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Deutsche Bank : Ackermann verzichtet - doch worauf?

Josef Ackermann gibt sich großzügig und verzichtet nach eigenen Aussagen auf „einige Millionen” Jahresbonus Bild: ddp

Josef Ackermann hat erklärt, auf seinen Jahresbonus „zugunsten verdienter Mitarbeiter, die das Geld nötiger haben“, zu verzichten. Doch es ist fraglich, ob es am Jahresende für die Banker überhaupt einen Bonus geben wird.

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          Die Zahl der Führungskräfte der Deutschen Bank, die auf ihren Jahresbonus 2008 verzichten wollen, wird immer größer. Nachdem Vorstandsvorsitzender Josef Ackermann, die übrigen drei Vorstandsmitglieder und alle 20 Mitglieder des Aufsichtsrates der Deutschen Bank auf ihren erfolgsabhängigen Gehaltsbestandteil schon am Donnerstag verzichtet haben, zogen am Freitag auch Investmentbanker der Deutschen Bank in London nach.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie hoch wird der Bonus wirklich sein?

          Alle Mitglieder des erweiterten Vorstands (“Group Executive Commitee“), also auch der hochbezahlte Investmentbanker Ansu Jain sowie Kevin Parker (Asset Management) und Pierre de Weck (Wealth Management) sowie Deutschland-Chef Jürgen Fitschen, Privatkundenleiter Rainer Neske und Michael Cohrs (Zahlungsverkehr) lassen sich für dieses Jahr keinen Jahresbonus auszahlen, hieß es in Finanzkreisen. Die Deutsche Bank bestätigte dies.

          Der Vorstand der West LB hat sich zu einem gemeinsamen Gehaltsverzicht entschlossen

          Der Schritt von Ackermann und seinen Kollegen löste ein vielstimmiges Echo aus. Denn unklar ist, wie viel Jahresbonus den Bankern eigentlich in diesem Jahr der Finanzkrise zustehen wird. Unklar ist damit auch, wie groß der Verzicht tatsächlich ist, den sie leisten.

          Boni von früher wären nicht erreicht worden

          Ackermann selbst spricht in Bezug auf seine Person von „einigen Millionen“. Die Größenordnung des Vorjahres, in dem Ackermann zusätzlich zu seinen 1,3 Millionen Euro Fixgehalt 12,7 Millionen Euro Bonus und der gesamte Vorstand zusätzlich zu 4,3 Millionen Euro Fixgehalt 28 Millionen Euro Bonus erhielt, wäre allerdings in diesem Jahr kaum erreicht worden.

          Zwar macht die Deutsche Bank, anders als viele europäische Banken, in diesem Jahr bisher Gewinn. Doch das allein reicht nicht, um in der Deutschen Bank eine erfolgsabhängige Vergütung zu erhalten. Vielmehr gibt es im Februar dann eine Extra-Barzahlung, wenn die Deutsche Bank im abgelaufenen Geschäftsjahr das zuvor geplante Eigenkapitalrenditeziel erreicht hat.

          Rendite wurde nicht niederiger geschätzt

          Auf welche Größe dieses Renditeziel im Herbst 2007, als die Finanzkrise von Ackermann noch unterschätzt wurde, festgelegt wurde, ist Betriebsgeheimnis. Nach dem Erreichen des 6,5 Milliarden Euro Rekordgewinns im Jahr 2007 dürfte die Messlatte für dieses Jahr nicht deutlich niedriger gelegt worden sein. In der Öffentlichkeit zumindest hatte die Deutsche Bank eine weitere Steigerung des Gewinns auf 8,4 Milliarden Euro als Jahresziel ausgegeben und diese Prognose erst im April zurückgezogen.

          Damit erscheint klar, dass die Deutsche Bank, nachdem ihr Gewinn im ersten Halbjahr von 3,9 Milliarden auf 504 Millionen Euro zurückgegangen ist, das geplante Eigenkapitalrenditeziel in 2008 kaum erreichen dürfte.

          Entscheidend ist das Abschneiden der Konkurrenz

          Ein zweites Kriterium für erfolgsabhängige Bezahlung in der Deutschen Bank ist, ob sich der Aktienkurs der Deutschen Bank in einem Zwei-Jahres-Zeitraum besser oder schlechter entwickelt hat als der ihrer Konkurrenten. Nähme man die Kurse vom Freitag als Stichtag, so hat sich der Kurs der Deutschen Bank gemessen am europäischen Bankenaktienindex Stoxx Banks schlechter entwickelt. Der Stoxx Banks ging um 60 Prozent zurück, der Kurs der Deutschen Bank um 67 Prozent.

          Diese Betrachtung kann jedoch nur ein Anhaltspunkt sein, weil die Deutsche Bank nicht den Stoxx Banks heranzieht, sondern einen Korb aus Aktien, in dem die Aktien der amerikanischen Banken Merrill Lynch, JP Morgan und Citibank sowie die der Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse das höchste Gewicht haben. Falls die Aktie der Deutschen Bank gemessen an diesem Aktienkorb über zwei Jahre hinweg besser abschneidet, gibt es nach den Regeln einen Bonus, der zu einem Drittel in bar und zu zwei Dritteln in Aktien bezahlt wird.

          Struck sieht in Ackermanns Verzicht einen „Ablasshandel“

          Das Gehalt von Ackermann war am Freitag auch Thema im Bundestag. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) begrüßte die Geste von Ackermann als vorbildlich. Es sei „ein erstes erfreuliches Zeichen, wenn ein Vorstand einer deutschen Bank sich dazu entschließt, seine ihm zustehenden Boni-Zahlungen nicht in die eigene Tasche zu stecken“, sagte Glos.

          Dagegen nannte es Peter Struck, Vorsitzender der SPD-Fraktion, einen „peinlichen Vorgang“, dass Ackermann angekündigt habe, auf seinen Bonus zu verzichte. Ackermann wolle wohl mit diesem „Ablasshandel“ seine Sünden begleichen, giftete Struck. Auch in anderen Banken fand Ackermann wenig Beifall aus. Kritik erhielt er für das Zurschaustellen einer vermeintlich mildtätigen Haltung. Die Commerzbank lehnte jeden Kommentar darüber ab, ob ihr Vorstandssprecher Martin Blessing Ackermanns Beispiel folgen und ebenfalls auf seinen Bonus zugunsten anderer Mitarbeiter verzichten wolle.

          West LB verzichtet aus anderen Gründen

          Der gesamte Vorstand der West LB hat sich unterdessen zu einem Gehaltsverzicht bereit erklärt. Vorstandsvorsitzender Heinz Hilgert hatte sich schon zuvor im Gespräch mit dieser Zeitung einverstanden gezeigt mit der Deckelung von Gehältern als Bedingung dafür, dass der Staat Banken rettet.

          Allerdings ist der Fall West LB und der Fall Deutsche Bank nicht vergleichbar. Denn die Deutsche Bank will die Rettungshilfen der Bundesregierung nicht in Anspruch nehmen. Auch diese Ankündigung Ackermanns löste Kritik hinter vorgehaltener Hand in anderen Banken aus. Ackermann stigmatisiere mit seiner Geste diejenigen Banken, die das Rettungspaket annähmen, hieß es.

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