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Desertec : Strom für Europa aus der Wüste Marokkos

Vorbild für Desertec: Das spanische Solarkraftwerk „Gemasolar“ Bild: REUTERS

Desertec ist eine Initiative zur Gewinnung von Solarstrom in Nordafrikas Wüsten. Mit einem ersten Referenzprojekt in Marokko nimmt der Plan konkrete Gestalt an. Die Beteiligten verbreiten Zuversicht.

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          Mit einem ersten Referenzprojekt in Marokko nimmt die Desertec-Initiative zur Gewinnung von Strom in den Wüsten Nordafrikas für Europa konkrete Gestalt an. Mögliche Standorte für das Sonnenkraftwerk mit zunächst 150 Megawatt seien identifiziert, die Unterstützung der Politik und von privaten Investoren sei gesichert, sagte auf der zweiten Konferenz der „Desertec Industrieinitiative“ (Dii) in Kairo deren Vorstandsvorsitzender Paul von Son. Das Kraftwerk wird Strom für Europa produzieren, was die Finanzierung erleichtert. 2015 könnte es erstmals Strom exportieren. Gespräche mit EU-Staaten zur Finanzierung laufen. Das erste Referenzprojekt soll in seiner Endstufe eine Kapazität von 500 Megawatt haben und 1,9 Milliarden Euro kosten.

          Erste Privatinvestoren finanzieren Kraftwerke

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Weitere Pilotprojekte sind in Tunesien und Algerien geplant. Sie sollen ebenfalls den Export von Wüstenstrom nach Europa testen. Die drei Maghreb-Staaten verfügen über Übertragungsleitungen nach Europa. In Marokko seien die für Investoren nötigen Rahmenbedingungen gegeben, sagt von Son. So haben sich private Investoren schon an Kraftwerksprojekten beteiligt. Auch wenn Marokko keine Einspeisevergütung kennt, wird die marokkanische Regierung andere Arten von Hilfen gewähren. Von Son rechnet damit, dass die erste Phase mit Referenzprojekten, die die technische Machbarkeit und Finanzierbarkeit von Desertec demonstrieren sollen, bis 2020 dauert.

          Ziel von Desertec ist, in den Wüstenländern Nordafrikas und des Nahen Ostens erneuerbare Energien als Wirtschaftszweig aufzubauen. Ihre Bevölkerung wird sich bis 2050 auf 700 Millionen Einwohner verdoppeln. Damit kann ihr Strombedarf nicht mehr wie bisher allein aus fossilen Energieträgern gewonnen werden. Zudem setzen sich die Initiatoren zum Ziel, 15 Prozent des europäischen Strombedarfs bis zum Jahr 2050 mit Wüstenstrom zu decken; in den Wüstenländern sollen es bis zu 100 Prozent sein. Bei dem Transport von Gleichstrom beträgt der Leitungsverlust auf 1000 Kilometern 3 Prozent. Das Investitionsvolumen für die Vielzahl von Projekten und Stromleitungen wird auf 400 Milliarden Euro geschätzt. Dii setzt sich nicht nur für die Initiierung von Referenzprojekten ein, sondern auch für die Schaffung eines positiven Investitionsklimas und eines langfristigen Konzepts. Dii war 2009 von 12 Unternehmen und der Desertec Foundation gegründet worden. Sie hat heute mehr als 50 Mitglieder und ihren Sitz in München.

          Von 2035 an sollen sich die Projekte selbst tragen

          Von 2020 bis 2035 setzt von Son die zweite Phase an: Dann sollen Projekte in nahezu allen Staaten des Nahen Ostens und Nordafrikas beschleunigt aufgebaut werden. Dann müssen auch die Übertragungsleitungen ausgebaut und die Marktregulierung formuliert werden. Zum Ende dieser Phase sollen die Anreize und Subventionen auslaufen. Von 2035 an sollen die Projekte selbsttragend sein. Von Son prognostiziert, dass das Preisniveau für Energie in Europa dann deutlich über dem Preis für Wüstenstrom liegen wird.

          Jochen Homann, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, nannte als Voraussetzungen für einen Erfolg von Desertec die Liberalisierung der noch von Subventionen gekennzeichneten Energiemärkte in Nordafrika, Sicherheiten für die Investoren und verlässliche Rahmenbedingungen. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit werde in Nordafrika Arbeitsplätze schaffen und zum Ausbau der Infrastruktur beitragen. In Nordafrika ist jeder vierte junge Mensch ohne Arbeit.

          Kurzfristige Verzögerungen durch Umwälzungen

          Die Umwälzungen in der arabischen Welt würden kurzfristig zwar zu Verzögerungen führen, weil Entscheidungen aufgeschoben würden, beobachtet Caio Koch-Weser, Vice Chairman der Deutsche Bank Group. Langfristig aber entstünden eine neue Dynamik und zusätzliches Potential. Denn die Regierungen könnten mit einer Legitimation handeln, außerdem nähmen Transparenz und institutionelle Effizienz zu. Da die Länder Nordafrikas Partner würden und die Projekte beiden Seiten nutzten, falle eine politische Dividende der Nachbarschaftspolitik an. Wie vor 60 Jahren die Montanunion Europa geeinigt habe, böten nun die erneuerbare Energie mit Desertec eine Chancen für eine Energiepartnerschaft Europas mit dem Nahen Osten und Nordafrika, sagte von Son.

          Neben der Gewinnung von Strom sieht Koch-Weser im Rahmen von Desertec Chancen für die Gewinnung von Trinkwasser durch die Entsalzung von Meerwasser. Die Region könne so auch einen Beitrag zur Linderung der zunehmenden Wasserknappheit leisten. Sie habe die Chance, eine „Supermacht für saubere Energie“ zu werden. Für Koch-Weser gehören die erneuerbaren Energien zu den neuen Wachstumsmotoren, die gebraucht werden, wenn in den kommenden Jahrzehnten 3 Milliarden Menschen aus der Armut in die Mittelklasse aufsteigen und zudem die Kohlendioxidemissionen rasch zunehmen. Um die 3 Milliarden neuen Verbraucher mit Wasser, Energie und Nahrungsmitteln zu versorgen, würden neue Muster des Wachstums benötigt.

          Marokko hat die ehrgeizigsten Pläne

          Hansjörg Lerchenmüller ist einer der deutschen Unternehmer, die ihre Technik in Nordafrika einsetzen wollen. Die Mehrfachsolarzellen, die sein deutsch-französisches Unternehmen Soitec entwickelt hat, eigneten sich sehr gut für die Wüste, da sie kein Wasser benötigten und einen hohen Wirkungsgrad hätten, sagte er in Kairo. In ihr sind mehrere Zellen, die jeweils das Licht von Kurzwellen bis zu Infrarot verwerten, übereinander gelegt, so dass ihr Wirkungsgrad bereits 30 Prozent erreicht und damit doppelt so hoch ist wie bei herkömmlichen Solarzellen. Durch die Hinzufügung von Halbleitern hofft er den Wirkungsgrad auf 50 Prozent zu erhöhen. Ab einer Größe von 260 Megawatt seien Kraftwerke mit Mehrfachsolarzellen mit ölbefeuerten Kraftwerken wettbewerbsfähig. In den Vereinigten Staaten hat Soitec Projekte von 300 Megawatt gesichert, in Marokko wird es zunächst ein Kraftwerk mit 10 Megawatt bauen.

          Am ehrgeizigsten plant in Nordafrika Marokko für eine Zukunft mit sauberer Energie. Das Land will 2000 Megawatt bis zum Jahr 2020 bauen und hat dazu die die Solarenergiebehörde Masen gegründet, die das Referenzprojekt von Dii vorantreibt.

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