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Der Vorstandschef : Pferdeschwanz aus Aberglaube

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Vielfältige Ethno-Mischung Bild: AP

Seit 2004 arbeitet Jonathan Schwartz bei Sun Microsystems. Zwei Jahre später rückte er an die Vorstandsspitze. Heute dürfte sein Blog das prominenteste eines amerikanischen Managers sein.

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          Jonathan Schwartz ist im Gespräch sehr umgänglich. Nur die Frage, was es denn mit seinem charakteristischen Pferdeschwanz auf sich habe, hört er offenbar nicht so gern. „Was hat es denn mit Ihren Haaren auf sich?“, feuert er da zurück. Trotzdem gibt der 41 Jahre alte Schwartz eine Antwort: Sein Pferdeschwanz sei nicht als Statement gedacht, vielmehr habe Aberglaube ihn veranlasst, die Haare wachsen zu lassen. Als er im Jahr 1989 ein eigenes Unternehmen gründete, habe er sich geschworen, die Haare nicht abzuschneiden, bis die Gewinnzone erreicht sei. „Und als wir das geschafft hatten, habe ich mich nicht mehr getraut, weil ich Angst hatte, dass wir dann wieder Verlust schreiben. Seither ist der Pferdeschwanz da.“ Das alles sagt Schwartz mit einem verschmitzten Lächeln. Und lässt offen, ob er nur scherzt.

          Das von ihm mitgegründete Unternehmen hieß Lighthouse Design und war ein Softwarespezialist. Schwartz stürzte sich in das Wagnis, nachdem er zuvor zwei Jahre für die Unternehmensberatung McKinsey in New York gearbeitet hatte. Im Jahr 1996 wurde Lighthouse Design an Sun Microsystems verkauft. Schwartz wechselte mit zu Sun und stieg schnell auf. Im Jahr 2004 wurde er als Chief Operating Officer für das Tagesgeschäft zuständig und war damit die rechte Hand vom damaligen Vorstandschef Scott McNealy. Zwei Jahre später rückte er an die Spitze.

          „Mein Blog ist mehr als Spielerei“

          Schwartz hat sich einen Namen für sein Internettagebuch (Blog) gemacht, wo er seine Visionen für Sun aufzeigt oder aktuelle Entwicklungen in der Branche kommentiert. Sein Blog dürfte das prominenteste eines amerikanischen Managers sein. Für ihn ist das mehr als Spielerei. „Kommunikation ist eine fundamentale Aufgabe einer Führungskraft“, sagt Schwartz, und ein Blog sei dazu eine ideale Plattform. „An einem guten Tag habe ich 60 000 Leser. Mit so vielen Leuten könnte ich anders nie an einem Tag kommunizieren.“ Sun ist allgemein ein sehr bloggerfreundliches Unternehmen. Von den 35 000 Mitarbeitern haben rund 4000 ein eigenes Blog.

          Der familiäre Hintergrund von Jonathan Schwartz ist eine bunte Mixtur geographischer Herkünfte: Seine Mutter ist halb indisch und halb walisisch, sein Vater halb russisch und halb ungarisch. Im Gegensatz zu vielen anderen Chefs von kalifornischen Technologieunternehmen wohnt Schwartz nicht in einer der vielen Nobelgemeinden im Silicon Valley, sondern im nahe gelegenen San Francisco. „Ich bin einfach ein Stadtmensch“, sagt er.

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