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Christiana Riley : Eine neue Frau für den Deutsche-Bank-Vorstand

Christiana Riley Bild: Deutsche Bank

Christiana Riley ist 41 Jahre alt – und kommt jetzt in den Vorstand der Deutschen Bank. Eine bemerkenswerte Entscheidung.

          Nicht jeder wird mit 41 Jahren schon Vorstand der Deutschen Bank, Christiana Riley allerdings schon: Sie leitet künftig das Amerika-Geschäft der Deutschen Bank, und man muss schon bis zu Alfred Herrhausen zurückgehen, um jemanden zu finden, der bei seiner Berufung jünger war: Der war 40 Jahre alt, als er 1970 in den Vorstand aufgenommen wurde.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist eine bemerkenswerte Personalie, die die Bank beim Umbau ihres Geschäfts verkündet hat. Von vielen Investmentbankern in New York trennt sich die Bank in diesen Tagen. Trotzdem will sie unbedingt nach außen vermitteln, dass sie in Amerika sehr präsent bleibe und das Investmentbanking weiterhin wichtig sei, nur eben nicht mehr im Aktiengeschäft. Gerade jetzt käme der Eindruck ungelegen, dass für Amerika künftig eine unerfahrene Quotenfrau zuständig ist, die bisher vor allem in Stabsstellen gewirkt hat. Insofern ist es ein Wagnis, ausgerechnet jemanden mit Rileys Biographie an die Spitze des Amerika-Geschäfts zu setzen. Das lässt darauf schließen, dass Bankchef Christian Sewing in Riley etwas anderes sieht: vielleicht eine dringend benötigte Amerikanerin, die die Kommunikation mit den New Yorkern aufrechterhalten kann – oder am Ende tatsächlich das junge, vielversprechende Talent.

          Ohne berufliches Netzwerk im fremden Land

          Sicher ist: Riley kam zur Deutschen Bank, als die sich ihre Mitarbeiter noch besser aussuchen konnte als heute. Als sie noch nicht das Mitleid aller hatte, sondern noch als cooler, vielleicht ein bisschen zu gieriger Kapitalist galt: im Jahr 2006, vor der Finanzkrise. Für Riley selbst ist da ein Wagnis aufgegangen, das sie einige Jahre zuvor eingegangen war. Geboren wurde sie vor den Toren New Yorks, nach dem Studium an der Princeton University hatte sie bei der kleinen Investmentbank Greenhill angefangen und war bald nach Deutschland geschickt worden, wo sie blieb und später zwei Kinder bekam. Was macht man ohne berufliches Netzwerk im fremden Land? Riley ging zur Unternehmensberatung McKinsey, baute sich ein neues Netzwerk auf, lernte Deutsch und ließ sich bald von der Deutschen Bank abwerben.

          Wer jetzt in den Vorstand der Bank aufrückt, ist ein Vorbild für Frauen, und dessen ist sie sich bewusst. Auch sie selbst hat sich ein weitreichendes Netzwerk unter den Frankfurter Finanzfrauen aufgebaut. Ihr einziges öffentlich verbürgtes Zitat stammt aus einer Publikation über Frauen in der Finanzwirtschaft – allerdings mit dem Satz, dass es in der Finanzwirtschaft für die Karriere nicht aufs Geschlecht ankomme, sondern auf die Leistung.

          Dass Riley sich bei der Arbeit reinhängt, ist gar keine Frage. Wohlmeinende loben ihr Engagement und ihre Fähigkeit, Brücken zwischen Leuten aus unterschiedlichen Ländern zu bauen. Andere erzählen, dass sie in ihren ersten Tagen in New York über jedes Stockwerk des Deutsche-Bank-Gebäudes gelaufen sei, um mit Mitarbeitern zu sprechen. Auch da wird ihr ihre New Yorker Herkunft geholfen haben. Den Stellenabbau hat gleichwohl nicht sie selbst angekündigt, das hat sie erst mal ihren Offizieren überlassen. Ihre Amtszeit als Überbringerin der schlechten Nachricht zu beginnen, das wollte sie dann wohl doch nicht.

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