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Der Wechsel : Körbers Abgang kam überraschend

  • -Aktualisiert am

Für Hans-Joachim Körber kam das Ende bei der Metro abrupt Bild: Edgar Schoepal

Der langjährige Vorstandsvorsitzende Körber ist seinem Nachfolger Eckhard Cordes im Machtkampf um die Führung der Metro unterlegen. An seinem Abgang überrascht jedoch nicht die Tatsache, sondern der Zeitpunkt. Deshalb droht jetzt ein hohes Bußgeld von der Bafin.

          Hans-Joachim Körber hat den Machtkampf um die Führung und die künftige Strategie von Deutschlands führendem Handelskonzern, der Düsseldorfer Metro AG, verloren. Der langjährige Vorstandsvorsitzende wird zum 31. Oktober aus dem Unternehmen ausscheiden, anderthalb Jahre vor Ablauf seines Vertrages. Sein Nachfolger wird der Aufsichtsratsvorsitzende Eckhard Cordes. Er ist Vorstandsvorsitzender des seit kurzem mit Abstand mächtigsten Metro-Großaktionärs Haniel.

          Allerdings könnte der Metro ein hohes Bußgeld drohen: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) sagte am Donnerstagabend, die Behörde werde einen möglichen Verstoß gegen die Pflicht zur unverzüglichen Veröffentlichung von Insiderinformationen untersuchen. Denn schon vor der offiziellen Ad-hoc-Meldung darüber hatten Medien über den Rückritt berichtet.

          Zeitpunkt überraschend - Börse euphorisch

          An Körbers Abgang überrascht nicht die Tatsache, sondern der Zeitpunkt. Auch bei Haniel ist man überrascht. Die Börse hat in Erwartung eines möglichen Konzernumbaus und einer schärferen Fokussierung auf den Ertrag fast euphorisch reagiert. Die Metro-Aktie gewann mehr als 8 Prozent auf rund 67,90 Euro. Es ist zu hören, dass die Initiative zum raschen Wechsel an der Vorstandsspitze von Körber ausging. Nach den jüngsten Veränderungen der Machtverhältnisse hat der 61 Jahre alte Körber, ein nüchterner Analytiker und geradliniger Kämpfer, den Aufsichtsrat darum gebeten, ihn von seinem Amt zu entbinden. In einem langen Gespräch am Mittwochabend haben sich beide auf Details über das vorzeitige Ausscheiden Körbers verständigt.

          Bei Metro, dem drittgrößten Handelskonzern der Welt nach dem amerikanischen Wal-Mart-Konzern und der französischen Carrefour-Gruppe, bahnt sich damit ein Strategiewechsel an, den Körber wohl nicht mitgetragen hätte. Ende August hatte der Duisburger Familienkonzern sein Aktienpaket für rund 3,5 Milliarden Euro auf durchgerechnet 34,24 Prozent aufgestockt und die Beteiligung mit der der Mülheimer Unternehmerfamilie Schmidt-Ruthenbeck zu einer knappen Mehrheit von 50,01 Prozent gepoolt. Schon zu diesem Zeitpunkt machte Cordes klar, dass er als Vertreter des neuen Großaktionärs künftig mehr Einfluss nehmen und eine aktivere Portfolio-Strategie bei der wertvollsten Beteiligungsgesellschaft des Haniel-Konzerns verfolgen werde. „Ohne Tabu und ohne Denkhürde sollen alle wertsteigernden Maßnahmen und strategischen Optionen geprüft, entschieden und umgesetzt werden“, sagte Cordes damals der F.A.Z.

          „Wir halten uns alle Optionen offen“

          An dieser Aussage ändere sich nichts, hieß es am Donnerstag in der Haniel-Zentrale. Es seien noch keine Entscheidungen gefallen, sagte Unternehmenssprecherin Jutta Stolle. „Wir halten uns alle Optionen offen.“ Die Metro AG bleibe aber grundsätzlich bestehen. „Wir schauen uns alles intensiv und in Ruhe an.“ Cordes werde in den nächsten Jahren die Ausrichtung der Metro auf eine werterhöhende Unternehmensstrategie vorantreiben, heißt es in der schriftlichen Mitteilung.

          Auf den Prüfstand dürften zunächst vor allem die renditeschwachen Geschäfte des Metro-Konzerns kommen. Dabei handelt es sich zum einen um die Real-SB-Märkte und die Extra-Supermärkte. Die Sparte wurde erst im vergangenen Jahr durch den Kauf des deutschen Wal-Mart-Geschäfts arrondiert. Zum anderen dürfte es dem neuen Management um eine Zukunftslösung für die freilich nur einen sehr geringen Umsatzanteil repräsentierenden Warenhäuser von Galeria Kaufhof gehen. Denn auch sie verdienen ihre Kapitalkosten nicht und kommen bei ihrer Neuausrichtung nur mühsam voran. Ob sich ein Zusammengehen mit den weit mehr schwächelnden Karstadt-Häusern anbietet, dürfte auch aus Kartellsicht fraglich sein.

          Media Markt und Saturn könnten an die Börse gehen

          Für das internationale Wachstum und steigende Gewinne sorgen seit Jahren hingegen die Cash-&-Carry-Märkte und die Elektronikmärkte von Media Markt und Saturn. Sie könnten auch künftig den Kern eines wertschaffenden internationalen Handelskonzerns bilden. In der Branche wird aber auch immer wieder auf alte Szenarien verwiesen, nach denen die Elektronikfachmärkte nach dem Vorbild der früheren Metro-Tochtergesellschaft Praktiker an die Börse gebracht werden und die Wurzeln des Konzerns, also der Abholgroßhandel von Metro Cash & Carry, zu einem der Geschäftsbereiche des breit diversifizierten Haniel-Konzerns werden könnten. Bliebe dann noch der wertvolle Immobilienbesitz, der - wie von Arcandor (zuvor Karstadt Quelle) vorgemacht - theoretisch verkauft werden könnte.

          Noch offen war gestern die Frage nach dem künftigen Aufsichtsratsvorsitzenden. Seit vielen Jahren wird er von Haniel gestellt. Eine Nominierung von Franz M. Haniel, dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Mischkonzerns, soll von der Kapitalseite im Aufsichtsrat vorerst abgebogen worden sein. Die Macht des mehr als 250 Jahre alten Traditionskonzerns würde zu sehr zementiert, zumal Cordes parallel zu seinen Aufgaben bei Metro Haniel-Chef bleibt. Eine solche Konstruktion wäre dem Kapitalmarkt schwer zu vermitteln, zumal Haniel aufgrund alter Poolverträge mit den Miteigentümern nicht zu einem Übernahmeangebot verpflichtet ist. Einige prominente Aufsichtsratsmitglieder sollen vom Ausscheiden Körbers ohnehin nicht sonderlich begeistert gewesen sein, ist zu hören.

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