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Deutsche Bank : Ackermann und Jain liefern sich Gehaltsrennen

Josef Ackermann ist nur noch bis Ende Mai Chef der Deutschen Bank Bild: dpa

Josef Ackermann kommt für 2011 auf ein Gehalt von 9,4 Millionen Euro, wobei aber Zusagen über insgesamt 7,5 Millionen Euro enthalten sind, die noch teilweise verfallen können. Auch Anshu Jain verdient in dieser Größenordnung. Der zweite künftige Chef, Jürgen Fitschen, liegt deutlich dahinter.

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          Das Zahlenwerk der Deutschen Bank zur Entlohnung ihrer Vorstandsmitglieder ist nicht einfach zu durchdringen. Da gibt es Grundgehälter, erfolgsabhängige Komponenten, die auch wieder verfallen können, und Boni. So kann man muntere Zahlenspiele anfangen, aber Meldungen, nach denen der scheidende Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann einen seiner beiden Nachfolger, nämlich den bisherigen Chef des Investmentbanking, Anshu Jain, einmal wieder übertrumpft habe, treffen so nicht zu. Der zweite künftige Chef, Jürgen Fitschen, liegt deutlich dahinter. Und alle drei können dem Top-Verdiener des vergangenen Jahres, dem Volkswagen-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn, ohnehin nicht annähernd das Wasser reichen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          So hat Ackermann im zurückliegenden Geschäftsjahr zwar mehr verdient als im Jahr 2010, obwohl das Institut das für 2011 ursprünglich angestrebte Ergebnisziel von 10 Milliarden Euro um 3,4 Milliarden Euro verfehlt hat. Wie aus dem am Dienstag vorgelegten Geschäftsbericht hervorgeht, kommt Ackermann für 2011 auf ein Gehalt von 9,4 Millionen Euro nach 8,8 Millionen Euro im Vorjahr. In diesem Betrag sind aber Zusagen über insgesamt 7,5 Millionen Euro enthalten, die noch teilweise oder im schlimmsten Fall ganz verfallen können, sollte die Deutsche Bank im Zeitraum bis 2016 Verluste verzeichnen. Winterkorn hingegen kassiert den Löwenanteil seines Gehalts sofort, weniger als 30 Prozent werden längerfristig vergütet.

          Anshu Jain (l) und Jürgen Fitschen übernehmen Ende Mai das Ruder bei Deutschlands größtem Geldhaus.

          Hinzu kommt, dass Ackermann auch weiterhin mit Jain eben „nur“ mithalten kann, ihn aber nicht übertrumpft: Denn Jain verdiente 9,8 Millionen Euro, wovon noch 8,4 Millionen Euro verfallen können. Im Geschäftsjahr 2010 hatte Jain 11,9 Millionen Euro verdient. Sein Gehaltsrückgang ist dem schlechten Verlauf im Investmentbanking geschuldet, das mit 2,9 Milliarden Euro deutlich unter dem ursprünglichen Ergebnisziel von 6,6 Milliarden Euro lag. Im vierten Quartal musste die Sparte wagen der Euro-Staatsschuldenkrise und den dadurch ausgelösten Kapitalmarktschwankungen einen Verlust von 422 Millionen Euro ausweisen.

          Sehr deutlich hinter Ackermann und Jain liegt indes Fitschen. Er verdiente 4,2 Millionen Euro, und auch davon sind noch 2,85 Millionen Euro an langfristige Erfolgskomponenten gekoppelt. Insgesamt kommt der siebenköpfige Vorstand der Deutschen Bank im vergangenen Jahr auf ein Gehalt von 40,15 Millionen Euro. Davon werden in den nächsten Jahren erfolgsabhängig 30,2 Millionen Euro ausbezahlt. Im Geschäftsjahr 2010 verdiente das Führungsgremium noch 43,4 Millionen Euro, allerdings umfasste der Vorstand damals mit Michael Cohrs noch acht Mitglieder.

          Gleichwohl ist Jain mit seiner Gehaltseinbuße eine durchaus seltene Ausnahme unter deutschen Vorständen. Denn im Durchschnitt können sich diese derzeit über Gehaltszuwächse im zweistelligen Prozentbereich freuen: Um 14 Prozent wuchsen ihre Bezüge im vergangenen Jahr (F.A.Z. vom 14. März). Fixgehalt und Boni beliefen sich auf durchschnittlich 5,5 Millionen Euro. Und rechnet man noch Extras wie Beiträge zur Altersvorsorge, Nachzahlungen für frühere Jahre und Umzugskosten hinzu, summierten sich die Bezüge auf durchschnittlich 6,1 Millionen Euro. Zu diesem Ergebnis kam jüngst die Unternehmensberatung Towers Watson, nach einer Analyse der Vergütungsberichte von etwas mehr als der Hälfte der Dax-Unternehmen.

          Und ganz oben steht dort eben der VW-Vorstandsvorsitzende Winterkorn, der inklusive aller Extras 17,5 Millionen Euro verdiente und damit so viel wie kein anderer Dax-Chef zuvor. Siemens-Chef Peter Löscher kam zuletzt auf 9,8 Millionen Euro. Dieter Zetsche von Daimler erhielt 9,6 Millionen Euro. So gesehen, befinden sich Ackermann und Jain lediglich auf Augenhöhe.

          Und doch stellen Aktionärsschützer derzeit nüchtern fest: In den Jahren zwischen 2003 und 2011 hat sich die Entlohnung der Vorstände in Deutschen Dax-Konzernen verdoppelt. Davon können die einfachen Mitarbeiter nur träumen. Längst zieht die Gehaltsentwicklung der Manager daher Kritik auf sich, nicht zuletzt von Familienunternehmern, obwohl auch VW letztlich ein Unternehmen der Familien Porsche und Piech ist.

          Gehaltsfachleute vermuten aber auch, dass angesichts der exorbitanten Gewinnentwicklung von VW die Gehaltsentwicklung von Winterkorn anhand solcher Zahlen nie simuliert worden ist - und daher alle Beteiligten überrascht haben könnte.

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