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Deutsche Bank : Ackermanns Abschiedsgala

Seit 2002 an der Spitze der Deutschen Bank: Josef Ackermann Bild: dapd

Den erhofften Rekordgewinn kann Josef Ackermann nicht feiern, wenn er an diesem Donnerstag letztmalig auf einer Jahrespressekonferenz die Regie führt. Alles wartet auf die neue Führung. Doch seine beiden Nachfolger Jain und Fitschen müssen sich noch zurückhalten.

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          An diesem Donnerstag darf er noch einmal Regie führen: Josef Ackermann wird als Vorstandsvorsitzender die Ergebnisse der Deutschen Bank im vergangenen Jahr auf einer Pressekonferenz vorstellen. Dass es nicht die ganz große Abschiedsshow wird, liegt nicht nur daran, dass der Schweizer erst nach der Hauptversammlung am 31. Mai das Zepter an seine beiden Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen übergeben wird.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Er kann sich auch nicht mit dem angestrebten Rekordgewinn von 10 Milliarden Euro schmücken. Das Ziel musste Deutschlands größte Bank Anfang Oktober aufgeben, weil die Marktverwerfungen in der europäischen Staatsschuldenkrise zu schwer lasteten.

          Die Öffentlichkeit interessieren die Zahlen für das Geschäftsjahr 2011 aber nur am Rande. Im Vordergrund stehen der Machtwechsel sowie die künftige Aufgabenverteilung zwischen Jain und Fitschen. Doch dazu werden sich die beiden noch nicht äußern. Damit ist erst zum 11. April zu rechnen, wenn den Führungskräften in Montreux die künftige Strategie vorgestellt wird. Dass Jain weiterhin für die Ertragssäule, das Investmentbanking, zumindest in der strategischen Ausrichtung verantwortlich sein wird, daran besteht im Umfeld der Bank kein Zweifel. Doch werden Überraschungen für möglich gehalten, was die Zuständigkeiten von Fitschen betrifft. Der will den Anschein widerlegen, dass er mit seinen 63 Jahren nur eine Übergangslösung für die kommenden drei Jahre ist.

          Die designierten Nachfolger: Anshu Jain (l) und Jürgen Fitschen

          Der bisherige Deutschland-Chef dürfte in erster Linie das Gesicht der Bank in ihrem Heimatmarkt darstellen. Dafür sprechen nicht nur das staatsmännische Auftreten und Fitschens gute Kontakte in die Berliner Politik, sondern auch die kaum vorhandenen Deutschkenntnisse von Jain (Jahrgang 1963). Der Inder mit britischem Pass soll zwar Deutsch lernen, doch dürfte er auf absehbare Zeit nicht in der Lage sein, Hauptversammlungen zu leiten. Fitschen und Jain sollen sich darin einig sein, dass sich der gesamte Vorstand künftig wieder stärker als Team präsentiert. Damit brechen sie mit der in den vergangenen Jahren zu stark auf die Persönlichkeit Ackermanns ausgerichteten Kommunikationspolitik der Bank.

          Seit seinem Antritt im Mai 2002 - zunächst als Vorstandssprecher - eignete sich der Schweizer eine Machtfülle an, die es vorher in der Deutschen Bank nicht gegeben hat. So führte er ein neues Führungsgremium ein, das für das Tagesgeschäft verantwortliche Group Executive Committee (GEC). Dessen Vorsitzender war von Anfang an Ackermann, die restlichen elf Mitglieder berichteten an ihn direkt. Im GEC wurden die wichtigen Entscheidungen vorbereitet. Der bis auf vier Mitglieder verkleinerte Vorstand musste sie nur noch absegnen. Als Chef beider Gremien hatte Ackermann mehr Macht und Einfluss als seine Vorgänger. Im Februar 2006 erhob der Aufsichtsrat Ackermann zum Vorstandsvorsitzenden. Dies war zunächst als Vertrauensbeweis im Zuge des Mannesmann-Prozesses zu verstehen. Jedoch war Ackermann als Vorsitzender auch nach außen ganz klar der Chef des Vorstands. Der Vorstandssprecher gilt dagegen nur als "primus inter pares", was Ackermann dank seiner Funktion im GEC in der Bank aber nicht war. Als Vorstandsvorsitzender war er aber dann im April 2009 wieder bereit, den Vorstand personell auf acht Mitglieder auszubauen und damit dessen Rolle zu stärken. Damals rückten auch Fitschen und Jain in den Vorstand.

          Zu mehrfachen Verwerfungen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Börsig, der ebenfalls Ende Mai gehen wird, kam es bei der Suche nach einem Nachfolger Ackermanns. Diese Suche ist Aufgabe des Aufsichtsrats. Aber Ackermann mischte sich ein und machte sich für den früheren Bundesbank-Präsidenten Axel Weber stark, der jedoch die Schweizer UBS vorzog. Institutionelle Investoren kritisierten dies als Verstoß gegen die Prinzipien guter Unternehmensführung, weil der Aufsichtsrat für die Bestellung der Vorstandsmitglieder verantwortlich ist. Im Vorstandskreis wurde das Vorgehen Ackermanns als Misstrauensvotum gegenüber seinen Kollegen gewertet. Vor allem Jain, der zwei Drittel des Gewinns verantwortet, fühlte sich übergangen. Er und Fitschen dürften erleichtert gewesen sein, als Ackermanns geplanter Wechsel an die Aufsichtsratsspitze nicht aufging, weil die großen Aktionäre nicht mitspielten. Dieses Amt wird Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner antreten, der als früherer Deutschland-Chef von Goldman Sachs über Erfahrungen im Investmentbanking verfügt. Jain und Fitschen müssen nun nicht mehr fürchten, dass Ackermann als oberster Kontrolleur Kratzer an seinem Lebenswerk zu vermeiden versucht.

          Für den Inder mit britischem Pass geht nun ein Karrierewunsch in Erfüllung. Jain sucht Herausforderungen und sieht diese in der Führung der Deutschen Bank. Seit Jahren beobachtet er, dass Segmente der Bank dringend umstrukturiert und wettbewerbsfähiger aufgestellt werden müssen. Er selbst sieht die Führung des Investmentbankings im Tagesgeschäft von seiner Seite aus als abgeschlossen an. Noch bevor in anderen Instituten erkannt wurde, dass die künftigen Regulierungsvorschriften tiefgreifende Auswirkungen auf das Geschäft haben werden, strukturierte er das Investmentbanking um, verzahnte es stärker mit dem Industriekundengeschäft der Universalbank. Für Jain ist es daher nur konsequent, mit der Führung der Gesamtbank neue und größere Herausforderungen zu suchen. Es ist der gleiche Schritt, den auch andere Investmentbanker eingeschlagen haben, zum Beispiel Bob Diamond, heute Vorstandsvorsitzender von Barclays, oder Stuart Gulliver, Vorstandschef von HSBC. Doch die müssen sich die Vorstandsspitze nicht teilen so wie Jain. Ob die Doppelspitze bei der Deutschen Bank dauerhaft Bestand haben wird, ist die spannendste Frage in den kommenden drei Jahren.

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