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Der Nachfolger : Im Ernstfall an die Notenpresse

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Ben Bernanke Bild: AP

Ben Bernanke wird der amerikanischen Geldpolitik seinen Stempel aufdrücken. Der anerkannte Ökonom ist Anhänger eines Inflationsziels.

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          Große Verwunderung herrschte nicht, als der amerikanische Präsident George Bush Ende Oktober Ben Bernanke als seinen Kandidaten für die Nachfolge Alan Greenspans an der Spitze der Federal Reserve (Fed) präsentierte. Bernanke, der zu diesem Zeitpunkt den Stab der Wirtschaftsberater im Weißen Haus führte, galt schon seit geraumer Zeit als einer der aussichtsreichsten Anwärter auf das wohl bedeutendste Amt der amerikanischen Wirtschaftspolitik.

          Letztlich schien er Bush von allen Kandidaten, darunter Harvard-Ökonom Martin Feldstein und Greenspan-Intimus Donald Kohn, am besten geeignet. Die nahezu einhellige Zustimmung und die reibungslose Bestätigung durch den Senat lassen den Schluß zu, daß Bushs Einschätzung der Qualitäten des 52Jahre alten Ökonomen weithin geteilt wird.

          Geldpolitisch erfahren

          Bernankes Befähigung zur Führung der Fed gründet sich nicht zuletzt auf seine langjährige Tätigkeit als Wissenschaftler. Versehen mit einem Doktorgrad vom angesehenen Massachusetts Institute of Technology, hat Bernanke lange Zeit an der Elite-Universität Princeton zugebracht, deren volkswirtschaftliche Fakultät er über sechs Jahre führte. In der akademischen Welt hat er sich mit seinen Arbeiten zur monetären Ökonomie hohes Ansehen erworben.

          Hinzu kommen inzwischen wichtige praktische Erfahrungen in der Geldpolitik. Sie sammelte Bernanke als Mitglied im Direktorium der Fed, dem er vor seinem Wechsel in das "Council of Economic Advisors" im Frühjahr 2005 fast drei Jahre lang angehörte. Der Ökonom hat die Zeit im geldpolitischen Gral nicht nur genutzt, um wichtige Einblicke in den Entscheidungsprozeß dort zu erhalten; in Reden und Vorträgen setzte er zugleich wichtige Akzente in der Geldpolitik.

          Warner vor der Deflation

          Besonders in Erscheinung trat Bernanke im Jahr 2003, als er eindringlich auf die seiner Ansicht nach drohende Gefahr einer Deflation, eines die Wirtschaft womöglich lähmenden dauerhaften Rückgangs des allgemeinen Preisniveaus, hinwies. Welch dramatische Folgen eine Deflation haben kann, hatte der Ökonom in seinen Analysen der Großen Depression in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts dargestellt.

          Bernanke versicherte den ebenfalls besorgten Finanzmarktakteuren damals zugleich, daß die Geldpolitik nicht machtlos sei, selbst wenn der Leitzins bereits auf Null gesenkt worden sei. Die Fed könne in einem solchen Fall in unbegrenztem Umfang amerikanische Staatsanleihen aufkaufen, zusätzliche Liquidität in die Wirtschaft pumpen und auf diese Weise eine Deflation abwenden, argumentierte Bernanke.

          Anhänger eines Inflationsziels

          Die Empfehlungen von damals veranlaßten einige Fed-Beobachter zur Vermutung, der neue Chairman werde die Inflation womöglich nicht so energisch bekämpfen wie sein Vorgänger. Bernankes akademische Arbeiten zur Sicherung der Preisstabilität lassen indes keinen Zweifel daran, daß der Ökonom den gesetzlichen Auftrag stabiler Preise mindestens ebenso ernst nimmt wie Greenspan. Sein Plädoyer für eine möglichst durchschaubare, nachvollziehbare Geldpolitik und die Vorgabe eines direkten Inflationsziels sind der beste Beweis dafür.

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