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Deutsche Bank : Jetzt trifft es die Investmentbanker

Bild: dpa

Die Deutsche Bank steht mal wieder vor dem Umbau. Die einst geliebten, dann gehassten Investmentbanker werden an Bedeutung verlieren.

          Es ist bald 20 Jahre her, da konnte man Studenten noch mit einer einfachen Wahrheit beeindrucken: Bei der Deutschen Bank gibt es einen Mitarbeiter, der verdiente mehr als der Vorstandschef. Gemeint war der Leiter des Investmentbankings – der Abteilung in der Bank, die nicht etwa das Geld aufs Sparbuch nimmt und an Häuslebauer verleiht, sondern die milliardenschwere Börsengänge vorbereitet, Kredite für große Unternehmen in Wertpapiere packt und an andere verkauft und die mit Währungen handelt. Die hohen Gehälter hätten sich die Investmentbanker verdient, so ging die Erzählung, immerhin steuerten sie mit vergleichsweise wenig Personal rund die Hälfte des Gewinns der Bank bei.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Ganze hatte einige Jahre zuvor begonnen, im Jahr 1989, als die Deutsche Bank die britische „Morgan Grenfell“ kaufte. „Was wir bewundern und nicht besitzen, ist die angelsächsische Kultur im Geldgeschäft“, hatte der damalige Vorstandssprecher Alfred Herrhausen während der Verhandlungen gesagt. Der Kauf wurde beschlossen, der Chef von Morgan Grenfell wurde der erste internationale Vorstand der Deutschen Bank – und es begann eine Internationalisierung der Bank, wie es sie zuvor nicht gegeben hatte. Die Investmentbanker der Deutschen wurden zu beachteten Akteuren in New York und in London. Später brachte es ein Chef der Investmentbank gar zum Ko-Vorstandschef, es war Anshu Jain, der zuvor schon bemerkenswert gut bezahlte Banker. Doch da hatte der Stern seiner Investmentbanker schon zu verglühen begonnen.

          Die Finanzkrise hatte am Ruf gerüttelt, Skandal nach Skandal machte der Bank immer weitere Schwierigkeiten. Wenn nun in den kommenden Tagen Vorstandschef Christian Sewing seine neuen Pläne für das sorgengeplagte Geldhaus vorstellt, dann wird er das Investmentbanking deutlich verkleinern.

          Die Investmentbanker sind nicht mehr die Stars

          Die Bank selbst sagt nichts, doch inzwischen erzählt sich halb Frankfurt: Bis zu 20.000 Stellen könnten wegfallen, viele davon in den Büros der Investmentbanker in London und New York, wo die Abteilungen heute schon weniger Platz brauchen als früher. Nennenswerte Teile der Vermögenswerte könnten in eine „Bad Bank“ fließen, eine eigene Einheit, in der das abzuwickelnde Geschäft gesammelt wird. Auch im Vorstand wird mancher Topmanager gehen müssen, Garth Ritchie zum Beispiel. Er ist der Chef des Investmentbankings und–dank Sonderzulage – aktueller Spitzenverdiener im Vorstand der Bank.

          DT. BANK

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          Der Zeitpunkt ist nicht falsch, um die Investmentbank zurechtzustutzen. Dass die Investmentbanker die Stars des Unternehmens waren, die mit kleiner Mannschaft die Hälfte der Gewinne gebracht haben, ist lange her. In mancher Abteilung sind die guten Leute schon gegangen, das Geschäft mit dem Handel von Aktien für Unternehmen bringt Verlust, einigen anderen Bereichen geht es nicht anders – insgesamt schafft die Investmentbank in diesen Monaten keinen Gewinn. Analysten überbieten sich darin auszurechnen, wie viele Probleme die Investmentbanker ihrer Bank machen. Sie hätten so viele Mitarbeiter wie Goldman Sachs, rechnet einer aus, bringen aber nur zwei Drittel des Geldes ein. Eine andere schätzt die Geschäftsaussichten der Investmentbank ab und kommt auf Jahre hinaus nur auf Verluste.

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