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Deutsche Bank : Ein Leben ohne Ackermann

  • -Aktualisiert am

Bild: Burkhard Mohr

Josef Ackermann hat die Krise der Deutschen Bank gemeistert, das „Du“ eingeführt und auch noch 25 Prozent Rendite gemacht. Was bleibt, wenn er jetzt geht?

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          Nur noch dreimal schlafen, dann ist es so weit: An diesem Freitag, endlich, übernehmen Anshu Jain und Jürgen Fitschen die Macht in der Deutschen Bank. Nachdem sich Josef Ackermann am Donnerstag ein letztes Mal seinen Aktionären gezeigt haben wird, kehrt er nicht mehr zurück in sein Büro im 32. Stock der Zwillingstürme.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer dort einzieht, ist hochgeheim, da hochpolitisch: Alles muss die neue Doppelspitze tun, um den Eindruck zu vermeiden, einer sei mehr Spitze als der andere, also bleiben beide vorerst in ihren angestammten Büros eine Etage tiefer. „Anshu und Jürgen - das unzertrennliche Doppel“, so in etwa lautet die Losung, was zu manchen Verrenkungen führt bei diesem an Absurditäten reichen Stabwechsel. Ziemlich kindisch ging es im Gerangel der Alpha-Tiere zu, gerade gemessen am Anspruch der Bank. „Im Investmentbanking zählen wir heute global zu den Besten“, verkündet Josef Ackermann. „Im Geschäft mit privaten Kunden hätte niemand geglaubt, dass wir so schnell so weit nach vorne kommen.“

          Wenn der Schweizer in diesen Tagen persönlich Bilanz zieht, hat er wenig bis gar nichts falsch gemacht. Selbst die Nachfolgersuche („eine Sache des Aufsichtsrates“) sei viel systematischer und friedlicher verlaufen als öffentlich wahrgenommen. Fehlt nur noch, dass Ackermann von einem „geordneten Prozess“ spricht; mit der Floskel zog der - nun ebenfalls abtretende - Chefkontrolleur Clemens Börsig den Spott der Szene auf sich.

          „Nicht professionell genug“

          Die Eigentümer der Bank fanden das Ganze wenig lustig, etliche Aktionäre weigern sich daher, den Aufsichtsrat zu entlasten. „Auf der Hauptversammlung ist mit heftigen Attacken zu rechnen“, droht Hans-Christoph Hirt, ein für den Pensionsfonds Hermes in London arbeitender Deutscher. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank scheine ihm „nicht professionell genug“, giftet Hirt, lange habe man „nicht verstanden, was sich an Ärger bei den Investoren aufgestaut hat“.

          Der verpatzte Chefwechsel ist nur der i-Punkt auf seiner Mängelliste. Vorstandsgehälter, das Hü-Hott um Ackermanns Nominierung als Aufsichtsrat, dazu „ethisch angreifbare“ Produkte und Geschäftspraktiken, die permanent juristischen Ärger provozieren - „all das hat dem Ruf der Bank enorm geschadet“, sagt Hirt. Wohl gemerkt: der Mann ist nicht dem Occupy-Camp entsprungen, er vertritt zwei Dutzend ansehnliche angelsächsische Investoren.

          Nun war die Laune von Bank-Aktionären generell schon besser, das ist wahr. Ziemlich viel Wert wurde im Finanzdistrikt vernichtet. Unter den vielen halbgaren Vorwürfen gegen Banker ist deshalb jener besonders töricht, dass sie nur den „shareholder value“ im Blick hätten. Wenn dem doch nur so wäre, seufzt mancher Kleinaktionär. Wer vor zehn Jahren, zum Amtsantritt Ackermanns, Aktien von Adidas, BASF oder Linde gekauft hat, hat den Einsatz mehr als verdoppelt. Mit der Deutschen Bank ging mehr als die Hälfte verloren. Von der Commerzbank ganz zu schweigen oder von den diversen Instituten, die den Geschäftsbetrieb eingestellt haben.

          Unfallfrei durch die Krise

          Ein Verdienst ist Ackermann nicht zu nehmen: Er hat die Deutsche Bank unfallfrei durch die Krise gesteuert - und seinen eigenen Namen zur Weltmarke aufpoliert. „Jede Krise bietet auch Chancen, die gilt es zu ergreifen“, gibt er zu. Keine Frage: Ackermann hat die Rolle als Held der internationalen Bankenwelt genossen, auch wenn die Kollegen zu Hause gemosert haben über die „Joe-Show“. Unstrittig ist außerdem: Mit Josef Ackermann endet eine Ära. „Die Deutsche Bank stünde heute nicht so da“, sagt Hilmar Kopper, der Mann, der ihn 1996 nach Frankfurt gelockt hat - zunächst als einfachen Vorstand, freilich mit Chef-Perspektive.

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