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Unternehmen verprelle Kunden : Kritik an der Bahn wegen Streichung von Nachtzügen

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Gegen die Einstellung einiger Nachtzüge wird protestiert. Bild: dpa

Am Donnerstagabend fuhr der letzte Nachtzug von Berlin nach Paris. Auch andere Städte werden von den komfortablen Liegewagen abgehängt. Dagegen regt sich Widerstand.

          Politiker der Opposition haben die Streichung mehrerer Nachtzüge der Deutschen Bahn kritisiert. Neben den Fahrpreiserhöhungen im Nahverkehr signalisiere das „schleichende Aus“ für die Nachtzüge, dass die Interessen der Bahnkunden im  Konzern hintan stehen, erklärte am Freitag Sabine Leidig, verkehrspolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion. Das Reisen über Nacht stelle die „einzige vernünftige Alternative zum Flugverkehr auf längeren Strecken durch Europa“ dar.  Auch der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im EU-Parlament, Michael Cramer (Grüne), sagte, die Bahn breite mit dem Nachtzug-Aus ihrem schärfsten Konkurrenten, der Luftfahrt, „den roten Teppich“ aus. Die Nachtzugverbindung von Berlin nach Brüssel sei stets voll gewesen. „Die Kultur ist da, aber die Bahn nimmt es nicht auf.“

          Am Donnerstagabend fuhr der letzte Nachtzug von Berlin nach Paris; Politiker wie Leidig und Vertreter des Bündnisses „Bahn für Alle“ protestierten dagegen im Hauptbahnhof. Kletterer installierten ein Transparent mit der Aufschrift „Nachtzug statt Nachtflug“.  Die Bahn stellt zum Fahrplanwechsel am Sonntag die Verbindungen von Amsterdam, Basel und Prag nach Kopenhagen sowie von Hamburg, Berlin und München nach Paris ein. Gekürzt wird die Linie von Warschau und Prag nach Amsterdam - sie endet nun schon in Köln. Das Unternehmen hatte das Aus für die Verbindungen mit der schwachen Nachfrage und einem Millionen-Defizit begründet.

          Im Gegensatz zu den Autozügen will die Bahn den Nachtzug aber grundsätzlich erhalten. Ein Sprecher hatte im Juli ein neues Konzept ab 2016 angekündigt. Die nun frei werdenden Wagen sollen demnach die Verfügbarkeit auf den übrigen Verbindungen erhöhen. Die gibt es nach wie vor etwa von München nach Mailand, Rom oder Venedig, oder von Hamburg und Amsterdam nach Zürich. Bernhard Knierim von „Bahn für Alle“ erklärte, die Deutsche Bahn verkünde ihren Fahrgästen alljährlich zum Fahrplanwechsel neue Grausamkeiten. Die Ticketpreise im Nah- und Fernverkehr seien seit 2003 um 40 Prozent gestiegen. Das sei das Doppelte der  Inflationsrate im gleichen Zeitraum. „So vertreibt die Bahn ihre Kunden.“

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