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Bahn : Sparpreis-Tickets bald bis kurz vor Abfahrt buchbar

Bei 90 Prozent der Tickets bleibt alles beim Alten. Bild: dpa

Die Bahn verzichtet zum Fahrplanwechsel auf Preiserhöhungen. Ein paar Dinge ändern sich für Bahnreisende dennoch.

          Mit einer Reihe neuer Maßnahmen will die Deutsche Bahn kundenfreundlicher werden und mehr Fahrgäste in ihre Züge locken. Dazu gehört unter anderem, dass der Konzern das zweite Jahr in Folge die Ticketpreise für die 2. Klasse konstant hält – das hatte Konzernchef Rüdiger Grube schon zum Wochenbeginn angekündigt. In diesem Jahr bleiben zudem die Preise für die 1. Klasse unverändert. Personenverkehrsvorstand Berthold Huber begründete den Schritt am Dienstag mit verschärfter Konkurrenz. „Wir greifen an: Mit dem weitgehenden Verzicht auf Preiserhöhungen reagieren wir auf veränderte Wettbewerbsbedingungen“, sagte er in Berlin. Damit folge man konsequent der neuen Fernverkehrsstrategie.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember bleiben nicht nur die normalen Ticketpreise gleich. Auch die Preise für die Bahncards und der Sparpreis von 29 Euro an werden nicht erhöht. Lediglich auf der Neubaustrecke von Erfurt nach Halle/Leipzig, die im Dezember in Betrieb genommen werden soll, wird es regional teurer. Hier müssen Fahrgäste zwischen einem und sieben Euro mehr bezahlen – wegen der deutlich schnelleren Fahrzeiten auf der Verbindung, die zum Teil für bis zu 300 Kilometer je Stunde ausgelegt ist. So wird sich die Reisezeit für die Fahrt von Frankfurt am Main nach Leipzig um 23 Minuten auf etwa drei Stunden verkürzen. Zugleich steigt der Fahrpreis von 80 auf 85 Euro. Eine Fahrkarte von Erfurt nach Berlin kostet zukünftig 71 statt heute 64 Euro, gleichzeitig verringert sich die Reisezeit um 44 Minuten auf eine Stunde und 49 Minuten.

          Für den Sparpreis entfällt die Vorverkaufsfrist

          Neben dem weitgehenden Verzicht auf Preiserhöhungen hat die Bahn für ihre Kunden noch weitere Schmankerl im Angebot. Für den Sparpreis entfällt künftig die Vorverkaufsfrist. Damit können Fahrkarten je nach Verfügbarkeit noch am Reisetag zum Sparpreis erworben werden. Ein Umtausch oder eine Erstattung soll dann auch am geplanten Reisetag möglich sein. „Mit den neuen Konditionen wird der Sparpreis gerade für Nichtbahnfahrer deutlich attraktiver“, sagte die Vorstandsvorsitzende DB Fernverkehr, Birgit Bohle. „Wir möchten mit diesem günstigen, einfachen und komfortablen Mobilitätsangebot mehr Menschen fürs Bahnfahren gewinnen.“ Sparpreise gibt es auf Strecken, die nicht ausgelastet sind, und zu Zeiten, in denen die Züge nicht voll sind.

          Attraktiver will das Unternehmen auch seine ICE Sprinter machen. Von Dezember an entfällt die Reservierungspflicht sowie der Sprinteraufpreis von 11,50 Euro. Sprinter verkehren unter anderem auf der Strecke Frankfurt-Berlin, fahren ohne Halt durch und sind damit rund eine halbe Stunde schneller als ein normaler ICE. Offenbar haben die obligatorischen Aufschläge jedoch manchen Kunden abgeschreckt: Bahnnutzer berichten von zahlreichen freien Plätzen in den schnellen ICEs.

          Einen „Normalpreis“ wird es bald bei der Bahn nicht mehr geben: Das vergleichsweise teure Standardangebot heißt künftig „Flexpreis“. Ihn müssen alle zahlen, die – im Gegensatz zu den Sparpreisen – keine Zugbindung schätzen und lieber flexibel sein wollen. Die Konditionen im Vergleich zum bisherigen Normalpreis ändern sich nicht.

          Im Kampf gegen die Fernbus-Konkurrenz meldete Huber erste Erfolge: Die Zahl der Passagiere in IC und ICE sei in den vergangenen drei Monaten wieder gestiegen. Man habe gut 2 Prozent oder 600.000 Kunden mehr in den Zügen gehabt als im Vorjahreszeitraum. Der Verzicht auf Preiserhöhungen für 2015 sowie neue Sparangebote hätten sich ausgewirkt. Von einer Trendwende wollte Huber jedoch nicht sprechen: „Da scheue ich mich noch.“ Offen ließ die Bahn die Frage von Preiserhöhungen im Nahverkehr. Darüber werde in den nächsten Wochen entschieden, hieß es.

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