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Rauchen : Der Wert des E-Zigaretten-Herstellers Juul verfällt

Bild: AP

Eigentlich wollte sich der amerikanische Tabakkonzern mit dem Einstieg bei der E-Zigarettenfirma Juul gegen den Bedeutungsverlust traditioneller Zigaretten rüsten. Doch das Geschäft wird zum Milliardengrab.

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          Vor nicht einmal einem Jahr hat der für die Marke Marlboro bekannte Tabakkonzern Altria einen 35-Prozent-Anteil an Juul gekauft, dem führenden amerikanischen Hersteller von E-Zigaretten. Altria zahlte damals 12,8 Milliarden Dollar und bewertete Juul damit insgesamt mit 37 Milliarden Dollar.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Hersteller von E-Zigaretten wurde zu einem der teuersten Start-up-Unternehmen in den Vereinigten Staaten. Aber Juul ist in jüngster Zeit durch wachsenden Druck von Politikern und Regulierungsbehörden in Bedrängnis gebracht worden, und Altria sieht sich nun gezwungen, zu reagieren.

          Am Donnerstag kündigte das Unternehmen an, den Wert der Juul-Beteiligung in seinen Büchern um 4,5 Milliarden Dollar und damit um mehr als ein Drittel zu reduzieren. Unter Berücksichtigung dieser Abschreibung wird Juul jetzt nur noch mit 24 Milliarden Dollar bewertet. Juul blickt auf turbulente Monate zurück. Das Unternehmen, das einst damit erfolgreich wurde, seine nikotinhaltigen Verdampfer als Alternative zu traditionellen Zigaretten zu positionieren, ist zunehmend zum Gegenstand kontroverser Diskussionen geworden.

          Das hat vor allem damit zu tun, dass die E-Zigaretten sich bei Jugendlichen enormer Beliebtheit erfreuen. Die amerikanische Regierung schätzt, dass mehr als ein Viertel aller Schüler in Highschools, also einer Altersgruppe von 14 bis 18 Jahren, E-Zigaretten konsumieren. Zudem hat eine Serie von Lungenerkrankungen, die mit E-Zigaretten in Verbindung gebracht werden, die Amerikaner aufgeschreckt. Präsident Donald Trump kündigte unlängst an, seine Regierung wolle den Verkauf von E-Zigaretten in allen Geschmacksrichtungen außer Tabak in den Vereinigten Staaten verbieten, was die bei Jugendlichen besonders beliebten Aromen wie Minze oder Mango treffen würde.

          Juul hat vor Wochen selbst den Verkauf von E-Zigaretten mit Fruchtaromen wie Mango vorerst gestoppt. Das Unternehmen wurde auch von der Gesundheitsbehörde FDA unter Druck gesetzt, die ihm vorwarf, seine Produkte auf illegale Weise vermarktet zu haben, indem es behauptet habe, sie seien weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten.

          Im September hat Juul seine Führung ausgewechselt und K.C. Crosthwaite zum Vorstandsvorsitzenden ernannt, der vorher für Altria gearbeitet hat. Altria begründete die Abschreibung am Donnerstag unter anderem mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eines Verbots von E-Zigaretten in den Vereinigten Staaten sowie mit den Verboten, die es schon jetzt in einzelnen Städten und Bundesstaaten des Landes und in bestimmten Auslandsmärkten gebe.

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