https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/deutsche-bahn-faehrt-wegen-corona-ein-viertel-weniger-16695880.html

Deutsche Bahn : Ein Viertel weniger Verkehr auf der Schiene

Sonst ist es brechend voll mit Pendlern. Aktuell ist kaum etwas los am Frankfurter Hauptbahnhof. Bild: dpa

Schon vor den Ausgangsbeschränkungen haben deutlich weniger Reisende die Züge der Deutschen Bahn benutzt. Nach der Kritik der Gewerkschaft GDL gibt der Konzern weitere Zahlen über die Auswirkungen des Coronavirus auf die Auslastung der Züge bekannt.

          2 Min.

          Die Deutsche Bahn hat den Schienenverkehr im Zuge der Coronakrise deutlich eingeschränkt. Im Nah- und Fernverkehr liege das Angebot im bundesweiten Durchschnitt bei rund 75 bis 80 Prozent des sonst üblichen. Das teilte der Konzern am Mittwoch mit. Er reagierte damit auf Kritik des Chefs der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky.

          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Weselsky hatte verlangt, die Kapazitäten auf 50 Prozent herunterzufahren; derzeit lägen sie bei 90 Prozent. Die Bahn habe zu lange an einem 100-Prozent-Angebot festgehalten. Das könne auch für die Werkstätten zu einer Herausforderung werden. Der GDL-Chef forderte, die Bahn müsse jetzt Personalreserven bilden, um in den nächsten Wochen ein verlässliches Grundangebot aufrechterhalten zu können.  

          Die Bahn betonte demgegenüber, man sichere überall in Deutschland die Mobilität mit einem stabilen Angebot.  Auch in schweren Zeiten könnten somit Krankenpfleger, Ärzte, Polizisten und andere Helfer zur Arbeit kommen. Die DB transportierte also keine „heiße Luft", wie Weselsky beklagt habe, sondern komme ihrem Auftrag zur Sicherung der kritischen Infrastruktur nach. Dass es in den Zügen derzeit viel Platz gebe, gewährleiste auch die Gesundheit der Reisenden, die somit genügend Abstand zu anderen Fahrgästen halten könnten. 

          Sicherung von Arbeitsplätzen

          Mit  der GDL und der Eisenbahngewerkschaft EVG hatte die DB vor kurzem eine Vereinbarung „Gemeinsam gegen Corona“ abgeschlossen. Es geht um Unterstützung für Eltern im Zusammenhang mit Kita- und Schulschließungen und ein Bekenntnis zu sicheren Arbeitsplätzen. Darin wird auch das gemeinsame Ziel betont, die Gesundheit der Mitarbeiter bestmöglich zu schützen und gleichzeitig den Bahnbetrieb so lange und so gut wie möglich aufrecht zu erhalten. „Es ist ein wichtiges Signal, dass wir in der Krise zusammenhalten und im Schulterschuss für die DB-Beschäftigten vorangehen“, sagte Personalvorstand Martin Seiler. 

          Jetzt scheint die Einigkeit schon wieder verflogen zu sein. GDL-Chef Weselsky ignoriere die Tatsachen, kritisierte die Bahn in einer Mitteilung. Entgegen seiner Behauptungen habe der Konzern  Schritt für Schritt sein Angebot zurückgefahren, um auch schonend mit dem Personal umzugehen. Dieses habe gerade in den vergangenen Wochen eine hervorragende Arbeit geleistet. Das gelte nicht minder für die Belegschaft des Güterverkehrs, der in der Krise mehr denn je die Versorgung hierzulande sicherstelle.  

          Am Donnerstag legt die Bahn ihre Zahlen für das vergangene Jahr vor. Statt einer Bilanzpressekonferenz oder einer Videokonferenz wird nur schriftliches Material verteilt. Im Vorfeld kam am Mittwochvormittag der Aufsichtsrat des bundeseigenen Konzerns zusammen.  Ein wichtiges Thema dürften die Auswirkungen der Coronakrise sein. Auf der Tagesordnung des Kontrollgremiums steht jedoch vor allem der Jahresabschluss 2019, der voraussichtlich einen Gewinnrückgang im laufenden Geschäft enthält. Nach Informationen des Onlineportals „Business Insider“ wollen die Aufsichtsräte daneben einen vorläufigen Schlusspunkt unter die Berateraffäre setzen.

          Dem für den Personenverkehr zuständigen Vorstandsmitglied  Berthold Huber sollen angeblich die Bonuszahlungen um die Hälfte gekürzt werden. Huber hatte, wie die F.A.Z. im vergangenen Herbst berichtete, wohl einen Vertrag für seinen Vorgänger Ulrich Homburg unterschrieben, eine Art Headhunter-Vertrag. Damit dürfte er eine Pflichtverletzung begangen haben, weil solche Beraterverträge vom jeweils zuständigen Aufsichtsrat gebilligt werden müssen. Dies jedoch unterblieb. 

          Weitere Themen

          „Da stimmt etwas nicht“

          Neubauer zur Deutschen Bank : „Da stimmt etwas nicht“

          Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer wirft der Deutschen Bank im Interview Greenwashing vor. Sie fordert von dem Geldhaus, keine fossilen Energieprojekte mehr zu finanzieren.

          Topmeldungen

          Ein Händler an der New Yorker Börse

          Angst an der Börse : „Jetzt platzt die Blase“

          An der Börse fallen die Kurse rasant. Manche Investoren sehen darin aber eine Chance – sie nutzen die aktuelle Situation, um zuzukaufen. Geht ihre Wette auf?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Kapitalanalge
          Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
          Sprachkurse
          Lernen Sie Englisch
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis