konsolidierung unter den Großbanken auf der Welt.

          3 Min.

          Die neue Vorstandsspitze der Deutschen Bank hat am ersten Arbeitstag ihrer Amtszeit die Mitarbeiter auf eine Bereinigung am Bankenmarkt vorbereitet. Nach der ersten Sitzung des neuen Vorstands stellten sich die beiden Co-Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen mehreren hundert Mitarbeitern in Frankfurt. Zugeschaltet waren auch die Kollegen aus London, New York und Singapur. Die Veranstaltung wurde auch im Intranet übertragen.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie Teilnehmer berichteten, sprach Jain vor einer bevorstehenden Konsolidierung unter den Großbanken auf der Welt. An deren Ende würden nur noch fünf bis sechs Institute übrig bleiben, die international konkurrieren könnten. Davon wird laut Jain höchstens nur eine Bank aus Kontinentaleuropa dabei sein. Diese wolle die Deutsche Bank sein. Der Inder, der bislang und auch in Zukunft das Investmentbanking und damit die wichtigste Ertragssäule der Deutschen Bank verantwortet, ist davon überzeugt, dass es zu einer umfassenden Konsolidierung unter den europäischen Banken kommen werde. Diesen Prozess werde die Bank sorgfältig verfolgen, so Jain Teilnehmern zufolge.

          Er bezeichnete den deutschen Heimatmarkt als strategischen Vorteil. Nach Ansicht von Jain ist Deutschland einer der effizientesten Volkswirtschaften auf der Welt. Zudem bekannte er sich zusammen mit Fitschen zum Universalbankmodell. Darunter ist ein Institut zu verstehen, dass neben dem von der Entwicklung an den Kapitalmärkten stark beeinflussten Investmentbanking auch auf klassischen Geschäftsfeldern wie Privatkunden- oder Mittelstandsgeschäft beruht. Die Deutsche Bank hatte noch unter ihrem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann, der sich am Donnerstag auf seiner letzten Hauptversammlung von den Aktionären verabschiedet hatte, die stabilen Bereiche, insbesondere das Filialgeschäft durch die Übernahme der Postbank, ausgebaut, um die Ertragsschwankungen im Investmentbanking besser abfedern zu können.

          „Wir bekennen uns dauerhaft zu unserem Universalbankmodell und setzen in Zukunft auf einen teamorientierten Führungsansatz“, wurde Jain in einer Pressemitteilung zitiert. Er wird künftig neben dem Investmentbanking und der Transaktionsbank (Zahlungsverkehr, Handelsfinanzierung) auch die Vermögensverwaltung verantworten. Diese wird in Zukunft ein eigenständiger Geschäftsbereich sein, neben Investmentbanking, Transaktionsbank und dem Privatkundengeschäft. Dieses wird im Vorstand weiterhin Rainer Neske verantworten. Fitschen übernimmt die Konzernbeteiligungen (Corporate Investments) und die Regionalverantwortung in Deutschland, Asien-Pazifik, Nord- und Südamerika, Naher Osten, Nordafrika sowie Großbritannien. Für das restliche Europa zeichnet Stephan Leithner verantwortlich, der darüber hinaus für Personal und Rechtsrisiken zuständig ist.

          Strategie soll erst im September verkündet werden

          Die neue Strategie wollen Jain und Fitschen im September bekannt geben. Dem gehen laut Fitschen umfangreiche Konsultationen mit Aktionären, Kunden, Mitarbeitern und anderen wichtigen Interessensgruppen voraus. „Traditionell entwickeln und formulieren wir bei der Deutschen Bank eine klare Strategie über Geschäftsbereiche, Regionen und Infrastruktur hinweg“, wird Fitschen in der Pressemitteilung zitiert. Als strategische Priorität bezeichnete Jain eine ausreichende Kapitalausstattung. Abermals bekräftigte er, dass die Deutsche Bank ihr Kapital selbst verdienen wolle. Statt einer Kapitalerhöhung, über die am Markt immer wieder spekuliert wird, sollen also Gewinne einbehalten oder Risiken abgebaut werden. Im Vergleich zu Wettbewerbern wie etwa UBS, Credit Suisse oder Barclays weist die Deutsche Bank eine geringere Kapitalquote auf. Darüber hinaus betonte Jain die Bedeutung eines möglichst wirkungsvollen Kapitaleinsatzes. Ein schlagkräftiges Risikomanagement erachtet er als wichtige Voraussetzung für den Erfolg.

          In der Neubesetzung des Vorstandes musste der frühere Risikovorstand Hugo Bänziger gehen. Der ursprüngliche vorgesehene Bill Broeksmit wurde von der Finanzaufsicht Bafin abgelehnt. Nun ist der Schotte Stuart Lewis Risikovorstand. Er nahm an dem Treffen ebenso teil wie die restlichen Vorstandsmitglieder. Auch der neue Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner war anwesend. Gegenüber den Mitarbeitern betonte Fitschen, dass er und Jain sich darauf freuten, gemeinsam Verantwortung übernehmen zu dürfen. Damit deutete er offenbar die gemeinschaftliche Verantwortung und Haftung der beiden Co-Vorstandsvorsitzenden an. In der Praxis werden Fitschen und Jain für die anderen Führungskräfte aber die ersten Ansprechpartner für die ihnen zugeteilten Verantwortungsbereiche sein.

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