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Schweinepest rückt näher : Schreckensnachricht für deutsche Landwirte

Proben für den Ernstfall: Polnische Veterinärbehörden trainieren bei einer Notfallübung für das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest. Bild: dpa

Wildschweine haben sich nur 80 Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt mit Afrikanischer Schweinepest infiziert. Ein Ausbruch in Deutschland hätte massive wirtschaftliche Folgen.

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          Die Afrikanische Schweinepest nähert sich Deutschland. Insgesamt 20 verendete Wildschweine, die am Wochenende in Westpolen gefunden worden waren, trugen den Erreger in sich. Damit ist die gefährliche Tierseuche bis auf 80 Kilometer an die deutsch-polnische Grenze herangerückt. Bisher war sie lediglich im Osten Polens aufgetreten. Am Mittwoch suchten Einsatzkräfte nach weiteren toten Tieren in der Region.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Svea Junge

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          „Wir nehmen die aktuelle Situation sehr ernst“, sagte Hermann Onko Aeikens, Staatssekretär im Bundesagrarministerium. „Das Risiko, dass die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland eingeschleppt wird, war und ist nach wie vor hoch.“

          Die Tierseuche breitet sich seit 2007 von Georgien in Richtung Westen aus. Schon im Sommer vergangenen Jahres waren die deutschen Behörden alarmiert, damals gab es einen Fall in Belgien, dort sogar nur 60 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.

          Reiseproviant als tickende Zeitbombe

          Das Virus ist für Menschen ungefährlich, bei Schweine dagegen endet die Infektion immer tödlich. Dies bereitet vor allem Landwirten Sorgen. Ab dem ersten Nachweis bei einem Wild- oder Hausschwein in Deutschland sei der Export in Länder außerhalb der EU nicht mehr möglich, heißt es von Seiten des Bauernverbands. Für die Landwirte bräche damit eine wichtige Einnahmequelle weg.

          Wichtigster Überträger der Afrikanischen Schweinepest ist der Mensch. Das Virus kann nicht nur durch den direkten Kontakt mit infizierten Tieren, sondern auch über befallene Fleischprodukte sowie Kleidung und Autos verbreitet werden.

          Als besonders riskant gilt achtlos am Straßenrand weggeworfener Reiseproviant, der – für den Menschen nicht ersichtlich – mit dem Virus infiziert ist und den umher streunende Wildschweine fressen könnten. Fachleute appellieren deshalb schon seit längerem an Reisende, Lebensmittelreste nur an Autobahnraststätten in speziell gesicherten Abfallcontainern zu entsorgen, die Wildschweine nicht öffnen können.

          „Darüber hinaus sollten tot aufgefundene Wildschweine umgehend den zuständigen Behörden gemeldet werden“, riet eine Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit.

          „Wir wissen nicht, wo das Virus in Deutschland zuschlagen wird“, sagte Torsten Reinwald, der Schweinepest-Beobachter des Deutschen Jagdverbands. „Es ist aber keine Frage des Ob, sondern nur noch eine des Wann.“ Das Bundeslandwirtschaftsministerium betont, Deutschland sei für den Fall der Fälle gut vorbereitet. Die betroffenen Gebiete würden dann sofort abgeriegelt. Entsprechende Übungen gab es schon.

          Die sonst üblichen Schonzeiten für die Jagd auf Wildschweine wurden bereits 2018 aufgehoben, um die Tierseuche einzudämmen. Es gibt weder Medikamente noch einen Impfstoff gegen die Afrikanische Schweinepest.

          Bestand in China halbiert

          Was für deutsche Schweinehalter bisher nur ein Schreckensszenario darstellt, ist für Landwirte in China schon bittere Realität. Erstmals aufgetreten war die Krankheit dort im August 2018 im Nordosten des Landes. Von dort breitete sie sich innerhalb kurzer Zeit großflächig aus.

          Seitdem ist der Bestand an Schweinen in China etwa um die Hälfte gesunken. Viele Tiere wurden vorsorglich gekeult, um eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Schweinefleisch ist im Reich der Mitte besonders beliebt – kein anderes Land produziert und importiert mehr davon.

          Durch die Verknappung des Angebots in Asien versucht China, seine Nachfrage andernorts zu decken. So kommt es, dass die Schweinefleischexporte aus der EU nach China zwischen Januar und August 2019 um 48 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen sind.

          Deutsche Erzeuger profitieren von steigender Nachfrage

          Das lässt auch die Preise klettern: In der EU lag der Marktpreis für Schweinefleisch im Oktober diesen Jahres mehr als 30 Prozent über dem Vorjahrespreis.

          Von der starken Nachfrage aus China profitieren auch die deutschen Erzeuger. Schweinefleisch hat hierzulande mit mehr als 60 Prozent den größten Anteil an der Fleischproduktion. Rund ein Viertel der Schweinefleischerzeugnisse wird ins Ausland exportiert. Außerhalb der EU ist China der wichtigste Abnehmer.

          Insbesondere hier schwer verkäufliche Innereien sowie Pfoten, Ohren und Schwänze sind dort als Delikatessen gefragt. Von der Branche mit einem jährlichen Umsatz von etwa 30 Milliarden Euro hängen Hunderttausende Arbeitsplätze ab.

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