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Greensill-Insolvenzverwalter : Der Verhandlungskünstler

Michael Frege auf einem Bild aus Oktober 2012 Bild: dpa

Wirtschaftsanwalt Michael Frege hat erfolgreich Neckermann und das Bankhaus Lehman abgewickelt. Mit der Greensill Bank wartet das nächste große Mandat, das ihn auf mehrere Jahre beschäftigen wird.

          2 Min.

          Wenn der Frankfurter Insolvenzverwalter Michael Frege etwas anpackt, tut er dies mit großer Akribie. Besonders eindrücklich lässt sich dies am Beispiel seines bisher größten Verfahrens schildern: der Insolvenz der deutschen Tochtergesellschaft von Lehman Brothers. Das Verfahren hatte der Partner der Kanzlei CMS Hasche Sigle mit seinem Team generalstabsmäßig durchgeplant, durchaus auch mit für die Verwalterbranche eher unorthodoxen Methoden.

          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
          Marcus Jung
          Redakteur in der Wirtschaft.

          In der Hochzeit des Insolvenzverfahrens arbeiteten mehr als 500 Anwälte aus unterschiedlichen Kanzleien an dem Fall, deshalb organisierte Frege die Entscheidungswege anhand von militärischen Strukturen. Kriminologen und IT-Fachleute arbeiteten die Datenbestände auf, um das Informationschaos zu beseitigen. Die Mitarbeiter seiner Kanzlei ließ er von Polizeipsychologen ausbilden. So schilderte es Frege vor mehr als zwei Jahren in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zum zehnten Jahrestag der Großinsolvenz von Lehman Brothers. Sie galt 2008 als Startschuss einer weltweiten Finanzkrise.

          Beste Empfehlung

          Die Komplexität dieses Falls, die zahllosen unterschiedlichen Interessenslagen und die Auseinandersetzungen vor Gericht dürften die beste Empfehlung für das Mandat sein, das der 62 Jahre alte Anwalt seit diesem Montag betreut. Auf Antrag der Finanzaufsichtsbehörde Bafin ernannte ihn das Amtsgericht Bremen am Montagnachmittag zum Insolvenzverwalter der in Turbulenzen geratenen Greensill Bank AG. Noch am Abend gab CMS bekannt, dass man schon mit Hochdruck an dem Verfahren arbeite und ein versiertes Restrukturierungsteam aufgestellt habe.

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          Neben Frege als Insolvenzverwalter übernehmen die mit Bankinsolvenzverfahren erfahrene Partnerin Charlotte Schildt und Joachim Kühne, ein vor allem in Streit- und Haftungsfragen anerkannter Anwalt, die Führung in dem prestigeträchtigen Fall. In der Branche der Insolvenzverwalter gilt derzeit in Deutschland nur das Mandat des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard als vergleichbar. Dessen Insolvenzverwalter, Michael Jaffé aus München, so ist zu hören, soll in den Überlegungen der Bankenaufseher, die wegen drohender Überschuldung am 3. März ein Moratorium über die Greensill Bank verhängt hatten, bis zuletzt ebenfalls eine Rolle gespielt habe. Letztlich erhielt aber Frege den Zuschlag.

          Die Insolvenz der Greensill AG und die tiefe Krise der britisch-australischen Konzernmuttergesellschaft reichen mittlerweile einmal um den Globus. Also dürfte in den Erwägungen auch die internationale Aufstellung der Kanzleiverbunds eine Rolle gespielt haben. Zudem ist Frege für seinen Schwerpunkt in Bankinsolvenzen bekannt – und er kann hart durchgreifen. Das bekam auch die Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer zu spüren, deren Anwälte für die Maple Bank Gutachten zu „Cum-Ex“-Geschäften geschrieben hatten.

          Insolvenzverwalter lässt nicht locker

          Die Bank brach wegen Steuerrückforderungen durch den Fiskus zusammen, auch hier musste Frege die Scherben aufkehren. Er zog gegen den Platzhirsch im deutschen Kanzleimarkt vor Gericht. Mit seiner Klage erhöhte Frege den Druck, letztlich zahlte Freshfields in einem Vergleich 50 Millionen Euro in den Insolvenztopf.

          Nun also muss sich der Anwalt mit seiner Schwäche für die Feinheiten der amerikanischen Verhandlungskunst nach dem Harvard-Prinzip abermals für die Gläubiger einer Pleite-Bank in die Bresche werfen. Die Latte hat er mit seinem Erfolg im Fall der deutschen Lehman Bank so hoch gehängt, dass er sie kaum noch einmal überspringen kann: Vor mehr als zwei Jahren konnte er verkünden, dass alle Gläubigeransprüche zu 100 Prozent bedienen werden. Sogar Steuern in Höhe von rund 50 Millionen Euro konnten an den Fiskus überwiesen werden. „Jetzt ist dieser Riese begraben, und wir haben einen Fels darübergerollt“, sagte er damals. „Möge er nie wieder aufwachen.“

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