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Deutsche Bank : Anshu Jain auf Werbetour

Anshu Jain: Auf der Hauptversammlung Ende Mai sprach er auf Deutsch Bild: dpa

Der Ko-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank hat ehrgeizige Ziele und wirbt dafür immer öfter in der deutschen Öffentlichkeit. Wenn er 2015 alleiniger Vorstandsvorsitzender werden will, muss er weiter Deutsch lernen.

          Auf Anshu Jain, Ko-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, wartet eine neue Herausforderung: Pep Guardiola. Der Trainer des FC Bayern soll nach Angaben seines Bruders Pere wie ein Besessener Deutsch büffeln. Angeblich vier Stunden jeden Tag. Zeit dazu hatte Guardiola zuletzt. Denn seit seinem Weggang vom FC Barcelona im Sommer 2012 war der Katalane ohne Job. Dieses Lernpensum kann Jain nicht aufbringen. Auch er lernt Deutsch, was er auf der Hauptversammlung am 22. Mai mit einer kurzen Rede unter Beweis stellte. Doch in jüngsten Auftritten sprach Jain wieder Englisch. So auch am Dienstag, als er zweimal in Frankfurt sprach.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Den Aktionären hat Jain in Aussicht gestellt, auf der Hauptversammlung im kommenden Jahr ein bisschen besser Deutsch zu sprechen. Daran führt kein Weg vorbei, will der gebürtige Inder mit britischem Pass sein Ziel erreichen: alleiniger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank zu werden. Um seine Sprachkenntnisse auszubauen, hat er noch zwei Jahre Zeit. Denn auf der Hauptversammlung 2015 endet der Vertrag von Jürgen Fitschen, der anderen Hälfte der Doppelspitze, die am 1. Juni 2012 die Nachfolge von Josef Ackermann angetreten hat.

          Jain hat für Aufbruchstimmung gesorgt

          Zuletzt haben sich die öffentlichen Auftritte von Jain in Frankfurt gehäuft. So nahm er an einer Podiumsdiskussion der Grünen teil, auf der es um die Regulierung der Banken ging. Am Dienstag trat er zweimal auf: Einmal auf einer Presseveranstaltung zur Neuausrichtung der Vermögensverwaltung. Für die ist der gelernte Investmentbanker zuständig und sie ist für ihn einer der Kernbereiche, in denen sich der künftige Erfolg entscheidet. Sein Weggefährte aus dem Investmentbanking, Michele Faissola, leitet die Vermögensverwaltung seit zwölf Monaten und baut eine schlagkräftigere Organisation auf. Das Ziel gibt Jain vor: „Die Deutsche Bank hat die Voraussetzungen, um einer der Marktführer in der Vermögensverwaltung zu werden.“ Eine wichtige Voraussetzung ist der Standort der Bank in Deutschland, das Jain zu den drei bis vier Ländern in der Welt zählt, wo sich Investoren am sichersten fühlen. Die führende Bank in einer der größten Volkswirtschaften der Welt mit einer exportstarken Industrie zu sein, das sind die Attribute, mit denen die Bank nicht nur in der Vermögensverwaltung ganz vorne mitspielen kann.

          Jain und Fitschen haben gleich nach ihrem Antritt das Ziel ausgegeben, künftig zu den fünf führenden Universalbanken auf der Welt gehören zu wollen. Die Universalbank, das Geschäftsmodell der Deutschen Bank, vereint das kapitalmarktnahe Investmentbanking mit dem Privat- und Firmenkundengeschäft. Für die Universalbank warb Jain am Dienstagabend in der Frankfurter Universität.

          Das neue Trennbankengesetz bedroht das Geschäftsmodell von Deutschlands größter Bank. Riskante Eigengeschäfte am Kapitalmarkt sollen vom Einlagen- und Kreditgeschäft abgetrennt werden, um die Kunden zu schützen. Auch wenn die Deutsche Bank immer wieder betont, sie betreibe keinen Eigenhandel mehr, trifft sie das Gesetz wie kein zweites Institut. Eine strengere Regulierung in Deutschland kann die Bank im Vergleich zu amerikanischen Konkurrenten schwächen. So warnte Jain vor den Wettbewerbsnachteilen, die seine Ziele in weite Ferne rücken lassen. Er verwies auf die Vorteile der Universalbank, weil sie Risiken über die verschiedenen Geschäftsfelder besser ausgleichen könne. Größe allein sei nicht die alleinige Ursache für die Probleme. Als Beispiele nannte er die Schieflagen spanischer Sparkassen oder deutscher Hypothekenbanken.

          Dass in der Deutschen Bank nach den vielen Skandalen wieder Aufbruchstimmung herrscht, dafür hat Jain gesorgt. Denn er schuf in zahlreichen Investorengesprächen die Voraussetzungen für die erfolgreiche Kapitalerhöhung Ende April. Damit zog die Bank in der Kapitalausstattung an Wettbewerbern wie etwa JP Morgan vorbei. Doch reicht es im Börsenwert noch lange nicht zur Weltspitze. Mit 38 Milliarden Euro Marktkapitalisierung liegt die Deutsche Bank nicht mal unter den 30 wertvollsten Instituten. Um international ein Schwergewicht zu sein, braucht die Bank noch Zeit.

          Jain bittet in seinen öffentlichen Auftritten regelmäßig um Geduld. Er weiß, dass weitere Belastungen durch Rechtsrisiken drohen. Zinsmanipulationen oder Umsatzsteuerbetrug im Handel mit Emissionszertifikaten - das sind Beispiele aus der langen Liste an Rechtsrisiken. Diese betreffen in erster Linie das Investmentbanking, für das Jain über Jahre hinweg verantwortlich war. Die Rückstellungen haben die Aktionäre schon Milliarden gekostet. Um deren Geduld hat Jain im Kulturwandel gebeten, mit dem die Bank ihren Ruf und das Kundenvertrauen wiederherstellen will. Auch deshalb befindet sich Jain auf Werbetour. Und er hat einen Vorteil gegenüber Guardiola: Bei der Deutschen Bank lässt sich noch einiges verbessern. Die Erfolge des Vorgängers Jupp Heynckes zu übertreffen, fällt Guardiola dagegen deutlich schwerer.

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