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Bilanzskandal : Der Wirecard-Weckruf

Auf Kaution frei: der frühere Wirecard-Chef Markus Braun Bild: dpa

Der Fall Wirecard muss Konsequenzen haben: für die Zusammensetzung von Aufsichtsräten und die Arbeitsweise von Prüfungsgesellschaften.

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          Alle Wege führen zum Erfolg. So wird noch immer auf der Internetseite von Wirecard für die eigenen Produkte geworben. Am Dienstag führte der Weg des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Wirecard, Markus Braun, zur Ermittlungsrichterin. Auch Erfolg ist eine Frage der Perspektive. Wirecard wird schon jetzt nur noch im Superlativ genannt: gigantischer Betrug, maximales Versagen von Aufsicht und Prüfern, tiefster Fall eines Dax-Konzerns. Finanzminister Olaf Scholz fügte einen weiteren Superlativ hinzu. Der Fall Wirecard sei in „höchstem Maße“ besorgniserregend. Anleger witterten allerdings schon wieder ein gutes Geschäft. Der seit Tagen schwer gebeutelte Aktienkurs legte im Tagesverlauf um mehr als vierzig Prozent zu. So mancher mag die Einstiegskurse schon wieder verpasst haben. Gier kennt keinen Misserfolg.

          Eine Sackgasse

          Die Ermittlungen in diesem Krimi stehen noch ganz am Anfang, und man kann wohl annehmen, dass Markus Braun nicht der Einzige sein wird, der sich für dieses Desaster am Ende vor Gericht verantworten muss. Das Verschieben der Verantwortung, wer wann was getan oder auch unterlassen hat, das hat längst begonnen. Dieser Fall wird die Finanzwelt noch lange begleiten. Und er wird Konsequenzen haben müssen. Zusammensetzung und Qualifikation von Aufsichtsräten müssen ebenso beleuchtet werden wie die Arbeitsweise von Prüfungsgesellschaften. Vielleicht haben Aufsicht, Prüfung und der bisherige Anspruch an gute Unternehmensführung mit dem technologischen Wandel einfach nicht Schritt gehalten.

          Wie die Finanzkrise 2008/09, so muss auch Wirecard heute ein Weckruf für jeden sein, der sich in diesem Finanzmarkt-Biotop bewegt. Natürlich gibt es keinen hundertprozentigen Schutz gegen Betrug. Das aber als Entschuldigung einzusetzen wäre fatal, auch für den Finanzplatz Deutschland. Der hat mit den Geschehnissen um Wirecard schon jetzt schwer gelitten. Es wäre vermessen, den Abwickler von Zahlungsdienstleistungen aus Aschheim mit dem Internetgiganten Google gleichzusetzen. Nichtsdestoweniger stand Wirecard für die Hoffnung, nach SAP, gegründet 1972, endlich mal wieder ein echtes deutsches Technologieunternehmen von Weltrang hervorbringen zu können. Vorbei. Wirecards Weg war eine Sackgasse.

          Inken Schönauer

          Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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