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Deutsche Bank Hauptversammlung : Jain spricht Englisch, weil „jedes Wort wichtig ist“

Anshu Jain in der Frankfurter Festhalle Bild: Frank Röth

Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank beginnt Ko-Chef Anshu Jain seine Rede auf Deutsch, wechselt aber schneller als sonst ins Englische. Jedes Wort sei heute wichtig, begründet der Mann, der zuvor einen Machtkampf in der Bank für sich entschieden hat.

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          Das Triumvirat der Deutschen Bank zeigt sich auf der Hauptversammlung am Donnerstag demütig. Die ersten Beiträge der Aktionäre fallen kritisch aus und stoßen auf viel Applaus. Der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner räumte am Anfang ein, dass das Ansehen der Bank in der Öffentlichkeit angeschlagen und beschädigt sei. Kein Aktionär könne mit dem äußeren Erscheinungsbild und dem Aktienkurs zufrieden sein.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Ko-Vorstandsvorsitzende Anshu Jain zeigte sich entsetzt darüber, wie das Verhalten einzelner dem Ruf der Bank geschadet habe.  Diese Mitarbeiter würden zur Verantwortung gezogen.

          Jain räumte ein, dass die Ziele bei der Beilegung von Rechtsstreitigkeiten nicht erreicht worden seien und zudem diese kostspieliger als erwartet seien. Darüber hinaus zeigte er sich unzufrieden mit der Kostenlage. Die Kosten zu senken werde in den kommenden Jahren ganz oben auf der Agenda stehen.

          Anshu Jain im Gespräch mit dem scheidenden Vorstand Rainer Neske

          In der neuen Strategie, die unter anderem den Verkauf der Postbank und Kürzungen im Investmentbanking vorsieht, sind Einsparungen von jährlich 3,5 Milliarden Euro geplant. Ein Stellenabbau gilt als unvermeidlich und kann in den fünfstelligen Bereich gehen.  So sollen 200 der rund 700 Filialen geschlossen werden. Im Streit um die Ausrichtung hat Privatkundenvorstand Rainer Neske das Handtuch geworfen. Er wird die Bank zum 30. Juni verlassen. Achleitners Dank an ihn wurde von den Aktionären mit starkem Applaus bedacht.

          Applaus für demontierten Vorstand

          Auch Jain richtete Dankesworte an Neske, die aber unter den Zuhörern mit Verwunderung zur Kenntnis genommen wurden. Denn vor allem mit Jain hat sich Neske in der Vergangenheit gestritten. Jain fing seine Rede wie in den beiden Vorjahren auf Deutsch an, wechselte diesmal aber wesentlich schneller ins Englische. „An diesem Tag ist jedes Wort wichtig“, sagt Jain. „Deshalb erlaube ich mir, in meiner Muttersprache weiterzumachen.“ Im Saal wurde seine Rede dann allerdings synchron übersetzt. Das wirkte dann, als würde er auf deutsch sprechen – bloß dass die Übersetzung teilweise noch lief, während sein Mund schon wieder geschlossen war. 

          Der Ko-Vorstandsvorsitzende Jürgen Fitschen warb um Verständnis, dass die Renditen noch nicht dort seien, wo sie die Aktionäre erwarteten. Er betonte aber, dass der Vorstand die Bank in die richtige Richtung gesteuert habe.

          Sowohl nach Jains als auch nach Fitschens Rede waren vereinzelte Buhrufe  zu vernehmen. Ein Aktionär rief „aufhören!“. Im Vergleich zu früheren Hauptversammlungen ist es aber noch ruhig in der Frankfurter Festhalle. Auch vor dem Veranstaltungsort standen in diesem Jahr weniger Demonstranten als früher.

          Bank lässt über Vorstände einzeln abstimmen

          Die Amtsführung der Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank im vergangenen Jahr soll von den Aktionären am Donnerstag einzeln beurteilt werden. Aufsichtsratschef Paul Achleitner kündigte auf der Hauptversammlung an, den Vorstand nicht wie üblich pauschal entlasten lassen zu wollen, sondern jedes Vorstandsmitglied einzeln. Das hatte ein Aktionär zuvor gefordert. 

          Der neuer Privatkunden-Chef Christian Sewing zeigt sich den Aktionären

          Einflussreiche Aktionärsberater wie ISS und Hermes hatten den von ihnen beratenen institutionellen Investoren vor der Hauptversammlung empfohlen, den Vorstand nicht zu entlasten. Dass  sie dafür die erforderliche Mehrheit zusammenbekommen, ist allerdings zweifelhaft.

          Durch ihre Präsenz in der Halle und über Briefwahl beteiligten sich 33,3 Prozent des Grundkapitals an der Hauptversammlung, wie Achleitner mitteilte. Da die drei größten Aktionäre Blackrock, ein Staatsfonds von Katar und  die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank zusammen gut 15 Prozent der Aktien halten, dürften die Kritiker es schwer haben, die nötige Mehrheit für ihre vor der Hauptversammlung angezettelten Revolte gegen Jain und Fitschen zu erhalten.  Ein schlechtes Ergebnis ist aber zu erwarten, da sich an ISS und Hermes angelsächsische Fonds und Versorgungswerke orientieren. Unmittelbare Folgen hätte eine Nichtentlastung nicht. Sie gilt aber als Misstrauensvotum.

          Jürgen Fitschen

          Auch die  Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, Union Investment, wird den Vorstand nicht entlasten. Deren Vertreter Ingo Speich stellte in Frage, ob die Führung der Bank noch in der Lage sei, dass Unternehmen adäquat zu führen. Er kritisierte den Verkauf der Postbank: „Man dreht sich immer, wie man es gerade braucht.“ Klaus Nieding, Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), kritisierte die Trennung von der Postbank, nachdem jahrelang die Fortschritte der Integration gepriesen worden seien.  Den Rücktritt von Neske bedauerte Nieding: „Mit ihm geht ein Bankier und kein Banker.“  Die DSW will eine Sonderprüfung durchsetzen. Der Wirtschaftsprüfer BDO soll prüfen, ob ausreichend Rückstellungen für die Rechtsrisiken gebildet worden sind.

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