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Indiens Wirtschaft : Im Schatten Chinas

Dynamisches Chaos in Indiens Wirtschafts- und Finanzmetropole Bombay (Mumbai). Bild: Martin Roemers/laif

Die Handelsbeziehungen zu Indien sind ein schwieriges Kapitel in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Erst die marktwirtschaftliche Öffnung des Landes sorgte für Schwung. Ein Gastbeitrag.

  • -Aktualisiert am
          11 Min.

          Heute zählt Deutschland zu den wichtigsten Wirtschaftspartnern Indiens. In der Europäischen Union ist Deutschland sogar wichtigster Handelspartner Indiens, global steht es immerhin an sechster Stelle. Es gibt mehr als 1600 deutsch-indische Wirtschaftskooperationen und mehr als 600 Joint Ventures, auch in umgekehrter Richtung wächst das Geschäftsvolumen stetig. Indische Unternehmen investieren vor allem in der deutschen Automobil- und Pharmaindustrie, in der Informations- und Biotechnologie. Diese Entwicklung ist allerdings relativ jung. Erst die ökonomische Öffnung Anfang der 1990er Jahre hat das Land zu einer der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften gemacht, das auch deutschen Unternehmen attraktive Möglichkeiten bietet.

          Doch stand und steht Indien ein wenig im Schatten Chinas, das für die deutsche Wirtschaft seit den marktwirtschaftlichen Reformen in China ab 1979 als einer der wichtigsten Zukunftsmärkte betrachtet wird. China hat seitdem durch ein staatlich gefördertes Innovationssystem, hohe Technologie-, Infrastruktur- und Bildungsinvestitionen einen erfolgreichen Aufholprozess betrieben, der auch einen engen und stark wachsenden Handelsaustausch mit Deutschland sowie die Förderung von Direktinvestitionen in beide Richtungen umfasste. Das deutsch-chinesische Handelsvolumen liegt mit rund 200 Milliarden Euro etwa zehnmal so hoch wie das deutsch-indische. Die deutschen Direktinvestitionen in China haben inzwischen einen Umfang von 93 Milliarden Euro erreicht gegenüber etwa 15 Milliarden Euro in Indien. Selbst 1995, wenige Jahre nach großen wirtschaftlichen Reformen in Indien, betrugen die deutschen Direktinvestitionen in China – ohne das für Investitionen in China bedeutsame Hongkong – mit über einer Milliarde Dollar im Vergleich zu Indien fast das Doppelte.

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