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Der Vorstandsvorsitzende : Der Portfoliomanager

Wenn es den Haniels darum geht, die Metro zu filetieren, wäre Eckhard Cordes in seinem Element Bild: dpa

Wer tauscht gern die ruhmreiche Autotradition gegen ein paar Baustoffmarken und Apotheken? Doch erst bei Haniel hat der Topmanager Eckhard Cordes erreicht, was ihm bei Daimler-Chrysler verwehrt blieb: endlich die Nummer eins eines großen Konzerns zu sein.

          Auf einen konnte sich Jürgen Schrempp immer verlassen: Wenn es in der Welt-AG mal wieder nicht lief, und das war bei Daimler-Chrysler zu Schrempps Zeiten regelmäßig der Fall, hat Eckhard Cordes seinem Vorstandsvorsitzenden oft geholfen. Und der Norddeutsche löste die Probleme, die Schrempp ihm anvertraute, auf die ihm eigene Art: ruhig, sachlich, ohne Aufsehen. Bei Daimler-Chrysler hat Cordes das Handwerkszeug gelernt, was ihn für die Holding des Familienunternehmens Franz Haniel & Cie. als geeigneten ersten Mann empfahl - und ihn ebenso prädestiniert, die Metro auf neuen Kurs zu bringen.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Seit Januar 2006 führt er nun dieses unübersichtliche Haniel-Konglomerat mit Pharmahandel, Baustoffgeschäft und Rohstoffrecycling, hinter dem einer der reichsten Familienclans Deutschlands steht. Der schweigsame Holsteiner Cordes und die verschwiegenen Haniels, nur auf den ersten Blick schien das eine stabile Verbindung. Cordes setzte gleich zu Beginn seiner Amtszeit alles daran, den Eindruck eines harmonischen Miteinanders zu bekräftigen: „Wir wollen ein stilles Unternehmen bleiben“, sagte Cordes einmal in einem Interview, „so etwas schätze ich ganz besonders.“ Es klang wie eine Rechtfertigung.

          „Schrempps Mann für alle Fälle“

          Nur so recht glauben wollten das all jene nicht, die „Schrempps Mann für alle Fälle“ als smarten Automanager kennengelernt haben. Das verschwiegene Familienunternehmen mit Sitz in Duisburg konnte doch kein Ersatz sein für einen Weltkonzern und die Aussicht, als Mercedes-Chef den Stern zu polieren. Wer tauscht denn gern die ruhmreiche Autotradition gegen ein paar Baustoffmarken und Apotheken? Wer beschäftigt sich gern mit der Entwicklung des Nickelpreises, wenn er in seinem Berufsleben schon einmal in Geheimverhandlungen das transatlantische Automobilbündnis von Daimler und Chrysler mitgestaltet hat?

          Nun ist Cordes, der Vater von drei Kindern, gewiss kein „Car Guy“, niemand, dem man nachsagt, er habe „Benzin im Blut“. Eher verkörpert der schlanke Mann mit dem immer korrekt gescheitelten Haar jenen Managertyp, den man in Investmentbanken oder bei Finanzinvestoren antrifft. Cordes ist ein Portfoliomanager. Wenn es den Haniels darum geht, die Metro zu filetieren, wäre Cordes in seinem Element.

          Immer wieder musste Cordes sanieren

          Dass der heute Sechsundfünfzigjährige sich gut in der Ruhrdynastie eingelebt hat, steht mittlerweile außer Frage. Weil die Haniels als Meister des Portfoliowechsels gelten, weil sie in den vergangenen drei Jahrhunderten vom Kohlenhandel über die Schifffahrt bis zur Stahlproduktion in vielen Branchen mitgemischt und dabei oft langen Atem bewiesen haben, ist der beständige Arbeiter Cordes in Duisburg wohl gut aufgehoben.

          Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit, kurz: die Dinge zu Ende bringen, das hat Cordes auf den vielen Stationen seiner Karriere beim Daimler bewiesen, seit er 1976 als Managementtrainee bei den Schwaben einstieg. Immer wieder musste er sanieren. Selbst Mercedes-Benz machte Verluste, als Cordes 2005 die Nachfolge von Jürgen Hubbert antrat. Davor war es die verlustreiche Nutzfahrzeugsparte, die Cordes binnen kurzer Zeit vom Sorgenkind zum Star in der Daimler-Chrysler-Familie verwandelte. Mit der Ertragswende bei Mercedes-Benz hatte er sich für die Nachfolge Schrempps empfohlen. Doch als sein Mentor vorzeitig das Handtuch warf und Zetsche den Chefposten übernahm, gab auch Cordes auf. Erst bei Haniel hat der Topmanager das erreicht, was ihm bei Daimler-Chrysler verwehrt blieb: endlich die Nummer eins eines großen Konzerns zu sein.

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