https://www.faz.net/-gqe-9ddhn

Weniger Baugenehmigungen : Der Wohnungsbau stockt

  • Aktualisiert am

Bauarbeiter in einer Baugrube für Mehrfamilienhäuser auf dem Frankfurter Riedberg, einer der größten Stadtentwicklungsprojekte in Frankfurt. Bild: Helmut Fricke

Trotz Mangel werden in Deutschland weniger Wohnungen gebaut. Bauland ist knapp, Planung und Genehmigung kompliziert. Muss die Politik eingreifen?

          Die Zahl der Baugenehmigungen für neue Wohnungen ist in Deutschland im ersten Halbjahr gesunken. Grund war die geringere Nachfrage nach Ein- und Zweifamilienhäusern sowie nach Wohnheimen. Von Januar bis Juni lagen die Genehmigungszahlen mit 168.500 um 0,6 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Vor allem der Neubau von Wohnungen in Wohnheimen, zu denen
          auch Unterkünfte für Flüchtlinge zählen, ging stark zurück (minus 35,9 Prozent). 2017 waren die erteilten Genehmigungen um mehr als 7 Prozent gefallen, nachdem sie von 2008 bis 2016 noch kontinuierlich gestiegen waren.

          Wohnungsbau-Unternehmen sahen die Zahlen als Beleg dafür, dass die Politik den Wohnungsbau weiter ankurbeln müsse. Die Baunachfrage sei so gering, weil es in Ballungsgebieten kaum noch Bauland zu kaufen gebe und die kommunalen Planungs- und Genehmigungsbehörden überlastet seien.

          Effizientere Genehmigungen gefordert

          „Der Rückgang bei den Baugenehmigungszahlen ist ein Warnschuss für die Politik“, sagte der Präsident des Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, Andreas Ibel. „Durch fortdauerndes Abwarten erreichen wir hier keine Trendwende. Wenn es der Politik wirklich ernst ist mit dem Vorhaben, den Neubau anzukurbeln, müssen Worten endlich Taten folgen.“

          Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) forderte die Verschlankung von Genehmigungsverfahren: „Ein Beschleunigungsgesetz für den Baubereich kann hier Abhilfe schaffen, denn langwierige Genehmigungsprozesse, teure Auflagen und hohe Steuern sorgen nicht für Entlastung, sondern erschweren die Situation“, sagte ZIA-Präsident Andreas Mattner.

          Gegen den Trend zog die Nachfrage nach Mehrfamilienhäusern an. Hier gab es in den ersten sechs Monaten ein Plus von 4,9 Prozent. Dagegen sank die Zahl der Genehmigungen für Einfamilienhäuser um 1,6 Prozent, für Zweifamilienhäuser um 2,9 Prozent.

          Bauen in Deutschland wird immer teurer. Dabei sind es nicht nur die Grundstückspreise, die den Geldbeutel belasten. Wie die Infografik von Statista zeigt, haben sowohl der Bauspreisindex (Statistisches Bundesamt) als auch der Bauwerkskostenindex (ARGE) für Wohngebäude den Index für Lebenshaltungskosten überholt. Der Baupreisindex der ARGE berücksichtigt dabei auch Qualitäts- und Anforderungsveränderungen und gibt somit die tatsächlichen Bauwerkskosten in der Praxis wieder. So gibt es zunehmend gesetzliche Förderrichtlinien, welche die Kosten nach oben treiben – etwa neue Anforderungen zu erhöhtem Schallschutz oder Barriere-Reduktion. Der Index wurde für das Jahr 2000 auf den Wert 100 festgelegt.

          Weitere Themen

          Ausstand bei Amazon Video-Seite öffnen

          Tarifkonflikt seit 2013 : Ausstand bei Amazon

          Der Tarifkonflikt bei Amazon dauert in Deutschland bereits seit 2013 an. 300 Mitarbeiter sind am Dienstag wieder in Werne auf die Straße gegangen. Die Kunden müssten sich keine Sorgen um ihre Geschenke machen, erklärte das Unternehmen.

          Toblerone ist jetzt halal

          Schokolade für Muslime : Toblerone ist jetzt halal

          Schokolade enthält weder Alkohol noch Schweinefleisch. Eine Halal-Zertifizierung sollte deshalb unkompliziert sein. Das Unternehmen hofft auf muslimische Kunden. Doch jetzt erhitzt der Vorgang die Gemüter.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.