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Deutsche Bank : Hausputz im Bankenviertel

  • -Aktualisiert am

Mehr Geld und keine Kündigungen, das verlangen die Mitarbeiter der Postbank von Noch-Eigentümer, der Deutschen Bank. Bild: dpa

Die neue Deutsche Bank wird schlanker; mit weniger Filialen, mit weniger Personal - und ganz ohne Postbank. Wird jetzt alles gut?

          5 Min.

          Die Deutsche Bank wird die Postbank abspalten und an die Börse bringen. Die Vorarbeiten dafür beginnen sofort, im Jahr 2016 soll es so weit sein mit dem Gang aufs Parkett. Der größte Teil der Aktien wird in einem Ruck losgeschlagen, in der Folge wird sich der Konzern in mehreren Schritten vollständig von der gelben Tochtergesellschaft verabschieden.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dies ist der Kern der neuen Strategie, welche der Aufsichtsrat der Deutschen Bank in der Nacht zum Samstag nach siebenstündiger Sitzung einstimmig beschlossen hat. Die 14 Millionen Postbank-Kunden müssen künftig ohne die Deutsch Banker auskommen, ihr Aufschrei wird sich in Grenzen halten.

          Damit einher geht das Eingeständnis der Konzernspitze: Sorry, das war nichts mit der Postbank, auch wenn die Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und Jürgen und Jürgen Fitschen ansonsten an ihrem Konzept festhalten: „Die Deutsche Bank soll führende globale Universalbank sein.“

          So tönt es seit drei Jahren aus den Doppeltürmen, seit die beiden ihr Amt im Sommer 2012 angetreten haben. Nur: Viele der schönen Diagramme mit den ansteigenden Kurven, die sie damals aufgelegt haben, hielten dem Stresstest der Wirklichkeit nicht stand.

          Der Kapitalmarkt, also die Eigentümer der Bank, sind entsprechend frustriert. In der Hitliste der wertvollsten Banken taucht die Deutsche Bank heute weit abgeschlagen auf, die maßgeblichen Amerikaner werden von der Börse um ein Vielfaches höher bewertet. Daraus zog das Management zum Jahreswechsel den Schluss: eine neue Strategie muss her, auch wenn draußen die Leute lästern, dass die Deutsch Banker ihren Sprüchen lieber Taten folgen lassen sollten, statt immer neue Visionen zu entwerfen. „Der Deutschen Bank mangelt es nicht an der Strategie, sondern an der Umsetzung“, spottet jetzt der Vorstand eines Wettbewerbers.

          In zu vielen Ecken hat der Konzern geschlampt, nicht die Effizienz und damit die Rendite erreicht, die Aktionäre glücklich macht. So wuchs die Sehnsucht nach dem „großen Wurf“, der jetzt nur mittelgroß ausfällt: Die Bank wird nicht aufgespalten, wie zwischendurch als radikales Szenario diskutiert wurde, die blauen Filialen bleiben Kern des Unternehmens.

          Als Zerstörer der Deutschen Bank will Anshu Jain nicht in die Geschichte eingehen, die Trennbanken-Debatte mit ihren argumentativen Purzelbäumen spart er sich. Gestern hat die Wut auf die Investmentbanker die Forderung nach einer Aufspaltung befeuert, heute warnen teils dieselben Leute exakt davor - und verlangen, dass die Deutsche Bank eins bleiben muss, Investmentbank und Filialen unter einem Dach.

          Das soll verstehen wer mag, die Radikallösung wird es mit Jain jedenfalls nicht geben, statt dessen redet der Inder nun von einer „Fortentwicklung“ der Strategie, was trotzdem bedeutet: Es verschieben sich die Gewichte, und zwar weg von den Privatkunden in Deutschland. In diese Richtung waren die Erwartungen von der Bank seit Monaten sanft geleitet worden, was das Ende für das Publikum nun als zwangsläufig erscheinen lässt, und so etwaige Kritik daran von vornherein dämmt - ein Lehrstück über „Erwartungsmanagement und Kommunikation mit dem Kapitalmarkt“, wie die einschlägigen Vorlesungen heißen.

          Führen gemeinsam die Deutsche Bank: Jürgen Fitschen (l) und Anshu Jain

          Die Details der neuen Strategie werden die beiden Ko-Chefs am Montag in Frankfurt präsentieren, ehe Jürgen Fitschen tags drauf einen unangenehmen Termin in München wahrzunehmen hat: Vor dem Landgericht muss er sich als Angeklagter gegen den Vorwurf des „versuchten Prozessbetrugs“ in der Kirch-Sache erwehren. Der Aufsichtsrat hat sich am Freitag nicht groß damit befasst, der Ehrenerklärungen für Fitschen sind genug formuliert. Schließlich war auch so genug Stoff da für einen arbeitsamen Abend. Bis spät in die Nacht sind die Kontrolleure durchgegangen, was sich ändern muss in der Bank.

          Zur Trennung von der Postbank etwa wurde aus dem Gremium gefragt, ob es nicht günstiger sei, die bisherige Tochtergesellschaft komplett an einen neuen Eigner zu übergeben, statt die Aktien an der Börse feil zu bieten. Die Antwort von Oberkontrolleur Paul Achleitner: Biete jemand eine konkrete Summe werde dies Offerte selbstverständlich geprüft, „dazu sind wir schon von Gesetzes wegen verpflichtet“. Interesse an der Postbank sei im Markt zu spüren. Als potentielle Käufer genannt werden immer wieder der spanische Banco Santander sowie die französische BNP Paribas. Die bevorzugte Variante jedoch ist laut Achleitner der Börsengang, anvisiert in mehreren Tranchen, um 2016 im ersten Anlauf unter die 50-Prozent-Marke zu kommen. Spätestens 2017/2018 will man sich komplett verabschiedet haben.

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