https://www.faz.net/-gqe-9a299

Ende der Tarifverhandlungen : Deutlich mehr Geld für Bauarbeiter

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Nach einer langen Nacht der Verhandlungen gibt es eine Einigung im Bau-Tarifstreit: Die Löhne von Bauarbeitern sollen kräftig steigen. Noch fehlt aber die Zustimmung der Tarifparteien.

          Die Tarifverhandlungen für rund 800.000 Bauarbeiter sind mit einem Schiedsspruch des Schlichters Wolfgang Clement beendet worden. Das teilten die Arbeitgeber und die Gewerkschaft IG BAU am Samstagmorgen nach einer rund 19-stündigen Schlichtungsrunde in Berlin mit.

          Nach dem Schlichterspruch ist der Tarifkonflikt in der Bauwirtschaft noch nicht endgültig gelöst. Die Vertreter von Arbeitgebern und der Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt stimmten dem Kompromissvorschlag des Schlichters Wolfgang Clement am Samstag zwar zu. Allerdings müssen die zuständigen Gremien dem ausgehandelten Tarifvertrag noch zustimmen. Dafür gilt eine Erklärungsfrist von 14 Tagen.

          Laut Schlichterspruch sollen die Beschäftigten im Westen zum 1. Mai 2018 rückwirkend eine Lohnerhöhung um 5,7 Prozent erhalten bei einer Vertragslaufzeit von 26 Monaten. Die Ost-Löhne sollen um 6,6 Prozent zum 1. Mai 2018 und um 0,8 Prozent zum 1. Juni 2019 steigen, sagte Clement in Berlin. Hinzu kommen mehrere Einmalzahlungen.

          „Absolute Obergrenze“

          „Die Tarifparteien haben jetzt 14 Tage Zeit, um dem Schlichterspruch zuzustimmen“, sagte Clement. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass sie das auch tun werden.“ Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister hatte bereits zum fünften Mal eine Schlichtung für die Branche geleitet.

          Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Uwe Nostitz, sagte: „Wir haben die Kuh vom Eis geholt.“ Es seien harte und zähe Verhandlungen gewesen, die „immer mal am Rande des Scheiterns waren", so Nostitz. Mit der Lohnsteigerung sei für die Unternehmen die „absolute Obergrenze“ der Leistungsfähigkeit erreicht. Zugleich aber biete die lange Laufzeit ihnen Planungssicherheit.

          Der IG-BAU-Vorsitzende Robert Feiger zeigte sich mit dem Schlichterspruch „zufrieden“. „Das ist bundesweit der höchste Abschluss in diesem Jahr“, betonte er. Deutschland verzeichne ein starkes Wirtschaftswachstum, und die Baubranche nehme dabei einen Spitzenplatz ein. „Entsprechend hoch waren die Erwartungen der Baubeschäftigten an diese Lohnrunde“, sagte Feiger.

          Die Gewerkschaft hatte sechs Prozent mehr Lohn gefordert für zwölf Monate Laufzeit. Die Arbeitgeber hatten ein Plus von 4,2 Prozent angeboten, bei einer Laufzeit von 22 Monaten und einer Einmalzahlung von 400 Euro.

          Die Baubranche boomt seit Jahren, da wegen der niedrigen Zinsen viele private Häuslebauer ihren Traum der eigenen vier Wände verwirklichen. Zudem stecken immer mehr Investoren mangels attraktiver Anlagemöglichkeiten Geld in den Immobilienmarkt. HDB und ZDB peilen für 2018 den höchsten Umsatz seit 23 Jahren an. Die Einnahmen dürften um rund vier Prozent auf gut 117 Milliarden Euro steigen.

          Weitere Themen

          Die Mieten steigen weiter

          FAZ Plus Artikel: Immobilienmarkt : Die Mieten steigen weiter

          Es geht noch teurer: Auch 2018 haben die Immobilienpreise und Mieten stark zugelegt. Besonders Großstädte sind im Visier der Investoren. Drei Metropolen nehmen dabei eine Sonderrolle ein.

          5G ohne Huawei? Video-Seite öffnen

          Vorwurf der Spionage : 5G ohne Huawei?

          Ideenklau und Technologiediebstahl sind nur zwei der Vorwürfe, die die amerikanische Justiz dem chinesischen Elektrounternehmen vorwirft. Australien und Neuseeland haben den Ausrüster bereits sanktioniert.

          Topmeldungen

          Rechte AfD-Abspaltung : Hauptsache: Dagegen!

          Beim ersten Auftritt vor seinen Anhängern nach der Neugründung rechnet André Poggenburg mit der AfD ab und verspricht, mit seiner neuen Partei AdP das Land zu retten.

          TV-Kritik: Maischberger : Verdruss als System

          Sanktionen für Hartz-IV-Empfänger sollen abschrecken. Und zwar auch alle, die noch nicht betroffen sind. Bei Sandra Maischberger wurden Zuschauer mit sozialem Schrecken geimpft – für ein System von gestern.
          Unser Sprinter-Autor: Martin Benninghoff

          FAZ.NET-Sprinter : Knapp davongekommen

          Theresa May und Alexis Tsipras überstehen die Misstrauensvota in ihren Parlamenten. Dennoch muss man sich derzeit – wer hätte das gedacht – mehr Sorgen um Großbritannien als um Griechenland machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.