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Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Mayer : „Das Jahr 2012 wird das Schicksalsjahr für den Euro“

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Überlebt die europäische Währung? Für Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer steht die Antwort keineswegs fest Bild: DPA

Das Überleben des Euro hängt von Italien ab, sagt Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer. Er fürchtet böse Überraschungen im ersten Halbjahr.

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          Herr Mayer, vor zwölf Monaten hatten Sie uns an dieser Stelle ein Jahr mit wankenden Banken, unsicheren Staatsanleihen und einer Umschuldung Griechenlands prognostiziert. Sie lagen verdammt gut. Was erwartet uns 2012?

          Das Jahr 2012 wird das Entscheidungsjahr für den Euro. Es geht um nichts Geringeres als die Frage, ob die europäische Währung überlebt. Und das wird von Italien abhängen. Deshalb wird 2012 auch das italienische Jahr.

          Warum?

          Die Regierung Monti in Rom hat bis zu den Wahlen im Frühjahr 2013 Zeit zu zeigen, dass das Wunder gelingen kann: zugleich die Staatsfinanzen zu sanieren und die Wirtschaft anzukurbeln. Wenn sie das nicht schafft, wird es die Wirtschafts- und Währungsunion in der Form, wie wir sie kennen, auf lange Sicht nicht mehr geben.

          Wie stehen dabei die Chancen?

          Es steht Spitz auf Knopf. Zu Beginn des nächsten Jahres wird Italien in eine tiefe Rezession stürzen. Wenn es dem Land gelingt, da vor den Wahlen im Mai 2013 wieder herauszukommen - was ich erwarte -, dann kann Italien ein Vorbild für alle südeuropäischen Staaten werden. Ansonsten wird die Eurozone auseinanderbrechen.

          Wird uns die Krise das ganze Jahr beschäftigen?

          Ich fürchte ja. Es ist ja nicht nur eine Staatsschuldenkrise. In der Krise steckt die Architektur der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Die Eurozone war schon vor 20 Jahren, als der Maastricht-Vertrag unterzeichnet wurde, kein "optimaler Währungsraum", wie ihn der Nobelpreisträger Robert Mundell für eine gemeinsame Währung gefordert hat. Die Staaten waren zu unterschiedlich, und es gab nicht so starke Wanderungsbewegungen von Arbeitskräften zwischen den Ländern, wie das in Amerika zwischen den Bundesstaaten der Fall ist.

          Trotzdem hat der Euro bislang gehalten . . .

          Ja, es gab einen Kitt, der die unterschiedlichen Euroländer zusammenhielt. Dieser Kitt, das waren die billigen Kredite, die alle Euro-Staaten aufnehmen konnten. Die Zinsen hatten sich angenähert. Seit die Kreditblase geplatzt ist, ist dieser Kitt weg. Er wurde begrenzt durch öffentliche Hilfen ersetzt, vor allem aber durch billige Zentralbank-Kredite, mit denen die hohen Zahlungsbilanzungleichgewichte innerhalb des Euroraums finanziert werden. Das geht aber nicht unendlich so weiter. Deshalb droht das Ganze auseinanderzufallen.

          „Ich mache mir weniger Sorgen darum, dass in Deutschland die Stimmung gegen das Retten kippt, als vielmehr, dass in Griechenland die Bevölkerung nicht mehr bereit ist, die Sparprogramme mitzutragen”, sagt Thomas Mayer

          Wird es aus Ihrer Sicht zum großen Crash kommen?

          Das will ich nicht hoffen. Man muss heutzutage zwar mit allem rechnen, aber ich bin grundsätzlich optimistisch.

          Werden wir im neuen Jahr den ersten Austritt eines Landes aus der Eurozone erleben?

          Ich will das weder prognostizieren noch empfehlen. Nur: Mit der Möglichkeit muss man rechnen. Ein Austritt Griechenlands ist nicht mehr tabu.

          Wie würde das verlaufen?

          Die griechischen Parteien haben sich ja darauf geeinigt, die Regierung Papademos nur bis Mitte Februar zu tragen. Danach sollen Neuwahlen stattfinden. Und dann werden wir sehen, ob eine Regierung entsteht, die den Sparkurs weiter trägt. Der Anpassungsprozess ist ja knallhart. Insofern gibt es ein Risiko, dass nach Papademos eine Regierung kommt, die entweder nicht willens ist oder nicht fähig, den Anpassungsprozess weiterzuführen. Dann würden vermutlich die Hilfsprogramme eingestellt. Und die Griechen müssten eigenes Geld drucken, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Dieses können sie Drachme nennen oder auch anders.

          Was passiert denn mit den vielen Schulden, die Staaten überall auf der Welt angehäuft haben?

          Wahrscheinlich ist, dass die Staatsschulden monetisiert werden. In der Finanzkrise ist die wohl größte Blase von Vermögenswerten aller Zeiten geplatzt. Die Abschreibungen, die dadurch entstanden sind, konnten die Banken allein nicht vollständig tragen. Sie haben einen Teil an die Staaten weitergereicht, zum Beispiel über staatliche Bad Banks. Jetzt ächzen die Staaten unter der Schuldenlast. Und ein Teil ihrer Schulden landet auf den Bilanzen der Zentralbanken. Da ist die Europäische Zentralbank keine Ausnahme.

          Mit welcher Folge?

          Die Europäische Zentralbank wird das Problem nur so ähnlich lösen können wie die amerikanische Notenbank Fed. Sie wird einen Teil der Schulden über die Jahre weginflationieren.

          Das klingt beunruhigend. Muss man schon 2012 mit einer höheren Inflation rechnen?

          Nein, nach dem Anstieg im Jahr 2011 sinkt die Inflation erst einmal wieder.

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