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Gasmangel : „Natürlich kommen wir über den Winter“

Armin Nassehi, 62, lehrt Soziologie an der Universität München. Bild: Andreas Pein

Der Soziologe Armin Nassehi über die Chancen einer Krise, die Trägheit moderner Gesellschaften und unseren Wettlauf mit China

          6 Min.

          Herr Nassehi, werden wir als Gesellschaft die Energiekrise des nächsten Winters durchstehen?

          Ralph Bollmann
          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Was würde es denn heißen, das nicht durchzustehen? Natürlich werden wir über diesen Winter kommen, die Frage ist nur, zu welchen Kosten. Wenn der akute Handlungsdruck groß genug ist, dann funktionieren auf einmal ganz ungewöhnliche Dinge. Zum Jahreswechsel soll schon das erste schwimmende LNG-Terminal in Betrieb gehen, in Deutschland dauert so etwas sonst Jahre.

          Sind Veränderungen immer nur in der Krise möglich?

          Je komplexer ein System, desto mehr ist es auf die Gegenwart fixiert. Die Nachteile von Veränderungen spüren wir sofort, den Nutzen erst in der Zukunft, das gilt auch für Präventionsmaßnahmen, medizinische zum Beispiel. Auch Unternehmen verändern sich seltener, solange sie erfolgreich sind. Jetzt diskutiert man darüber, kürzer zu duschen oder weniger zu tanken. Aber liegt das an der Verantwortung fürs Ganze oder eher an den hohen Preisen? Mir ist es recht, wenn die Leute aus ökonomischen Gründen das Richtige tun und nicht aus ideologischen Gründen das Falsche.

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