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Internet-Plattformen : Der Maschinenbau hinkt digital hinterher

  • -Aktualisiert am

Der Werkzeugmaschinenbauer DMG Mori gehört zu den digitalen Leuchttürmen in einer ansonsten wenig leuchtenden Branche. Bild: dpa

Digitale Maschinen sind kein Problem, digitale Geschäfte schon: Die deutschen Maschinenbauer kommen mit ihren Plattformen nicht voran - und Google und Co. lauern schon.

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          Plattform-Ökonomie war mal ein Wort, das auch im deutschen Maschinenbau die Phantasie beflügelte. In der Branche wuchs vor einigen Jahren die Idee, auf solchen Plattformen vernetzte Maschinen, digitale Dienste oder neue Services zu bündeln – auf dass die Kunden solche Anlaufstellen schätzen lernen und bereit sind, zusätzliches Geld dafür auszugeben. Inzwischen aber sind die Erwartungen zurechtgestutzt.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Abgesehen von wenigen Leuchtturmprojekten bei den üblichen Verdächtigen – Trumpf, Kaeser, Siemens natürlich – hat sich die Plattform-Idee nicht durchgesetzt. Um den aktuellen Stand und die Perspektiven zu beleuchten, hat der Branchenverband VDMA mit dem Beratungsunternehmen McKinsey seine Klientel und deren Kunden befragt und als Ergebnis einen Dämpfer erhalten. Die Maschinen an sich sind vielfach hochmodern, digital vernetzt, mit Sensoren bestückt – aber nach der erfolgreichen Digitalisierung der Produktion kommt die Digitalisierung des Geschäfts nur schleppend voran. Die Plattformen sind, bei allem Potential, das sie angeblich haben, zumeist eine Idee geblieben.


          Laut Studie, für die rund 200 Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau befragt wurden, liegt der Umsatzanteil von digitalen Plattformen und Mehrwertdiensten – die Überwachung und Wartung von Maschinen mittels App etwa – erst bei rund 0,7 Prozent des Gesamtumsatzes. Das Digitalgeschäft kommt also gerade mal auf 6 Milliarden Euro Umsatz. Die Autoren bescheinigen dem westeuropäischen Markt für sogenannte IIoT-Plattformen (Industrial Internet of Things) und Mehrwertdienste im vergangenen Jahr allerdings ein Volumen von 40 Milliarden Euro und rechnen bis zum Jahr 2024 mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 10 Prozent. Deshalb spricht die McKinsey-Partnerin und Ko-Autorin Dorothee Herring auch von einer „Warnung“ für die Branche. Sie sagt: „Der Maschinen- und Anlagenbau muss nachlegen.“ Die Plattform-Idee sei nicht so erfolgreich wie anfangs erhofft.

          Google, Microsoft und Co. lauern

          Dabei hat es durchaus Beispiele gegeben, die eine andere Entwicklung erwarten ließen. Dazu gehört die Plattform Axoom des Laser- und Werkzeugmaschinenspezialisten Trumpf, die dieser im vergangenen Jahr allerdings teilweise verkauft hat, sowie Adamos, wo sich Unternehmen wie Dürr, Zeiss oder DMG Mori zusammengetan haben. Es blieben Ausnahmen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass es vielen Maschinen- und Anlagenbauern schwerfällt, digitale Plattformen erfolgreich zu skalieren. Viele blieben hinter den Erwartungen zurück. Zwar hätten Unternehmen zum Teil eigene Einheiten gegründet, um die Entwicklung digitaler Lösungen zu forcieren, Voith aus Heidenheim und Körber aus Hamburg etwa. Allerdings hätten auch Tech-Konzerne wie Google, Amazon oder Microsoft den Aufbau von Industrieplattformen vorangetrieben. Ihr Einfluss in Kundenbranchen, zum Beispiel in der Autoindustrie, sei beträchtlich.

          Was die Autoren als Orientierung mit auf den Weg geben, klingt nicht gerade nach unternehmerischem Hexenwerk: Es gehe zum Beispiel um eine stärkere Orientierung an Kundenwünschen, um die Bereitschaft zur Kooperation mit Mitbewerbern, die Unabhängigkeit von einzelnen Herstellern und einheitliche Standards.

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