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Deutsche-Bank-Chefvolkswirt : Flüchtlinge sollten weniger verdienen als Deutsche

David Folkerts-Landau Bild: Daniel Pilar

Ein Lohnabschlag wäre fair, sagt David Folkerts-Landau, der Chefökonom der Deutschen Bank. Deutschland könne durch die vielen Zuwanderer eine Blüte erleben wie im 19. Jahrhundert.

          2 Min.

          Der Chefökonom der Deutschen Bank fordert, Flüchtlinge zu niedrigeren Löhnen zu beschäftigen als Einheimische, die vergleichbare Tätigkeiten ausüben.  „In Deutschland muss akzeptiert werden, dass für die gleiche Arbeit unterschiedliche Löhne bezahlt werden“, sagte David Folkerts-Landau vor Journalisten in London. „Es wäre in Ordnung, wenn Flüchtlinge weniger verdienen, denn im Gegenzug bietet Deutschland ihnen ein Leben in Sicherheit und mit einer hochentwickelten Infrastruktur“, argumentiert der oberste Ökonom der Deutschen Bank.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zugleich bekräftigte Folkerts-Landau, dass wegen der Flüchtlingskrise der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland abgeschafft werden müsse. „Das Kernproblem bei der Integration der Flüchtlinge ist: Sie müssen Arbeit finden und der Mindestlohn hindert viele daran“, sagte er. In einem deregulierten Arbeitsmarkt und mit vielen zusätzlichen Arbeitskräften könne Deutschland dagegen wieder zu einem Wirtschaftsstandort mit niedrigen Kosten werden: „Es ist kein Naturgesetz, dass diese Art der Produktion immer in Schwellenländern stattfindet“, sagte Folkerts-Landau. „Deutsche Firmen beschäftigten rund 7 Millionen Arbeitnehmer im Ausland. Einige dieser Arbeitsplätze könnten durchaus wieder in Deutschland geschaffen werden.“ 

          Folkerts-Landau sieht in der Flüchtlingswelle eine große Chance für Deutschland. Sie könne dem Land eine neue Blüte bescheren, vergleichbar mit der Gründerzeit des vorletzten Jahrhunderts. Für die alternde deutsche Gesellschaft könne die Zuwanderung „ein volkswirtschaftlicher Segen“ sein, sagte er. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass die Deutschen offen für Veränderungen seien: „Man muss akzeptieren, dass sich der Arbeitsmarkt, die kulturelle Szene, das Angesicht unserer Städte, unserer Schulen, unserer Universitäten verändern wird.“ Aber genau dies sei auch im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts der Fall gewesen. „Auch damals wurde Deutschland durch die Einwanderung zu einem der führenden Länder in der Kultur und im Bildungswesen. Die Immigration war der Schlüssel und sie ist es auch heute wieder“, sagte Folkerts-Landau.

          Andere Wirtschaftsfachleute sind allerdings weit weniger zuversichtlich als der Chefökonom der Deutschen Bank. Die große Mehrheit der Asylsuchenden werde mindestens fünfzehn Jahre lang auf staatliche Unterstützung angewiesen sein, erwartet etwa Marijn Dekkers, der Vorstandschef des Leverkusener Chemiekonzerns Bayer. Das Statistische Bundesamt wies diesen Monat darauf hin, dass der Trend der alternden Bevölkerung durch die Flüchtlinge nicht umgekehrt werde. Allenfalls könnten Tempo und Ausmaß gemindert werden, erwarten die Statistiker. Manche Fachleute wie der Freiburger Wirtschaftsprofessor und Demographieexperte Bernd Raffelhüschen warnen sogar, dass durch die Zuwanderungswelle die Finanzierungsprobleme der deutschen Rentenversicherungen wachsen. 

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