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Desertec : Strom für Europa aus der Wüste Marokkos

Jochen Homann, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, nannte als Voraussetzungen für einen Erfolg von Desertec die Liberalisierung der noch von Subventionen gekennzeichneten Energiemärkte in Nordafrika, Sicherheiten für die Investoren und verlässliche Rahmenbedingungen. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit werde in Nordafrika Arbeitsplätze schaffen und zum Ausbau der Infrastruktur beitragen. In Nordafrika ist jeder vierte junge Mensch ohne Arbeit.

Kurzfristige Verzögerungen durch Umwälzungen

Die Umwälzungen in der arabischen Welt würden kurzfristig zwar zu Verzögerungen führen, weil Entscheidungen aufgeschoben würden, beobachtet Caio Koch-Weser, Vice Chairman der Deutsche Bank Group. Langfristig aber entstünden eine neue Dynamik und zusätzliches Potential. Denn die Regierungen könnten mit einer Legitimation handeln, außerdem nähmen Transparenz und institutionelle Effizienz zu. Da die Länder Nordafrikas Partner würden und die Projekte beiden Seiten nutzten, falle eine politische Dividende der Nachbarschaftspolitik an. Wie vor 60 Jahren die Montanunion Europa geeinigt habe, böten nun die erneuerbare Energie mit Desertec eine Chancen für eine Energiepartnerschaft Europas mit dem Nahen Osten und Nordafrika, sagte von Son.

Neben der Gewinnung von Strom sieht Koch-Weser im Rahmen von Desertec Chancen für die Gewinnung von Trinkwasser durch die Entsalzung von Meerwasser. Die Region könne so auch einen Beitrag zur Linderung der zunehmenden Wasserknappheit leisten. Sie habe die Chance, eine „Supermacht für saubere Energie“ zu werden. Für Koch-Weser gehören die erneuerbaren Energien zu den neuen Wachstumsmotoren, die gebraucht werden, wenn in den kommenden Jahrzehnten 3 Milliarden Menschen aus der Armut in die Mittelklasse aufsteigen und zudem die Kohlendioxidemissionen rasch zunehmen. Um die 3 Milliarden neuen Verbraucher mit Wasser, Energie und Nahrungsmitteln zu versorgen, würden neue Muster des Wachstums benötigt.

Marokko hat die ehrgeizigsten Pläne

Hansjörg Lerchenmüller ist einer der deutschen Unternehmer, die ihre Technik in Nordafrika einsetzen wollen. Die Mehrfachsolarzellen, die sein deutsch-französisches Unternehmen Soitec entwickelt hat, eigneten sich sehr gut für die Wüste, da sie kein Wasser benötigten und einen hohen Wirkungsgrad hätten, sagte er in Kairo. In ihr sind mehrere Zellen, die jeweils das Licht von Kurzwellen bis zu Infrarot verwerten, übereinander gelegt, so dass ihr Wirkungsgrad bereits 30 Prozent erreicht und damit doppelt so hoch ist wie bei herkömmlichen Solarzellen. Durch die Hinzufügung von Halbleitern hofft er den Wirkungsgrad auf 50 Prozent zu erhöhen. Ab einer Größe von 260 Megawatt seien Kraftwerke mit Mehrfachsolarzellen mit ölbefeuerten Kraftwerken wettbewerbsfähig. In den Vereinigten Staaten hat Soitec Projekte von 300 Megawatt gesichert, in Marokko wird es zunächst ein Kraftwerk mit 10 Megawatt bauen.

Am ehrgeizigsten plant in Nordafrika Marokko für eine Zukunft mit sauberer Energie. Das Land will 2000 Megawatt bis zum Jahr 2020 bauen und hat dazu die die Solarenergiebehörde Masen gegründet, die das Referenzprojekt von Dii vorantreibt.

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